Dieses musikalische Meisterwerk wird heute 50 Jahre alt!

The Beatles schlüpften für Sgt. Pepper in knallbunte Fantasieuniformen aus feinster Seide.
The Beatles schlüpften für Sgt. Pepper in knallbunte Fantasieuniformen aus feinster Seide.  © Eric Münch

London - Vor fünfzig Jahren, am 30. Mai 1967, veröffentlichten The Beatles in Deutschland ihr achtes Album namens „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“.

Die britische Gruppe lieferte damit für den „Summer of Love“ einen perfekten Soundtrack. „Sgt. Pepper“ gilt bis heute als Meisterwerk und als Album für die Ewigkeit.

Im Sommer 1967 geriet in Großbritannien die Welt der Mittelklasse aus den Fugen. Die Jugend rebellierte respektlos. Sie feierte den Pop, die Liebe und das Leben. Optimismus lag in der Luft, und die Hippie-Kultur eroberte die Städte - eine Generation im (Drogen-)Rausch!

Und die Beatles? Die Fab Four hatten im Jahr zuvor beschlossen, nicht mehr auf Tour zu gehen. Live funktionierte ihre komplexe Musik immer weniger, denn im Geschrei der Fans hörte man die Klangkunst schlicht nicht mehr.

Die Pilzköpfe waren verunsichert: In den USA hatte man sie ausgebuht. Auf den Philippinen jagte sie gar ein wütender Mob wie Freiwild durch die Straßen. Was tun?

Die Fab Four mit ihrem Produzenten George Martin (Mitte li.), dem "fünften Beatle" im Gespräch.
Die Fab Four mit ihrem Produzenten George Martin (Mitte li.), dem "fünften Beatle" im Gespräch.

Die Band suchte Abstand zum Superstar-Leben, „stürzte“ sich in die Arbeit und konzipierte ein surreales Album. Paul McCartneys Idee von einer Alter-Ego-Band zündete bei seinen Mitstreitern - die „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ war geboren.

Das Album „Pet Sounds“ der Beach Boys aus dem Jahr 1966 inspirierte McCartney und den Produzenten George Martin. Sie konzipierten Sgt. Pepper’s als Gesamtkunstwerk und schufen damit das erste Konzeptalbum der Popmusikgeschichte.

Die Beatles schlugen musikalisch völlig neue Wege ein, scheuten keinen Aufwand und überließen nichts den Zufall: Paul McCartney war meist für die Pop-Lieder verantwortlich, John Lennon und George Harrison für die psychedelische Komponente. In den Abbey Road Studios in London übernahmen sie selbst die Regie und reizten die Möglichkeiten der Vierspur-Tontechnik vollends aus.

Sie engagierten ein 40-köpfiges Orchester, arrangierten und „webten“ übersinnliche, psychedelische Klanggemälde als Hintergrund für ihre tiefsinnigen, sarkastischen, verschachtelten und teils schrägen Liedtexte.

Das lebensbejahende, mystische und etwas rätselhafte Album Sgt. Pepper’s traf den Nerv der Massen. Paul McCartney meinte dazu: „Die Stimmung des Albums entsprach dem Zeitgeist, weil wir selbst in die Stimmung der Zeit passten.“ Er sah seine Band als Kind der Zeit. „Ich behaupte, dass die Beatles nicht die Anführer, sondern die Sprecher ihrer Generation waren.“

Die Songs „Lucy in the Sky with Diamonds“, „With a Little Help from My Friends“ oder „A Day in the Life“ gingen Millionen sofort ins Ohr. Tagelang spielten die Radio-Stationen die 13 Titel rauf und runter. Das Album (Laufzeit: 39 Minuten, 43 Sekunden) stieg gleich nach Erscheinen auf Platz eins der britischen Charts und verblieb dort 22 Wochen. Am Veröffentlichungstag wurden schon so viele Platten verkauft, dass es für eine Goldene Schallplatte gereicht hätte.

Das Album gilt heute als epochal: Die US-amerikanische Musikzeitschrift Rolling Stone wählte 2003 „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ auf Platz eins der Liste der „500 Greatest Albums of All Time“.

70 Persönlichkeiten wurden zu „Paten“

Das Album gilt als Gesamtkunstwerk. Das Cover erregte genauso viel Aufmerksamkeit 
wie die Musik.
Das Album gilt als Gesamtkunstwerk. Das Cover erregte genauso viel Aufmerksamkeit wie die Musik.  © Eric Münch

Ein feines Stück Pop-Art stellt auch das Cover des Albums dar.

Für dessen Gestaltung engagierte Paul McCartney den Galeristen Robert Fraser als Artdirector. Dieser wiederum legte die Gestaltung der Plattenhülle in die Hände des Künstlers Peter Blake, dessen Frau Jann Haworth und des Fotografen Michael Cooper.

Sie kleideten die Beatles in bunte Fantasie-Uniformen und inszenierten ein Gruppenbild mit Blumen und insgesamt 70 Persönlichkeiten aus aller Welt.

Die Collage der „Freigeister“ sollte darstellen, welche vielen Einflüsse die Musik der Beatles prägten. Die Cover-Rückseite trägt einem kräftigen Rotton. Erstmals auf einem Beatles-Album sind hier die Liedtexte komplett abgedruckt.

Das Cover erreichte Kultstatus - zahlreichen Künstler wie Frank Zappa und die Mothers of Invention diente es als Vorlage für eigene Kreationen.

Zwei der vier Genies sind schon tot

Unvergessen: Auch 35 Jahre nach seinem Tod gedachten seine Fans 2015 in New York ihrem Idol.
Unvergessen: Auch 35 Jahre nach seinem Tod gedachten seine Fans 2015 in New York ihrem Idol.

The Beatles - das waren 1967 noch John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr. Legenden und Ikonen der Popmusik.

Schon 1967 sah man Entwicklungen in den Künstlerpersönlichkeiten: In der Zeit, als sich die Beatles auflösten, veranstaltete John Lennon gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Yoko Ono ab Ende der 1960er-Jahre mehrere öffentlichkeitswirksame Happenings für den Weltfrieden. Nach dem Aus der Band startete er eine erfolgreiche Solokarriere (Imagine, 1971). 1980 wurde er Opfer eines Attentats in New York.

George Harrison, der „stille Beatle“, starb 2001 in Beverly Hills. Der geniale Leadgitarrist war 27, als sich die Band trennte. Das Songwriting-Genies trat zum Hinduismus über und griff zu Drogen, um später der Düsternis des Alltags zu entfliehen.


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