Nach Löws Nominierung: Darum ist der DFB-Kader ein Risiko

Frankfurt - Bundestrainer Joachim Löw wurde wegen der Ausbootung der drei Bayern-Stars Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng vielfach kritisiert (TAG24 berichtete). Auch sein Kader für die beiden anstehenden Länderspiele birgt viel Diskussionsstoff. Ein Kommentar.

Bundestrainer Joachim Löw geht mit seiner Kader-Nominierung ein hohes Risiko ein.
Bundestrainer Joachim Löw geht mit seiner Kader-Nominierung ein hohes Risiko ein.  © DPA

Wer sich die 23 Mann anschaut, die es in das DFB-Aufgebot von Löw geschafft haben, der erkennt vor allem eines: Den Mangel an erfahrenen Führungskräften.

Stattdessen sind viele Spieler dabei, die zwar ein hohes Potenzial haben, aber noch sehr jung- und auf internationalem Niveau zum Teil grün hinter den Ohren sind.

Nicht falsch verstehen: Dass die DFB-Mannschaft frisches Blut braucht, war spätestens nach der verkorksten Weltmeisterschaft 2018 in Russland klar.

Nur stehen Löw mittlerweile (zu) viele erfahrene Akteure aus verschiedenen Gründen nicht mehr zur Verfügung: Neben den drei genannten Bayern-Akteuren sind auch noch Mesut Özil, Sami Khedira und Mario Gomez nicht mehr dabei. Auch Mario Götze und André Schürrle spielen bei Löw schon länger keine Rolle mehr.

Als wäre das noch nicht genug, verzichtete der Bundestrainer auch noch auf eine Nominierung des zuletzt bei Juventus Turin stark auftrumpfenden Emre Can. Auch Jonas Hector ist vorerst raus, weil er beim 1. FC Köln zu selten auf der linken Seite spielt.

Einige dieser Kicker haben vielleicht nicht mehr das Niveau für die Nationalelf. Doch ein so großer Umbruch war gar nicht notwendig! Stattdessen wäre es viel klüger gewesen, den Bayern-Stars die Tür nicht vor der Nase zuzuschlagen und sie als Leader dabei zu behalten.

Seine DFB-Nominierung war überfällig: Maximilian Eggestein spielt beim SV Werder Bremen eine starke Bundesliga-Saison.
Seine DFB-Nominierung war überfällig: Maximilian Eggestein spielt beim SV Werder Bremen eine starke Bundesliga-Saison.  © DPA

Denn nun hat Löw mit Keeper Manuel Neuer, der den Atem von Marc-André ter Stegen im Nacken spürt, Toni Kroos, der sein Weltklasse-Format zuletzt nicht ansatzweise abrufen konnte und dem verletzungsanfälligen BVB-Kapitän Marco Reus nur noch drei echte Führungsspieler mit Erfahrung am Start.

Das ist deshalb ein Risiko, weil gerade junge Spieler sich an erfahrenen Akteuren aufrichten- und orientieren können. Vor allem dann, wenn es hart auf hart kommt, sind Anführer auf dem Platz spielentscheidend.

Das beste Beispiel: Bastian Schweinsteiger im legendären WM-Finale 2014 gegen Argentinien (1:0 nach Verlängerung). Hat ein Team nicht genügend solcher Spieler auf dem Platz, kann es schnell auseinanderfallen, was momentan beim FC Schalke 04 zu sehen ist.

Ilkay Gündogan könnte als spielstarker Taktgeber zu den Führungsspielern gehören, wenn er auf dem Feld nicht eher ein zurückhaltender Typ wäre.

Deshalb müssen einige der jüngeren Kicker möglichst schnell mehr Verantwortung übernehmen, damit sich eine gesunde Hierarchie entwickelt. Momentan passen aber nur Joshua Kimmich und Niklas Süle in dieses Anforderungsprofil rein.

Viele der anderen Akteure sind zwar wie Leroy Sané, Kai Havertz, Serge Gnabry, Leon Goretzka, Timo Werner und Julian Brandt sportlich herausragende Fußballer, auf dem Platz aber (noch) keine Lautsprecher.

Erstmals nominiert: Niklas Stark steht erstmals im Kader von Jogi Löw, durchlief aber seit der U17 alle Jugend-Nationalteams und absolvierte insgesamt 42 U-Länderspiele.
Erstmals nominiert: Niklas Stark steht erstmals im Kader von Jogi Löw, durchlief aber seit der U17 alle Jugend-Nationalteams und absolvierte insgesamt 42 U-Länderspiele.  © DPA

Während mit diesen fünf Leuten und dazu Reus offensiv allerdings durchaus ein Plan (Tempo, Dribbelstärke, Torgefahr) zu erkennen ist, muss die Defensive erstmal zusammenwachsen. Wird Süle der neue Abwehrchef? Oder doch Antonio Rüdiger? Dafür muss der Chelsea-Spieler aber noch konstanter werden.

Gleiches gilt für PSG-Star Thilo Kehrer, Gladbachs grundsoliden Matthias Ginter, Leverkusens Jonathan Tah und besonders für Neuling Niklas Stark von Hertha BSC.

Dazu müssen auch die RB-Leipzig-Außenverteidiger Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann erst nachweisen, dass sie der Nationalelf dauerhaft weiterhelfen- und die etablierten Kimmich und Nico Schulz unter Druck setzen können.

Im defensiven Mittelfeld war die erste Berufung von Maximilian Eggestein hingegen längst überfällig.

Er muss zwar erst noch in seine DFB-Rolle hineinwachsen, doch der Bremer ist einer, der über viele Jahre hinweg ein prägendes Gesicht der Mannschaft sein könnte.

Gleiches dürfte im Normalfall auch für Herthas Arne Maier gelten, dessen Nominierung nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte.

In den beiden Länderspielen am 20. März in Wolfsburg gegen Serbien (20.45 Uhr, Freundschaftsspiel) und am 24. März (20.45 Uhr, EM-Qualifikation) in Amsterdam gegen die Niederlande wird sich zeigen, ob sich Löws riskante Kader-Zusammenstellung gelohnt hat.

Bundestrainer Joachim Löw erfährt aktuell viel Gegenwind. Die richtungsweisenden Länderspiele gegen Serbien und in den Niederlanden werden mit Spannung erwartet.
Bundestrainer Joachim Löw erfährt aktuell viel Gegenwind. Die richtungsweisenden Länderspiele gegen Serbien und in den Niederlanden werden mit Spannung erwartet.  © DPA

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