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Mutmaßlicher Mörder stellt sich nach tagelanger Flucht

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Ich sprach mit Khaleds Mörder

Sachsen - Was für ein Nachrichten-Jahr! Es gab Unglücke, Morde, Gewalt, aber auch viele Geschichten zum Schmunzeln oder Staunen. Hier unser Rückblick 2015.

Sachsen - Was für ein Nachrichten-Jahr! Es gab Unglücke, Morde, Gewalt, aber auch viele Geschichten zum Schmunzeln oder Staunen. Hier unser Rückblick 2015.

Große Aufregung um toten Khaled

Justizmitarbeiter führen Hassan S. in den Gerichtssaal.
Justizmitarbeiter führen Hassan S. in den Gerichtssaal.

Von Anneke Müller

Dresden - Als der Asylbewerber Khaled (20) aus Eritrea im Januar 2015 in Dresden erstochen wurde, war MOPO24 zuerst vor Ort - und das ganz allein. Denn die Pressemitteilung der Polizei war dünn und es gab "bislang keine Anhaltspunkte auf Fremdeinwirkung".

Die Polizei hatte die Messerstiche in Hals und Schulter übersehen. Erst etwa 30 Stunden nach dem Tod des jungen Mannes wurde die Obduktion angeordnet.

Indessen schlugen die medialen Wellen hoch. Insbesondere, weil die Tat rassistisch motiviert schien.

Tage vorher hatten Unbekannte Hakenkreuze an die Wohnungstür der Flüchtlinge geschmiert.

Eine Rose als Zeichen des Gedenkens.
Eine Rose als Zeichen des Gedenkens.

Khaleds Freunde trauerten, Tausende signalisierten in Demos ihr Mitgefühl. Nur wenige Tage später stand fest: Sein Mitbewohner und Landsmann Hassan S. (27) hatte Khaled in einem Streit um die Haushaltsführung erstochen.

DNA-Spuren hatten den Täter überführt. Im November wurde er zu fünf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Erstaunlich: Gleichzeitig bescheinigte das Gericht der Polizei eine einwandfreie Ermittlungsarbeit.

Hassan S. plädiert weiterhin auf Notwehr und Freispruch. Der Bundesgerichtshof muss sich mit dem Fall beschäftigen.

Hassan S. (27) legte gegen sein Urteil Revision ein.

"Ich sprach mit seinem Mörder"

"Ich bin Khaled" war die Botschaft vieler Demonstranten nach dem Tod des jungen Eritreers. Da waren die Umstände seines gewaltsamen Ablebens noch unklar.
"Ich bin Khaled" war die Botschaft vieler Demonstranten nach dem Tod des jungen Eritreers. Da waren die Umstände seines gewaltsamen Ablebens noch unklar.

Ein Kommentar von Anneke Müller

Khaled (20) wurde von seinem Mitbewohner Hassan S. (27) erstochen. Als ich das erfuhr, konnte ich es eigentlich kaum glauben. Gerade mit Hassan, der etwas Englisch sprach, hatte ich viel über Khaled und die Ängste der Flüchtlinge vor fremdenfeindlichen Übergriffen gesprochen.

"Wir weinen viel um Khaled", erzählte Hassan mit Tränen in den Augen, ein paar Tage nach seinem Tod, als ich bei den verzweifelten jungen Männern in der Wohnung saß. Ich hatte Khaleds Onkel zuvor interviewt. Es war Hassan, der den Onkel auch beim gemeinsamen Gang zum Freitagsgebet vor feindlichen Blicken schützte.

"Die Menschen hier sehen uns immer so böse an", sagte Hassan damals. Wenn ich heute gefragt werde, ob er mir nicht irgendwie doch in seinem Verhalten merkwürdig vorgekommen sei, sage ich immer wieder: Nein. Er war ganz normal.

Dass ein Landsmann von Khaled die Tat beging, ist vielen Menschen eine Genugtuung gewesen. Uns sollte das eher nachdenklich stimmen. Es gibt keine Entschuldigung einen anderen Menschen umzubringen, aber eine Mitverantwortung seines Umfelds ist nicht wegzuleugnen.

Und das war wirklich schlimm: Schlechte Wohnverhältnisse und die allgegenwärtige Fremdenfeindlichkeit. Beängstigend ist, dass die Menschen wenig im letzten Jahr dazugelernt haben.

WEITERE GESCHICHTEN, DIE UNS 2015 BEWEGT HABEN

Gotteshaus bekommt neuen Herrn

Im Internet-Portal Immobilienscout24 wird für de ehemalige Lutherkirche ein neuer Besitzer gesucht.
Im Internet-Portal Immobilienscout24 wird für de ehemalige Lutherkirche ein neuer Besitzer gesucht.

Von Pia Lucchesi

Heidenau - Für die ehemalige Lutherkirche in Heidenau wird ein neuer Besitzer gesucht.

Im Internet-Portal Immobilienscout24.de erschien Ende Februar die erste Verkaufs-Anzeige - samt Foto - für das renovierungsbedürftige Gotteshaus samt Grundstück. Verkaufspreis für die entwidmete Kirche auf der Fröbelstraße: 125.000 Euro.

Schickte der Himmel der Gemeinde einen Käufer für die Immobilie?

Matthias Oelke (55), Pressesprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen: "Interessenten gab und gibt es genug, aber bis zur letzten Konsequenz wurden die Gespräche noch nicht geführt."

Derzeit werden aber Kaufverträge vorbereitet. Oelke hüllt sich in Schweigen, was Einzelheiten dazu betrifft. Er erklärt:

"Ich möchte den Abschluss der Verhandlungen nicht negativ beeinflussen. Wenn der Vertrag unterschrieben ist, informieren wir."

Kein Heimweh nach Bierzelten

Ex-Randfichte Rups hat zu Gott gefunden.
Ex-Randfichte Rups hat zu Gott gefunden.

Dresden - Was war das nur für eine Entgleisung? Anfang März ätzte Ex-Randfichte Rups im TV gegen Homosexuelle.

Der Volksmusikant, der sich nach einer Lebenskrise Gott verschrieben hat, zitierte die Bibel, um seinen Standpunkt zu untermauern, dass Pfarrhäuser nicht für gleichgeschlechtlichen Paare geöffnet werden sollen.

Zu dieser Meinungsäußerung steht der Sänger bis heute.

Ansonsten läuft alles prima: "Im Augenblick bin ich in Vorbereitung meiner dritten Solo-CD, die dann eventuell Ende 2016/spätestens Anfang 2017 erscheinen soll. Das zurückliegende Jahr war für mich ein ganz großer Segen, ich habe viele Konzerte gespielt und tolle Menschen kennen gelernt."

Die Bierzelt-Auftritte aus der Randfichten-Zeit vermisst Rups überhaupt nicht.

"Ab Mitte Januar bin ich wieder live mit Band für unseren Herrn unterwegs."

Vom Laufsteg an die Uni

Die Leipzigerin Josefin Donat bewarb sich bei der Wahl zur "Miss Universe".
Die Leipzigerin Josefin Donat bewarb sich bei der Wahl zur "Miss Universe".

Leipzig - Die Leipzigerin Krankenschwester-Schülerin Josefin Donat (21) stellte sich im Januar einer schönen Herausforderung: Sie nahm an der Wahl zur „Miss Universe“ in Florida teil.

Sie präsentierte sich cool und legte bei ihrem Auftritt einen "Strip" hin: Anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls trug sie ein Cape im Stil der bemalten Berliner Mauer. Dann ließ sie die Hülle fallen, zeigte ein schulterfreies Cocktailkleid mit aufgedrucktem Hauptstadt-Panorama.

Hübsch! Doch zum Einzug ins Finale oder gar zum Titel reichte es nicht.

Josefin Donat trug es mit Fassung. Sie sieht im Model-Job nicht ihre Zukunft. Im Juli beendete die gebürtige Oschatzerin erfolgreich ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Leipzig.

Sie lebt jetzt in Berlin und studiert Medizin-Pädagogik.

Keule für den Killer-Kommissar

Detlev G. (57) sitzt wegen Mord und Störung der Totenruhe hinter Gittern.
Detlev G. (57) sitzt wegen Mord und Störung der Totenruhe hinter Gittern.

Von Steffi Suhr

Dresden - Detlev G. (57) schmort weiter in der U-Haft. Der Kommissar und Schriftsachverständige aus dem LKA zerlegte im November 2013 im SM-Keller seiner Pension im Gimmlitztal die Leiche von Wojciech S. (59), vergrub die Einzelteile im Garten.

Laut Anklage hatte er den Ex-CDU-Politiker aus Hannover zuvor auch getötet. Detlev G. gestand aber lediglich die Schlachtung.

Das Opfer hätte sich selbst getötet.

Dennoch wurde Detlev G. im April zu acht Jahren und sechs Monaten wegen Mordes und Störung der Totenruhe verurteilt. Er legte Revision ein.

Darüber wurde noch immer nicht entschieden. Bis es so weit ist, gilt Detlev G. weiter als U-Häftling. Die Zeit nutzt er, um ein Buch zu schreiben.

Immerhin: Zu Weihnachten kredenzte die JVA Dresden Hähnchenkeule, Kartoffeln und Rosenkohl.

Zahnbehandlung dauert an

In Dresden wurde der Zahn eines Mammuts gefunden.
In Dresden wurde der Zahn eines Mammuts gefunden.

Von Pia Lucchesi

Dresden - Bei Schachtarbeiten am Zelleschen Weg in Dresden fand man Ende Mai in 3,5 Metern Tiefe den Stoßzahn eines Mammuts.

Die Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie waren entzückt. Solche Funde sind in unserer Region sehr selten.

Der Zahn schlummerte über 50 000 Jahre unentdeckt in der Erde.

Er ist etwa 1 Meter lang und in drei Teile gebrochen. Knapp 3,6 Kilogramm bringt der tierische Fund auf die Waage.

Behördensprecher Christoph Heiermann (56): "Derzeit wird der sehr fragile Zahn bei uns in Flüssigkeit gebadet. Unsere Restauratoren tüfteln an einer optimalen Konservierungsstrategie. Unser Ziel ist es, den Zahn so zu stabilisieren, dass er in einer Ausstellung gezeigt werden kann."

Ob das jedoch gelingt, kann Heiermann gegenwärtig nicht mit Bestimmtheit sagen.

Weniger Atomschutt als erwartet

Durch freiwilligen Verzicht bekam Sachsen deutliche weniger Atomschrott.
Durch freiwilligen Verzicht bekam Sachsen deutliche weniger Atomschrott.

Von Katrin Richter

Sachsen - Die Meldung, dass Sachsen trotz Bürger-Protesten die Ablagerung von Atombauschutt genehmigt, hatte im Juni zu einer Kontroverse im Freistaat geführt.

Für 2015 lagen Voranfragen über 4000 Tonnen vor. Doch durch den freiwilligen Verzicht der Deponien (Grumbach bei Dresden und Wetro bei Bautzen) ist deutlich weniger schwach radioaktiver Bauschutt aus dem Abriss alter Atomkraftwerke angekommen.

Lediglich die Deponie in Cröbern erfüllt noch einen Altvertrag.

Rechtlich gebe es, laut Umweltministerium, keine Möglichkeit, die Annahme des AKW-Schutts zu unterbinden. Volkmar Zschocke, Fraktionsvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

"Ob die Betreiber auf Dauer auf dieses Geschäft verzichten, bleibt abzuwarten."

Ministerium machte Geld noch nicht locker

Eine Drohne wäre hilfreich sexhungrige Sachsen an der Grenze aufzuspüren.
Eine Drohne wäre hilfreich sexhungrige Sachsen an der Grenze aufzuspüren.

Von Anneke Müller

Dresden/Dubi - Mit einer Drohne sollen die letzten sexhungrigen Sachsen im tschechischen Dubi, nahe der Grenze zu Sachsen, aufgespürt werden.

Dafür beantragte die 8000-Seelen-Gemeinde im Rahmen eines Kriminalitäts-Präventivprogramms beim tschechischen Innenministerium eine Drohne mit Wärmebildkamera (Kosten: 22.000 Euro).

Die soll nun noch die letzten Lustgreise aufspüren.

Doch: "In diesem Jahr lehnte das Innenministerium unseren Antrag ab, aber wir werden nächstes Jahr den Antrag erneut einreichen", so Polizeichef Tomas Pykal (45).

Auch wenn die Zahl der Huren in den letzten Jahren gewaltig abnahm, weil Dubi den Freiern mit "Knöllchen" und "Vögelscheuchen" das Leben schwer macht:

Die Drohne wäre schon noch hilfreich, wie der Polizeichef anmerkt.

Weitere Teile des Jahresrückblickes:

Fotos: Ove Landgraf (2, dpa(2, Stephan Malzdorf, Holm Helis, dpa/Oliver Killig, Thomas Türpe (2), Steffen Füssel, PR

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