"Jojo Rabbit": Komplett abgedrehte Adolf-Hitler-Satire sorgt für Zündstoff!

Deutschland - Deftig! Die Adolf-Hitler-Satire "Jojo Rabbit" von Regisseur Taika Waititi ("Thor: Tag der Entscheidung", "Star Wars: The Mandalorian") wird nach dem Kinostart am 23. Januar auch hierzulande für viel Gesprächsstoff sorgen.

Johannes "Jojo" Betzler (r., Roman Griffin Davis) klaut Captain Klenzendorf (Zweiter von rechts, Sam Rockwell) angestachelt von Adolf Hitler (oben, Taika Waititi) eine Granate aus der Hand.
Johannes "Jojo" Betzler (r., Roman Griffin Davis) klaut Captain Klenzendorf (Zweiter von rechts, Sam Rockwell) angestachelt von Adolf Hitler (oben, Taika Waititi) eine Granate aus der Hand.  © PR/2019 Twentieth Century Fox

Alles dreht sich um den zehnjährigen Johannes "Jojo" Betzler (Roman Griffin Davis), der zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges ein blühender Anhänger von Adolf Hitler (Waititi) ist.

Der "Führer" ist ganz nebenbei auch noch sein imaginärer Freund. Deshalb freut sich Jojo, als er mit Gleichaltrigen unter dem Kommando von Captain Klenzendorf (Sam Rockwell) im Wald Krieg üben darf.

Doch als er ein wehrloses Kaninchen erschießen soll, weigert er sich und wird von allen fortan "Rabbit", übersetzt "Hasenfuß", genannt.

Das setzt ihm zu. Also übertreibt er und schnappt sich eine ungesicherte Granate, die in seiner Nähe explodiert, sodass er ins Krankenhaus- und anschließend feststellen muss, dass sein Gesicht vernarbt ist.

Fortan baut seine Mutter Rosie (Scarlett Johansson) ihren Liebling wieder auf. Das gelingt allerdings nur kurzzeitig. Denn als Jojo in den Wänden ihres Hauses ein Geräusch hört, geht er dem auf dem Grund - und entdeckt die Jüdin Elsa (Thomasin McKenzie) in einem Geheimversteck!

Nach anfänglichem Schock bekommt seine einseitige Weltanschauung aber schnell ihre Risse. Denn er stellt fest, dass auch sie ein ganz normaler Mensch und kein Monster ist ...

"Jojo Rabbit" überzeugt in den tiefschürfenden Momenten als großartiges Drama

Die Jüdin Elsa (l., Thomasin McKenzie) jagt Jojo Rabbit (Roman Griffin Davis) anfangs Angst ein.
Die Jüdin Elsa (l., Thomasin McKenzie) jagt Jojo Rabbit (Roman Griffin Davis) anfangs Angst ein.  © PR/2019 Twentieth Century Fox

Was für eine abgedrehte Geschichte! Leider fehlt es der Umsetzung an Ausgewogenheit. Das ist schade, weil das große Potenzial der Satire erkennbar ist und szenenweise auch ausgeschöpft wird - aber eben nicht durchgehend.

So gibt es in "Jojo Rabbit" keine echten Kracher-Gags. Vieles erheitert auch Satire-Freunde nur kurzzeitig, weil schlichtweg die Grenze des guten Geschmacks überschritten wird.

In anderen humoristischen Sequenzen steckt dann wiederum zu viel Wahrheit, um für ein Lachen zu sorgen - das bleibt einem in diesem Moment dann im Halse stecken.

Dennoch gibt es immer wieder gewitzte und geistreiche Augenblicke, die für Vergnügen sorgen. Seine stärksten Szenen hat der Film aber, wenn er sich dank eines vielschichtigen und deshalb insgesamt starken Drehbuchs auf das Vorantreiben der wendungsreichen Story konzentriert.

Auch die Momente, in denen Vorurteile auf kluge Art und Weise widerlegt werden, sind großes Kino. Gerade in politisch aufgeladenen Zeiten sind sie besonders wichtig und liefern neben klaren Statements auch noch tiefschürfende Erkenntnisse.

Taika Watiti überzeugt als Adolf Hitler in "Jojo Rabbit" nur teilweise

Jojo Rabbit (l., Roman Griffin Davis) hat seinen unsichtbaren Freund Adolf Hitler (M., Taika Waititi) immer dabei - auch beim Essen mit seiner Mutter Rosie (Scarlett Johansson).
Jojo Rabbit (l., Roman Griffin Davis) hat seinen unsichtbaren Freund Adolf Hitler (M., Taika Waititi) immer dabei - auch beim Essen mit seiner Mutter Rosie (Scarlett Johansson).  © PR/2019 Twentieth Century Fox

Die Botschaften und moralischen Werte, die "Jojo Rabbit" vermittelt, sind daher extrem wertvoll. So wird deutlich aufgezeigt, dass Liebe früher oder später immer über Hass triumphiert und wie wichtig Freundschaft sowie Zusammenhalt sind.

Doch nicht nur die storytechnischen Kategorien, auch die dynamische Kameraführung, die abwechslungsreichen Locations, die hervorragende Ausstattung, die stimmungsvolle Musikuntermalung und die erstklassigen Kostüme tragen zur packenden Atmosphäre bei.

Das gilt ebenso für die Schauspieler. Gerade Griffin Davis zeigt bei seinem Debüt eine mitreißende Performance. Dazu beweist auch McKenzie ("Leave No Trace") einmal mehr ihr großes Talent.

Auch die namhaften Darsteller rufen gute Leistungen ab. Ob Johansson ("Avengers: Endgame"), Rockwell ("Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"), Rebel Wilson ("Pitch Perfect"1-3), Alfie Allen ("Game of Thrones") oder Stephen Merchant ("Verschwörung") - sie alle fügen sich glaubwürdig in die Geschichte ein.

Für Waititi selbst gilt das leider nur bedingt. Denn er bekommt den bekannten Akzent von Adolf Hitler überhaupt nicht hin, weshalb auch seine Rolle nur phasenweise funktioniert.

Dennoch ist "Jojo Rabbit" insgesamt ein sehenswerter, unterhaltsamer und kurzweiliger Film geworden, der mit etwas mehr Feinschliff aber noch mehr Potenzial gehabt hätte. Trotzdem wurde er mit sechs "Oscar"-Nominierungen bedacht.

Adolf Hitler (Taika Waititi) ist Jojos imaginärer Freund.
Adolf Hitler (Taika Waititi) ist Jojos imaginärer Freund.  © PR/2019 Twentieth Century Fox

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