"Judy": Hollywood zerstörte ihr Leben auf brutale Weise!

Deutschland - Was für ein Ausnahmefilm! Das Biopic "Judy" startet am 2. Januar in den deutschen Kinos und behandelt das tragische Leben der legendären Künstlerin Judy Garland.

Der mächtige Studioboss Louis B. Mayer (Richard Cordery) zeigt Judy Garland (Darci Shaw) klar auf, wer der Boss ist.
Der mächtige Studioboss Louis B. Mayer (Richard Cordery) zeigt Judy Garland (Darci Shaw) klar auf, wer der Boss ist.  © PR/© 2019 eOne Germany

Schon der Beginn macht klar, wie sehr die damals 16-jährige Judy Garland (Darci Shaw) vom mächtigen Studio und dessen Boss Louis B. Mayer (Richard Cordery) vereinnahmt und kontrolliert wurde.

In einer der wenigen Drehpausen läuft sie an Mayers Seite durch die Kulissen von "Der Zauberer von Oz".

Er erklärt der jugendlichen Judy, dass sie den Leuten "etwas zum Träumen geben soll". In jeder Stadt existiere "eine schönere Frau", doch keine habe ihre Stimme.

Judy zweifelt, ob sie ihr Leben wirklich als Filmstar verbringen will. Mayer fragt sie berechnend: "Willst du Hausfrau sein oder Millionärin?"

Beides sei nicht möglich. Er verstehe ihre Beweggründe, denn alle würden sich manchmal nach einem normalen Leben sehnen.

Doch sie würden in einer anderen Welt leben. Judy sieht keine andere Wahl, als weiterhin Hollywood-Schauspielerin zu bleiben und dem Publikum die oberflächlich glitzernde Scheinwelt zu verkaufen.

Denn Mayer will sie zur Legende machen, wenn sie alles tut, was er sagt. Weigert sie sich, würde er die aufstrebende Schauspielerin fallen lassen, was gleichbedeutend mit ihrem Karriereende gewesen wäre...

MGM und Louis B. Mayer richteten Judy Garland zugrunde

Judy Garland (Renée Zellweger) liebt ihre beiden Kinder Joey Luft (Lewin Lloyd) und Lorna Luft (Bella Ramsey) über alles, muss sie aber verlassen, um in London Geld zu verdienen...
Judy Garland (Renée Zellweger) liebt ihre beiden Kinder Joey Luft (Lewin Lloyd) und Lorna Luft (Bella Ramsey) über alles, muss sie aber verlassen, um in London Geld zu verdienen...  © PR/© 2019 eOne Germany

Jahrzehnte später, Ende der 1960er Jahre, sieht es ganz anders aus. Judys (Renée Zellweger) Stern ist verblasst.

Sie hat nur noch wenige Fans, ist mit vier Millionen US-Dollar hoch verschuldet und bekommt für einen Auftritt mit ihren Kindern Lorna Luft (Bella Ramsey) und Joey Luft (Lewin Lloyd) gerade mal eine 50-US-Dollar-Gage.

Sie hat keinen festen Wohnsitz und wird von einem Hotel rausgeworfen, weil sie die Rechnung nicht bezahlen kann. Deshalb muss sie bei ihrem Ex-Mann Sid (Rufus Sewell) auf der Couch schlafen.

Notgedrungen nimmt sie daher im Winter 1968 ein finanziell lohnenswertes Angebot aus London an, in Shows im prominenten West-End-Theater "The Talk of the Town" aufzutreten.

Doch ihre geliebten Kinder kann sie dorthin während der Schulzeit nicht mitnehmen. Sie muss sie also verlassen, um sie behalten zu können. Sid will unterdessen das Sorgerecht für die beiden haben.

Also macht sie sich auf nach Großbritannien, wo sie von Selbstzweifeln und Einsamkeit geplagt mehrere Wochen ohne ihre Kinder durchstehen muss...

Regisseur Rupert Goold erschafft mit "Judy" ganz früh im Jahr 2020 ein Meisterwerk

...während die Kinder bei ihrem Ex-Mann Sidney Luft (Rufus Sewell) bleiben.
...während die Kinder bei ihrem Ex-Mann Sidney Luft (Rufus Sewell) bleiben.  © PR/© 2019 eOne Germany

Diese erschütternde Geschichte hat Regisseur Rupert Goold ("True Story - Spiel um Macht") meisterlich umgesetzt.

Ihm ist mit seinem außergewöhnlichen Film ein kritischer Blick hinter Hollywoods Fassade gelungen, der in seiner emotionalen Härte erschüttert.

Denn durch die geniale Charakterdarstellung und -entwicklung, gerade von Judy, reißt das Drama von Beginn an mit und entwickelt sich mit zunehmender Dauer zu einem der intensivsten Kinoerlebnisse der letzten Jahre.

Mitanzusehen, wie Judy Garland fertig gemacht wird, ist brutal. Denn sie kann sich aus dieser Abwärtsspirale nicht mehr befreien. So muss man als Zuschauer hilflos mitansehen, wie der jungen Judy Burger und Pommes von ihrer "Aufpasserin" am Filmset rigoros verboten werden, weil sie ja "pummelig" sei.

Als wäre das noch nicht genug, wird ihr Geburtstag am Set emotionslos "gefeiert". Vom Kuchen naschen darf sie da ebenfalls nicht, sondern muss eine strenge Diät halten.

Das passt ihr gar nicht und so springt sie in vollen Klamotten ins Wasser, was zur Folge hat, dass die Dreharbeiten unterbrochen werden und Mayer ihr mit deutlichen Worten ins Gewissen redet.

"Judy" ist atemlos spannend, emotional wuchtig und authentisch

Jahrzehnte im Showgeschäft haben deutliche Spuren an Judy Garlands (Renée Zellweger) Körper und Geist hinterlassen.
Jahrzehnte im Showgeschäft haben deutliche Spuren an Judy Garlands (Renée Zellweger) Körper und Geist hinterlassen.  © PR/© 2019 eOne Germany

Das ist jedoch nur der Anfang. Denn im weiteren Verlauf gibt es noch unzählige aufwühlende Szenen zu sehen und verarbeiten.

Trotzdem gelingt es Goold, immer wieder witzige und hoffnungsvolle Momente einzubauen. Durch diese perfekte Balance in der Story-Führung reißt "Judy" das Publikum vollends mit.

Auch hinsichtlich der Spannungskurve und Dramaturgie kommt der Film sehr ausgeklügelt daher.

Hinzukommen ein hintergründiges Drehbuch und schlagfertige Dialoge, die viel zum hohen Niveau dieses brillanten Werkes betragen. Durch den intelligenten Aufbau sind nämlich auch die Motive der einzelnen Protagonisten bis in die kleinsten Nebenrollen klar und nachvollziehbar.

Das wiederum führt zu einer tiefen emotionalen Bindung, die das Publikum zu Judy und den anderen Figuren aufbauen kann. Deshalb sitzt man gebannt im Kinosessel, verfolgt neugierig die umfassende Storyline und wird durch einige überraschende Wendungen bei der Stange gehalten.

Beim großen Finale hat man sogar Gänsehaut, was nicht nur an der ergreifenden Musikuntermalung liegt. Alle Kategorien greifen hier ineinander und erschaffen ein Ende, das einem sehr nahe geht. Das führt zu einem so seltenen, atemlosen Kinoerlebnis, dass man nicht einmal während der 118 Minuten auf die Uhr guckt.

Renée Zellweger zeigt als Judy Garland die beste Leistung ihrer gesamten Karriere

Dennoch rafft sich Judy (Renée Zellweger) auf und liefert in London mehrere herausragende Auftritte ab.
Dennoch rafft sich Judy (Renée Zellweger) auf und liefert in London mehrere herausragende Auftritte ab.  © PR/© 2019 eOne Germany

Bei "Judy" möchte man schlichtweg nicht gestört werden, um den Film und seine überragende Qualität einfach genießen zu können.

Einen Anteil daran hat auch die starke Kameraführung von Ole Bratt Birkeland ("The Crown"), der in Verbindung mit den abwechslungsreichen Locations, den prächtigen Kostümen und dem herausragenden Make-up große cineastische Bilder auf die Leinwand zaubert.

Alldem setzt Zellweger ("Chicago", "Unterwegs nach Cold Mountain", "Bridget Jones") allerdings die Krone auf. Die "Oscar"-Gewinnerin zeigt die beste Leistung ihrer Karriere und eine der besten Performances einer Schauspielerin in diesem Jahrtausend!

Die 50-Jährige erfasst die Seele ihrer Figur perfekt, erschafft eine eigene Version der berühmten Künstlerin und überzeugt dabei bis in die kleinsten Details.

Denn sie stellt Garland mit allen ihren Facetten dar. Mal als launische Diva, mal als zutiefst empathische Person, die anderen in schweren Zeiten zur Seite steht und dann wiederum in Sequenzen, in denen offensichtlich ist, dass sie einfach nicht mehr kann und am Ende ihrer Kräfte ist.

Für ihre Leistung hätte sie den "Oscar" als beste Hauptdarstellerin definitiv verdient! Doch auch bekannte Schauspieler wie Ramsey (Lyanna Mormont in "Game of Thrones"), Sewell ("The Man in the High Castle"), Michael Gambon (Professor Albus Dumbledore in "Harry Potter" 3-7.2), Jessie Buckley ("Chernobyl") oder Finn Whitrock ("La La Land") zeigen erstklassige Leistungen.

Deshalb ist "Judy" in jederlei Hinsicht ein großes Meisterwerk geworden, das einem nochmal das mitunter grausame Leben von Judy Garland vor Augen führt. Unbedingt anschauen!

Renée Zellweger überragt als Judy Garland.
Renée Zellweger überragt als Judy Garland.  © PR/© 2019 eOne Germany

Titelfoto: PR/© 2019 eOne Germany

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