Journalistenmord in der Slowakei: Die Spur führt zur Mafia

Jan Kuciak und seine Verlobte wurden in der Slowakei ermordet
Jan Kuciak und seine Verlobte wurden in der Slowakei ermordet  © DPA/Aktuality.sk, DPA/Jakub Kotian

Bratislava - Der Doppelmord an einem Aufdeckungsjournalisten aus der Slowakei und seiner Verlobten (TAG24 berichtete) wirft noch immer Fragen auf. Medienberichten zufolge erhärtet sich nun die Spur zu einem Netzwerk der italienischen Mafia.

Bei der letzten Reportage des ermordeten Jan Kuciak ging es um eben jenes Netzwerk sowie die Verbindungen zu höchsten Regierungsstellen der Slowakei. Am Mittwochmorgen hatten mehrere Medien des Landes zusammen mit dem ebenfalls slowakischen Internetportal "Aktualität.sk" den unvollständigen Bericht, an dem Kuciak vor einer Ermordung gearbeitet hatte, veröffentlich.

Nach den Recherchen des 27-Jährigen hatten sich mutmaßliche Mitglieder der kalabrischen 'Ndrangheta im Osten der Slowakei auf Steuerbetrug spezialisiert. Im Speziellen soll es sich um fingierte Rechnungen sowie Betrügereien um EU-Förderungen gehandelt haben. Es soll dem Netzwerk in diesem Zusammenhang sogar gelungen sein, Verbindungsleute in das Büro von Regierungschef Robert Fico zu schleusen, die in der Folge Zugang zu geheimen Staatsinformationen sowie Sicherheitsmaßnahmen erlangt haben könnten.

Ferner soll Ficos persönliche Assistentin, Maria Troskova, vor ihrer Regierungsanstellung mit der Mafia nahestehenden Unternehmern gearbeitet haben. Dabei geriet sie offenbar bereits ins Visier der italienischen Justiz. Slowakische Behörden hatten unlängst angekündigt, bei der Aufklärung des Falles eng mit der italienischen Polizei zusammenarbeiten zu wollen.

Nach dem Doppelmord waren neben den Toten Berichten zufolge scharfe Schusspatronen gefunden worden. Dies wird als für die Mafia typisches Warnsignal gedeutet. Ziel ist die Abschreckung weiterer Investigativ-Journalisten wie Kuciak.

Am Montag soll die slowakische Regierung nach einem Medienbericht ein Kopfgeld in Höhe von einer Million Euro (TAG24 berichtete) ausgesetzt haben. Der Mord an Kuciak sorgte weltweit für Entsetzen, öffnet aber zeitgleich auch den Blick für weitere Angriffe, Einschüchterungen oder Drohungen gegen Journalisten in der Slowakei (TAG24 berichtete).

Der Doppelmord in der Slowakei sorgt für weltweites Entsetzen
Der Doppelmord in der Slowakei sorgt für weltweites Entsetzen  © DPA/Michal Smrock

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