Unruhen in Jerusalem: Ein Toter und 280 Verletzte

Israelische Polizisten halten in Jerusalem einen Demonstranten fest.
Israelische Polizisten halten in Jerusalem einen Demonstranten fest.  ©  Ilia Yefimovich/dpa

Jerusalem - Nach der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA (TAG24 berichtete) ist bei Unruhen in Jerusalem und den Palästinensergebieten ein Mann getötet worden.

Etwa 280 Menschen wurden verletzt, rund 70 davon erlitten Schusswunden. Das teilten das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza und der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond am Freitag mit. Bei dem Todesopfer handelt es sich um einen Palästinenser.

Im Westjordanland seien Warnschüsse in die Luft abgegeben worden, im Gazastreifen sei auf Anstifter der Unruhen geschossen worden, sagte eine Sprecherin der israelischen Armee.

Die radikal-islamische Hamas hatte für Freitag zum Beginn eines neuen Palästinenseraufstands (Intifada) aufgerufen. In Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen gingen nach den Freitagsgebeten Tausende Palästinenser auf die Straße.

Vor allem Jugendliche verbrannten amerikanische Flaggen und Reifen, warfen mit Steinen und Flaschen auf israelische Sicherheitskräfte. Diese setzten auch Tränengas und Gummimantelgeschosse ein.

Die israelische Polizei war in Jerusalem mit zusätzlichen Hundertschaften präsent. Die israelische Armee hatte bereits zuvor entschieden, mehrere zusätzliche Bataillone ins Westjordanland zu verlegen.

Menschen demonstrieren vor der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem gegen die Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt von Israel durch US-Präsident Trump.
Menschen demonstrieren vor der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem gegen die Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt von Israel durch US-Präsident Trump.  © Mahmoud Illean/AP/dpa

Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen griffen die israelischen Streitkräfte am Donnerstagabend Stützpunkte der dort herrschenden Hamas an.

Eine Rakete sei im Süden Israels explodiert, teilte das Militär mit. Daraufhin hätten ein Panzer und ein Kampfjet zwei Posten im Gazastreifen beschossen.

Die Palästinenser gingen diplomatisch auf Distanz zu den USA. Nach der Entscheidung Trumps wird Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nach Angaben von Fatah-Vertretern US-Vizepräsident Mike Pence nicht wie geplant in Bethlehem treffen.

Pence habe Abbas am 19. Dezember in Bethlehem treffen wollen, sagte Radschub. Die BBC berichtete, die USA hätten die Palästinenser vor einer Absage des Treffens gewarnt.

Abbas' Sprecher sagte dem arabischen Sender Al-Dschasira am Freitag zu der Warnung: "Jerusalem ist wichtiger, als jedes Treffen mit Pence oder irgendeinem anderen amerikanischen Vertreter."

Angesichts der befürchteten Eskalation der Gewalt in der Region wollte der UN-Sicherheitsrat noch im Tagesverlauf zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Die Nato-Partner Frankreich und Großbritannien als UN-Vetomächte sowie weitere Mitglieder des Weltsicherheitsrates hatten das Treffen in New York beantragt.

Update 22.03 Uhr: Rakete aus dem Gazastreifen schlägt in israelischer Stadt ein

Eine Rakete aus dem Gazastreifen ist am Freitagabend in der Stadt Sderot im Süden Israels eingeschlagen. Weitere Informationen gebe es nicht, teilte eine israelische Armeesprecherin zunächst mit. Nach einem Bericht der Zeitung "Haaretz" seien Autos beschädigt worden. Verletzte habe es keine gegeben.

Update 21.41 Uhr: Aufruhr im Heiligen Land

Mittlerweile ist die Zahl der Verletzten auf mindestens 760 Menschen gestiegen. Rund 261 davon erlitten Schusswunden, die Mehrheit durch Gummimantelgeschosse, wie der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond am Freitag mitteilte.

Am Abend griff Israel einen Stützpunkt und ein Waffenlager der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen an. Zuvor hatte Israel nach Armeeangaben eine Rakete aus dem Küstengebiet abgefangen. Bei dem israelischen Angriff wurden nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen zehn Menschen verletzt.

Titelfoto: Ilia Yefimovich/dpa


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