Er bekam in Dresden den Friedenspreis! Domenico Lucano festgenommen

Riace - Er galt als Symbol für Toleranz und gelungene Integration: Nun ist der Bürgermeister eines süditalienischen Dorfs festgenommen worden.

Domenico Lucano bei der Preisverleihung des Dresdner Friedenspreises.
Domenico Lucano bei der Preisverleihung des Dresdner Friedenspreises.  © DPA

Domenico "Mimmo" Lucano aus Riace in Kalabrien wird Begünstigung illegaler Einwanderung vorgeworfen, teilte die Finanzpolizei am heutigen Dienstag mit. Er wurde unter Hausarrest gestellt. Die Ermittler werfen ihm unter anderem vor, dass er zusammen mit seiner Partnerin Ehen zwischen Migranten und Einwohnern organisiert haben soll.

Lucano ist auch international bekannt geworden, weil er Hunderte Migranten in der Gemeinde mit weniger als 2000 Einwohnern untergebracht hatte. Sie lebten unter anderem in leerstehenden Häusern.

Vergangenes Jahr bekam Lucano auch den Dresdner Friedenspreis (TAG24 berichtete). Der Verein Friends of Dresden, der den mit 10 000 Euro dotieren Preis verleiht, solidarisierte sich mit Lucano. Er habe mit seinem Flüchtlingsdorf ein "Symbol der Mitmenschlichkeit" geschaffen, sagte die Vorstandsvorsitzende Heidrun Hannusch.

Linkspolitiker und Menschenrechtsaktivisten kritisierten die Festnahme als politisch motiviert. "Die Regierung geht mit dieser juristischen Ermittlung (...) den ersten Schritt der Verwandlung von einer Demokratie in einen autokratischen Staat", erklärte der Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano, der sich für Rechte von Migranten einsetzt.

In Italien regiert seit Juni eine Koalition aus rechtspopulistischer Lega und Fünf-Sterne-Protestbewegung, die einen harten Anti-Migrations-Kurs fährt. Lega-Chef Matteo Salvini höhnte nach der Festnahme auf Facebook: "Wer weiß, was jetzt Saviano und alle anderen Gutmenschen sagen, die Italien wieder mit Migranten füllen wollen."

Titelfoto: DPA


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