Grabeskirche auch für Touristen geschlossen: Regierung lenkt ein

Touristen stehen am 25. Februar 2018 vor der verschlossenen Grabeskirche in Jerusalem.
Touristen stehen am 25. Februar 2018 vor der verschlossenen Grabeskirche in Jerusalem.  © Maher Abukhater/dpa

Tel Aviv - Nach der Schließung der Grabeskirche in Jerusalem lenkt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (68) im Streit mit den Kirchen ein. Er kündigte an, ein umstrittenes Gesetzesvorhaben sowie konkrete Steuerforderungen der Stadt Jerusalem an die Kirchen auf Eis zu legen.

Es solle zunächst Verhandlungen mit allen Beteiligten geben, hieß es in einer Mitteilung aus Netanjahus Büro am Dienstag. Aus Protest gegen den Gesetzesentwurf sowie die Steuerforderungen hatten Kirchenoberhäupter am Sonntag die Grabeskirche bis auf Weiteres geschlossen.

Ob den Kirchenführern Netanjahus Schritt weit genug geht, war unklar.

In einem sehr scharf formulierten gemeinsamen Schreiben der griechisch-orthodoxen und der armenischen Kirche sowie der Kustodie des Heiligen Landes war am Sonntag die Rede von einer "systematischen Kampagne gegen die Kirchen und die christliche Gemeinde im Heiligen Land".

Besucher beten vor der geschlossenen Tür der Grabeskirche, der heiligsten Stätte des Christentums, in der Altstadt von Jerusalem.
Besucher beten vor der geschlossenen Tür der Grabeskirche, der heiligsten Stätte des Christentums, in der Altstadt von Jerusalem.  © Mahmoud Illean/AP/dpa

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat habe sich mit Netanjahu in der Steuerfrage darauf geeinigt, mit mehreren Ministerien eine Lösung zu erarbeiten und mit den Kirchenvertretern zu sprechen, teilte Netanjahus Büro mit. Dabei gehe es um Abgaben für Kirchengebäude, die keine Gotteshäuser sind, wie Gästehäuser.

Der Protest der Kirchen wendet sich zudem gegen einen Gesetzesentwurf, der dem Staat die Enteignung von Grundstücken ermöglichen soll, die die Kirchen seit 2010 an Privatinvestoren verkauft haben.

Die für den Gesetzesentwurf zuständige Parlamentsabgeordnete Rachel Asaria hatte die Enteignungspläne verteidigt. Es gehe darum, Bewohner zu schützen, deren Häuser von den Kirchen verkauft worden seien. Dabei gehe es um zahlreiche Grundstücke in Jerusalem. Die neuen Eigentümer würden nun extrem hohe Gebühren von den Bewohnern verlangen.

Die Grabeskirche ist das wichtigste Heiligtum der Christenheit. Sie steht an der Stelle, an der Jesus Christus gestorben und wieder auferstanden sein soll.

Titelfoto: Stefanie Järkel/dpa, Maher Abukhater/dpa


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