Wirbel im Erzgebirge: Jahnsdorf lädt mit Nazi-Uniformen zum Karneval ein

Jahnsdorf - Das Werbeplakat der Karnevalisten aus Jahnsdorf sorgt für Diskussionen: Es zeigt Stacheldraht und Naziuniformen. Nach der Veröffentlichung im Amtsblatt steht der Verein nun in der Kritik.

Mit diesem Plakat lud der Verein zur Karnevalsparty ein.
Mit diesem Plakat lud der Verein zur Karnevalsparty ein.  © Screenshot

Der Verband Sächsischer Carneval hat die Werbeaktion der Karnevalisten im erzgebirgischem Jahnsdorf scharf verurteilt.

"Wir distanzieren uns von dieser Art der Präsentation für eine Karnevalsveranstaltung", sagte Verbandssprecher Michael Rohde am Mittwoch. Mit diesem kritischen Geschichtsthema sollten auch Karnevalisten sehr feinfühlig umgehen.

Auf dem Flyer zur großen Karnevalsparty Anfang März, der auch im Amtsblatt der Gemeinde abgedruckt wurde, wirbt der Verein unter dem Motto: "Uns're Party hat 'ne Norm, dieses Jahr in Uniform.". Illustriert ist die Reklame mit einer Foto-Collage aus der US-amerikanischen Satire-TV-Produktion "Ein Käfig voller Helden": Vor Zäunen mit Stacheldraht stehen drei Soldaten zum Teil mit Stahlhelm und in Wehrmachtsuniform.

Der Bürgermeister der Gemeinde Jahnsdorf, Albrecht Spindler (parteilos), hatte die Werbung auf der Titelseite des Gemeindeblattes zunächst gebilligt, ruderte inzwischen aber zurück. "Ich habe es anfangs als erkennbare Satire eingeschätzt und daher zugelassen", sagte er am Mittwoch. Nach Gesprächen mit Bürgern sei ihm aber klar geworden, dass dieses Werbefoto Grenzen überschritten habe. "Im Nachhinein muss ich sagen: Ich hätte sensibler reagieren und die Veröffentlichung untersagen müssen."

Vorsitzender tritt zurück

Holger Greiner, der Vorsitzende des Jahnsdorfer Carnevalsvereins trat bereits Ende Januar zurück. Wie er dem MDR sagte, war er nicht an der Veröffentlichung des Plakats beteiligt. Er war klar gegen diese Darstellung, konnte sich aber nicht durchsetzen. Das Plakat sei ohne sein Wissen während seines Urlaubes entstanden. Da er die Veröffentlichung nicht verhindern konnte, zog er die Konsequenzen.

Inzwischen sind die Soldaten vom Plakat auf der Facebookseite und auch von der Online-Ausgabe des Jahnsdorfer Amtsblattes komplett verschwunden. Der Verein selbst entschuldigte sich am Dienstagabend auf seiner Facebook-Seite.

Titelfoto: Screenshot

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