"Linksgrüne Journalisten": Jörg Meuthen sauer nach ARD-Kommentar zur AfD

Stuttgart - Ein Kommentar bei den ARD-"Tagesthemen" erzürnt derzeit AfD-Mann Jörg Meuthen (58). Auf Facebook schrieb er sich jetzt seinen Unmut von der Seele.

Schrieb sich seine Wut von der Seele: Jörg Meuthen.
Schrieb sich seine Wut von der Seele: Jörg Meuthen.  © DPA

Was war passiert? NDR-Journalist Gabor Halasz hatte in rund 90 Sekunden seine Meinung zum Umgang der AfD mit der deutschen Vergangenheit kundgetan.

"Noch immer ist unser Land viel zu sehr westdeutsch geprägt", sagte Halasz da unter anderem. Und bemängelte: "Ostdeutsche in Führungspositionen gibt es kaum." Auch habe man nach der Wiedervereinigung den neuen Bundesländern quasi den Westen übergestülpt.

Das rege Halasz zwar auf, "aber deswegen die AfD wählen? Eine Partei, die spaltet und Hass verbreitet?" Und damit nicht genug: "An deren Spitze die Wessis Weidel, Meuthen und Höcke stehen?" Die Partei habe für den Osten keine Konzepte, nehme aber den Mund sehr voll.

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Dass die AfD sich mit den Opfern der Stasi vergleiche, sei für den Journalisten "eine Frechheit". Und: "Ein Schlag ins Gesicht der Mutigen von 1989."

Die anderen Parteien hätten laut Halasz den Osten zu oft allein- und der AfD das Feld überlassen. "Das muss sich ändern." Er fordert: "Unser Land muss ostdeutscher werden." Sein Fazit: "Wir Ostdeutsche haben jeden Grund, selbstbewusst zu sein. Und dafür brauchen wir nicht die AfD."

"Menschen im Osten hellwach"

Er brachte Meuthen in Rage: NDR-Journalist Gabor Halasz.
Er brachte Meuthen in Rage: NDR-Journalist Gabor Halasz.  © Screenshot Mediathek ARD

Das wollte Meuthen, dessen Kreisverband in der baden-württembergischen Ortenau liegt, so nicht stehen lassen.

Das Kommentarstück bezeichnete der 58-Jährige als "offene Wahlwerbung für unsere politischen Gegner und damit ein eklatanter Missbrauch der Zwangsgebühren".

Die Bürger sollten demnach alle anderen Parteien wählen, aber nicht die AfD. Meuthen sah die Aufgabe der Oppositionspartei AfD gefährdet: "Oppositioneller Widerspruch ist jetzt identisch mit Spaltung und Hass."

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Das prominente AfD-Gesicht holte sodann zur Journalistenschelte aus: "Selten wurde in einem Kommentar noch offener gegen eine Partei gehetzt, die es wagt, andere Positionen zu vertreten als zahlreiche linksgrüne Journalisten in ihren hermetisch abgeschirmten Redaktionsstuben."

Redaktionsstuben, von denen kein normaler Bürger wisse, wer dort eigentlich sitze, wie diese Leute politisch tickten und welche eigene politische Agenda sie verfolgten, "ohne dafür demokratisch legitimiert zu sein".

Dann zitierte er aus dem Rundfunkstaatsvertrag: "Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen."

Für AfD-Mann Meuthen sei es eine interessante Interpretation des Wortes "Unparteilichkeit", die Halasz "wenige Wochen vor den wichtigen Landtagswahlen in den genannten Bundesländern, an den Tag legt".

Der EU-Parlamentarier zeigte sich siegesgewiss: "Es wird ihm nichts nützen. Anders als viele Menschen in den westlichen Bundesländern unseres Landes sind die Menschen im Osten nach wie vor hellwach, wenn man versucht, sie in ihrer Meinung zu manipulieren."

Zuletzt hatte Meuthen Mitte Juli eine politische Schlappe erlitten. Bei der Wahl der Delegierten für den Bundesparteitag Ende November fiel er bei seinem Kreisverband durch. Einer der Gründe dafür war Meuthens Kritik am Auftreten von Björn Höcke auf dem "Kyffhäusertreffen" des rechtsnationalen "Flügels" gewesen.

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