Medikament direkt aufs Handy: Spahn plant Einführung des digitalen Rezepts

Berlin - Ärzte können ihre Patienten schon per Videosprechstunde beraten - bald dürfen sie wohl auch digitale Rezepte ausfertigen und direkt aufs Smartphone schicken. Geht es nach Gesundheitsminister Jens Spahn (38, CDU) soll es spätestens 2020 schon soweit sein. Möglich macht es eine Gesetzesänderung.

Spätestens 2020 will Jens Spahn das digitale Rezept einführen.
Spätestens 2020 will Jens Spahn das digitale Rezept einführen.  © DPA

Das bestätigte ein Ministeriumssprecher am Dienstag. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über die Pläne berichtet.

"Erst das elektronische Rezept macht Telemedizin zu einem Erfolgsprojekt", sagte Spahn der "FAZ" und verwies auf die Vorteile der Videosprechstunden: "Die Telemedizin spart Ärzten und Patienten Zeit und Wege - vor allem auf dem Land und außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten." Deshalb will Spahn auch das bisherige Verbot aufheben, wonach Apotheken keine verschreibungspflichtigen Arzneien abgeben dürfen, wenn der Arzt den Patienten nur telemedizinisch beraten hat.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) begrüßte das Vorhaben. Nach dem Einreichen des Papierrezepts seien schon jetzt alle weiteren Schritte digital, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. "Für uns ist das E-Rezept nur die letzte digitale Meile, die noch zu überbrücken ist."

Spahns Koalitionspartner drängt sogar zur Eile: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach möchte den Gesetzentwurf schon in den kommenden Wochen in den Bundestag einbringen. "Das digitale Rezept muss so schnell wie möglich kommen", sagte Lauterbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Einzelheiten will Jens Spahn bei der Digital-Klausur vorstellen.
Einzelheiten will Jens Spahn bei der Digital-Klausur vorstellen.  © DPA

Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, bemängelte allerdings: "Digitale Rezepte sind nur ein erster Schritt für den dringend erforderlichen Digitalisierungsprozess im Gesundheitswesen." Kordula Schulz-Asche von den Grünen beklagte das Fehlen einer Gesamtstrategie. "Wie das elektronische Rezept konkret umgesetzt werden soll, auch darüber schweigt sich Spahn aus."

Technische Details sollen Krankenkassen, Ärzte und Apotheker selber aushandeln. Sie sollen auch eigenständig Regeln vereinbaren, damit Rezepte ausschließlich in elektronischer Form eingesetzt werden können. Einzelheiten des Projekts will Spahn auf der Digital-Klausur des Bundeskabinetts am Mittwoch und Donnerstag vorstellen.

Kürzlich hatte die Unternehmensberatung McKinsey errechnet, dass die Einführung des Digitalrezepts zu jährlichen Einsparungen von rund 900 Millionen Euro führen könnten. Die Stiftung Patientenschutz befürchtet allerdings Nachteile vor allem für ältere Patienten.

"Viele von ihnen sind gar nicht in der Lage, mit digitalen Geräten umzugehen", warnte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Titelfoto: DPA


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