Horch-Museum arbeitet düsteres Kapitel der Geschichte auf

Zwickau - Das Grauen war unvorstellbar. Helga Pollak-Kinsky (88) stand dem Tod persönlich gegenüber: Im deutschen Vernichtungslager Auschwitz musste das jüdische Mädchen 1944 mit 14 Jahren die Selektion des berüchtigten Lagerarztes Joseph Mengele (1911-1979) über sich ergehen lassen.

Helga Pollak-Kinsky (88) verfasste über ihre Zeit in Theresienstadt ein Buch.
Helga Pollak-Kinsky (88) verfasste über ihre Zeit in Theresienstadt ein Buch.  © Klaus Jedlicka

Nur knapp entkam sie den Gaskammern. Stattdessen musste sie Zwangsarbeit leisten, so auch im Lager Oederan, einer Außenstelle des KZ Flossenbürg. Dieses wurde von einer Tochterfirma der Auto Union betrieben, zu der auch die heutige Audi AG gehörte. Montag kehrte Helga Pollak-Kinsky noch einmal nach Sachsen zurück.

Im Zwickauer Horch-Museum warteten Vertreter der Audi AG auf sie. Für Audi hatte sie vor der Kamera ihre Lebensgeschichte erzählt, die künftig als Zeitzeugendokument Bestandteil der Dauerausstellung sein wird.

"Es ist uns eine große Ehre, dass Frau Pollak-Kinsky nach Zwickau gekommen ist", sagt Thomas Stebich (44), Geschäftsführer des Horch-Museums. Audi will mit der Aufarbeitung der eigenen Unternehmensgeschichte zwischen 1933 und 1945 "Verantwortung übernehmen", wie Brian Rampp (61), Leiter Politik bei Audi, erklärt. Für die Auto Union mussten 17.300 Zwangsarbeiter schuften, dazu kamen 3700 KZ-Insassen.

Helga Pollak-Kinsky war eine davon. In Oederan musste sie Hülsen für Maschinengewehre herstellen, erzählt sie. Dem Museum überließ sie als Erinnerung ihre Oederaner Blechmarke mit Namen und Häftlingsnummer.

Die Oederaner Häftlingsmarke von Helga Pollak-Kinsky (88) ist künftig ein Ausstellungsstück des Horch-Museums.
Die Oederaner Häftlingsmarke von Helga Pollak-Kinsky (88) ist künftig ein Ausstellungsstück des Horch-Museums.  © Klaus Jedlicka
Die Medienstation im Bereich "Kriegsproduktion" der Dauerausstellung im Horch-Museum. Hier kann sich jetzt jeder Besucher die Lebensgeschichte von Helga Pollak-Kinsky (88) ansehen und -hören.
Die Medienstation im Bereich "Kriegsproduktion" der Dauerausstellung im Horch-Museum. Hier kann sich jetzt jeder Besucher die Lebensgeschichte von Helga Pollak-Kinsky (88) ansehen und -hören.  © Klaus Jedlicka
Im Färbereigebäude der früheren Nähfadenfabrik Kabis in Oederan war das Außenlager des KZ Flossenbürg untergebracht. Hier musste Helga Pollak-Kinsky (88) für die Auto Union Zwangsarbeit leisten.
Im Färbereigebäude der früheren Nähfadenfabrik Kabis in Oederan war das Außenlager des KZ Flossenbürg untergebracht. Hier musste Helga Pollak-Kinsky (88) für die Auto Union Zwangsarbeit leisten.  © Klaus Jedlicka

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