Jerusalemkrise trübt die Weihnachtsfreude in der Heiligen Stadt

Palästinenser schleudern am 22.12.2017 in Ramallah im Westjordanland Steine auf israelische Soldaten.
Palästinenser schleudern am 22.12.2017 in Ramallah im Westjordanland Steine auf israelische Soldaten.  ©  Ilia Yefimovich/dpa

Jerusalem - Dutzende von Pilgern warten in einer Schlange vor der Grabkapelle in der Jerusalemer Grabeskirche - an der Stelle soll Jesus Christus begraben worden und wieder auferstanden sein.

Einige knien andächtig und berühren mit ihrem Gesicht die Steinplatte. Andere weinen vor Rührung. Besucher aus aller Welt sind gekommen, um die Weihnachtszeit im Heiligen Land zu erleben.

"Es gibt weniger Touristen", sagt Wadschi Nusseiba, der nach eigenen Angaben seit 40 Jahren die Tür der Grabeskirche bewacht. US-Präsident Donald Trump "hätte Jerusalem lieber in Ruhe lassen sollen", meint der 67-Jährige. "Manchmal ist es besser, den Mund zu halten."

Trump hatte Jerusalem am 6. Dezember im Alleingang als israelische Hauptstadt anerkannt (TAG24 berichtete). Die Palästinenser beanspruchen jedoch den 1967 von Israel eroberten Ostteil der Stadt als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.

Auch am Freitag kam es wieder zu tödlicher Gewalt, nachdem die radikalislamische Hamas zu einem "Tag des Bluts" aufgerufen hatte. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas betonte in seiner Weihnachtsbotschaft, wegen der Trump-Entscheidung würden die Palästinenser keinen US-Friedensplan akzeptieren.

Israelische Soldaten gehen am 22.12.2017 in Ramallah im Westjordanland gegen Demonstranten vor.
Israelische Soldaten gehen am 22.12.2017 in Ramallah im Westjordanland gegen Demonstranten vor.  ©  Ilia Yefimovich/dpa

Die Jerusalemkrise und gewaltsame Unruhen der Palästinenser werfen einen Schatten auf die Weihnachtsfeiern in der Heiligen Stadt.

Zwar betonen das israelische und das palästinensische Tourismusministerium unisono die große Zahl der Besucher über die Feiertage.

Pierbattista Pizzaballa, Oberhaupt der katholischen Kirche im Heiligen Land, sagt dagegen, Dutzende von Pilgergruppen hätten unter dem Druck der Ereignisse ihren Besuch abgesagt. Auch Verkäufer in Jerusalems Altstadt klagen über schleppende Geschäfte in den Tagen vor Weihnachten.

Die 65-jährige Linda Leisner aus Dänemark ist trotz der Unruhen gekommen. Es sei für sie besonders wichtig, an Weihnachten an dem Ort zu sein, "an dem es alles passiert ist". Und der Tod könne einen schließlich überall ereilen. "Man muss sein Leben leben, und wenn ich sterben sollte, dann ist es Gottes Entscheidung", sagt sie.

Andere Pilger denken offenbar ähnlich. In Bethlehem sind die Hotels über Heiligabend trotz der angespannten Lage voll ausgebucht. Die Stadt im südlichen Westjordanland erwartet über Weihnachten 10.000 Touristen.

Erzbischof Pizzaballa führt am Sonntag die traditionelle Prozession von Jerusalem nach Bethlehem an. Zu Trumps Entscheidung meint er:

"Was geschehen ist, ist geschehen. Aber Jerusalem ist so viel mehr - in Jerusalem gibt es eine Vielfalt an Seelen, denen wir allen zuhören müssen."

links: Christliche Pilger warten am 22.12.2017 in der Grabeskirche in Jerusalem vor der Grabkapelle. rechts: Gläubige und Touristen besuchen die Grabeskirche, die heiligste Stätte für Christen weltweit.
links: Christliche Pilger warten am 22.12.2017 in der Grabeskirche in Jerusalem vor der Grabkapelle. rechts: Gläubige und Touristen besuchen die Grabeskirche, die heiligste Stätte für Christen weltweit.  © Eliyahu Kamisher/dpa, Stefanie Järkel/dpa

Titelfoto: Ilia Yefimovich/dpa


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