Schüsse auf Wildtiere vergiften Sachsens Adler

Bautzen - Tod durch Bleivergiftung: Dieses traurige Schicksal ereilt in Sachsen immer wieder Seeadler. Die majestätischen Tiere verenden elendig.

Olaf Zinke (53) begutachtet im Museum der Westlausitz in Kamenz einen toten Seeadler. Seit 2017 werden solche Untersuchungen in dem Museum unter der Leitung des Kustos der zoologischen Sammlungen durchgeführt.
Olaf Zinke (53) begutachtet im Museum der Westlausitz in Kamenz einen toten Seeadler. Seit 2017 werden solche Untersuchungen in dem Museum unter der Leitung des Kustos der zoologischen Sammlungen durchgeführt.  © Holm Helis

Seit dem Jahr 2000 werden in Sachsen tot aufgefundene Seeadler eingesammelt, um deren Todesursache zu untersuchen. In den vergangenen 17 Jahren kamen so 70 Kadaver zur pathologischen Begutachtung.

Dabei stellte man fest: Eine Bleivergiftung ist der mit Abstand häufigste Sterbegrund bei den Tieren. Knapp die Hälfte der Adler ging daran ein. Toxikologische Tests ergaben bei den Wild-Kadavern hohe Konzentrationen von Blei in Leber und Niere. Das Blei schädigt Organe, Nerven und behindert die Blutbildung. Vergiftete Seeadler sind nicht mehr in der Lage, Beute zu machen. Viele verhungern jämmerlich.

"Die Bleipartikel werden von den Adlern mit der Nahrung aufgenommen. Insbesondere in den Wintermonaten fressen Seeadler Aas und Innereien, die von Jägern in der Landschaft zurückgelassen werden", berichtet Dr. Joachim Ulbricht, der Leiter der Vogelschutzwarte Neschwitz. Zum Verhängnis werden hungrigen Seeadlern aber auch Beutetiere, die Reste oder Splitter von bleihaltiger Jagdmunition im Körper tragen.

In Sachsen darf Wild seit April 2014 nicht mehr mit Bleischrot gejagt werden - eigentlich. National und international ist bleihaltige Munition (Schrot und Büchsengeschosse) aber längst noch nicht überall geächtet. Ulbricht: "Wünschenswert wäre, dass es dort europaweit einen Durchbruch gibt und diese Munition nicht mehr zum Einsatz kommt."

Seeadler fressen auch Aas. Dieses Prachtexemplar konnte der Fotograf beim Fressen eines Rehes ablichten.
Seeadler fressen auch Aas. Dieses Prachtexemplar konnte der Fotograf beim Fressen eines Rehes ablichten.  © Imago

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