Land unter bei Hochwasser in Venedig: Regierung ruft Notstand aus

Venedig (Italien) - Nach den verheerenden Überschwemmungen in Venedig (TAG24 berichtete) hat die italienische Regierung am Donnerstag den Notstand für die Lagunenstadt beschlossen.

Land unter in Venedig.
Land unter in Venedig.  © imago images/Xinhua

Dies teilte der Ministerrat nach einer Sitzung am Donnerstag mit. Damit werden 20 Millionen Euro an Soforthilfen freigegeben. Ministerpräsident Giuseppe Conte (55) sagte, dass Privatleute mit Soforthilfen von 5000 und Geschäftsleute von 20.000 Euro rechnen könnten. Conte hatte am Donnerstag Venedig besucht.

Venedig ist in dieser Woche vom schwersten Hochwasser seit Jahrzehnten heimgesucht worden. Getrieben durch heftigen Wind war der Wasserstand in der Nacht zu Mittwoch auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel gestiegen. Das war der höchste Wert seit 1966.

Mehr als 80 Prozent der historischen Stadt stehen unter Wasser. Am Donnerstag sank der Pegel vormittags auf 113 Zentimeter. Für Freitagvormittag wurden aber 145 Zentimeter vorhergesagt. Die Schulen sollen geschlossen bleiben, der Dogenpalast schließt am Freitag ebenfalls. Es habe schon viele Absagen von Urlaubern gegeben, sagte Laura Ferretto vom Hotelverband Federalberghi Veneto.

Im ganzen Norden Italiens, aber auch in anderen Landesteilen werden für die nächsten Tage weiter heftige Niederschläge erwartet. In Venedig ist das Ausmaß der Schäden noch nicht abzusehen. In der Unesco-Welterbestadt entbrannte ein Streit über den mangelnden Flutschutz.

Touristen schießen Selfies

Eine Touristin lässt sich nicht unterkriegen, Zeit fürs Handy muss sein...
Eine Touristin lässt sich nicht unterkriegen, Zeit fürs Handy muss sein...  © imago images/Xinhua

Ein Milliarden-Projekt mit dem Namen "Mose" - kurz für "Modulo Sperimentale Elettromeccanico" - sollte eigentlich schon 2014 in Betrieb gehen. Dabei sollen riesige Barrieren an drei Eingängen zur Lagune hochgefahren werden und die Stadt schützen, sobald der Meeresspiegel eine kritische Marke überschreitet.

Vor mehr als 15 Jahren begannen die Arbeiten, die schon knapp sechs Milliarden Euro kosten. Ein Korruptionsskandal verzögerte das umstrittene Mammutwerk. Auch gibt es seit jeher Kritik, dass ein Eingriff in das sensible Ökosystem der Lagune mehr schade als nutze.

Nach den Bildern der Zerstörung beeilten sich Politiker zu versichern, dass das Projekt nächstes Jahr fertig werde. "In den letzten Jahren gab es viele Skandale. Es gab schwere Verzögerungen", gestand Infrastrukturministerin Paola De Micheli in einem Radiointerview ein. Jetzt seien aber bereits 93 Prozent fertiggestellt.

Während Touristen Selfies mit den Wassermassen machten, waren die Bewohner schockiert. "So was habe ich noch nicht gesehen. Es ist eine Katastrophe. Es ist wie ein Krieg. Wir haben es gewusst", sagte der Venezianer Ezio Toffolutti der Deutschen Presse-Agentur. Läden und Supermärkte seien alle im Erdgeschoss, die habe es deshalb schlimm erwischt. "Eine schreckliche Zeit", sagte der viel in Deutschland tätige Bühnenbildner.

Ministerpräsident Conte traf am Donnerstag in Venedig auch Kioskbesitzer Walter Mutti, der bei der Flut alles verloren hatte. Bilder hatten gezeigt, wie sein Kiosk in den braunen Wassermassen davon trieb. "Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo er sein könnte", sagte Mutti in einem Interview der Zeitung "La Repubblica" (Donnerstag) auf die Frage nach dessen Verbleib.

Silvio Berlusconi (M, 81), ehemaliger Ministerpräsident von Italien und Forza Italia-Parteichef, geht in Gummistiefeln bei Hochwasser über den Markusplatz.
Silvio Berlusconi (M, 81), ehemaliger Ministerpräsident von Italien und Forza Italia-Parteichef, geht in Gummistiefeln bei Hochwasser über den Markusplatz.  © Luigi Costantini/AP/dpa
Der Dogenpalast spiegelt sich im Hochwasser auf dem Markusplatz. Der italienische Zivilschutz warnte vor neuen Unwettern mit starkem Wind in der Region Venetien.
Der Dogenpalast spiegelt sich im Hochwasser auf dem Markusplatz. Der italienische Zivilschutz warnte vor neuen Unwettern mit starkem Wind in der Region Venetien.  ©  Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa

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