Kurze Freude! So krass reagierte Reemtsma-Sohn auf Entführung seines Vaters

Hamburg - Die Entführung von Jan Philipp Reemtsma hielt die Republik 1996 in Atem. 33 Tage befand sich der Millionenerbe in der Hand seiner Kidnapper.

Das Foto von Jan Philipp Reemtsma schickten die Entführer als Lebenszeichen an die Angehörigen.
Das Foto von Jan Philipp Reemtsma schickten die Entführer als Lebenszeichen an die Angehörigen.  © Polizei/dpa

Die Angehörigen bangten wochenlang um den Familienvater. Erst nach der Zahlung von 30 Millionen D-Mark ließen ihn die Gangster frei.

Reemtsma-Sohn Johann Scheerer erlebte das Drama damals als 13-Jähriger. Seine Mutter fand am 25. März 1996 im zweiten Haus der Familie Kampfspuren, Blut und einen Erpresserbrief, auf dem eine scharfe Handgranate liegt.

Als sie dem Teenager davon erzählte, freute er sich zuerst, berichtet der NDR. Denn der 13-Jährige sollte eigentlich in der Schule eine Lateinarbeit schreiben. Die fiel nun für ihn aus. Doch die Freude währte nur kurz. Dann der Schock: Der Vater befindet sich in Lebensgefahr!

Nun hat der Hamburger Musikproduzenten darüber das Buch "Wir sind dann wohl die Angehörigen" geschrieben. Am Mittwochabend stellte er es in Hamburg bei einer Lesung vor. Darin geht es um alle Details der Entführung.

Obwohl er einen anderen Nachnamen als sein Vater trägt, ist es dem 35-jährigen in Zeiten des Internets unmöglich, nicht mit dem Namen Reemtsma verbunden zu sein, erklärter Scheerer bei der Lesung. Es sei jeweils nur eine Frage der Zeit gewesen, bis neue Bekannte von seinem familiären Hintergrund erfahren hätten. Das habe immer wieder zu sehr anstrengenden Situationen geführt.

Das Buch hat er geschrieben, um sein Leben zu entmystifizieren und darüber sprechen zu können. Bei der Lesung saßen auch die Eltern im Publikum.

Bereits der Entführte Jan Philipp Reemtsma schrieb kurz nach der Entführung ein Buch. "Im Keller" wurde zum Bestseller.

Viele Menschen kamen zur Buchvorstellung von Johann Scheerer nach Hamburg. Er las über die Reemtsma-Entführung.
Viele Menschen kamen zur Buchvorstellung von Johann Scheerer nach Hamburg. Er las über die Reemtsma-Entführung.  © dpa/Christian Charisius