Jugendleiter soll Kinder vergewaltigt haben: Doch platzt jetzt das Verfahren?

Kiel - Der Prozess um schweren Kindesmissbrauch und Vergewaltigung gegen einen ehemaligen Leiter einer Jugendeinrichtung in Cuxhaven wackelt: Am Montag will das Kieler Landgericht verkünden, ob das Verfahren wie geplant fortgesetzt wird oder platzt.

Vor dem Kieler Landgericht soll am Montag eine Entscheidung fallen.
Vor dem Kieler Landgericht soll am Montag eine Entscheidung fallen.

Nach massiver Kritik der Verteidigung an angeblich unzureichenden und einseitigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte die Jugendkammer die Verlesung der Anklage zum Prozessauftakt überraschend um eine Woche ausgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-Jährigen aus dem Kreis Segeberg 17 Fälle im Tatzeitraum von 2013 bis 2018 vor.

13 davon wertet sie als schwer, zwei auch als Vergewaltigung. Der Angeklagte selbst bezeichnet sich als unschuldig. Er sitzt seit vergangenem Februar in Untersuchungshaft. Im Februar 2018 war er nach Strafanzeigen suspendiert worden.

Der Anklage zufolge soll sich der Mann an den beiden - heute zwölf und zehn Jahre alten - Kindern seiner Lebensgefährtin sowie einem heute 14 Jahre alten Jungen aus der Einrichtung der Jugendfürsorge vergangen haben.

Der Junge ist Nebenkläger in dem Verfahren. Er soll dem Angeklagten nach Angaben der Verteidigung während des Ermittlungsverfahrens rund 500 Taten vorgeworfen haben. Dies zeige "die Absurdität dieser Vorwürfe".

Die Jugendkammer hat für den Prozess etliche Zeugen geladen und 13 Verhandlungstage vorgesehen.

Auch zwei Diplom-Psychologinnen sind als Sachverständige hinzugezogen. Das Urteil könnte Ende Oktober fallen.

Der 46-Jährige muss sich in mindestens 17 Fällen verantworten. (Symbolbild)
Der 46-Jährige muss sich in mindestens 17 Fällen verantworten. (Symbolbild)  © dpa/Angelika Warmuth

Update, 15.21 Uhr

Der Prozess gegen den ehemaligen Jugendleiter ist am Montag mit der Anklageverlesung und der Vernehmung zweier Zeugen fortgesetzt worden.

Die Jugendkammer des Landgerichts wies zunächst den Antrag der Verteidiger auf Aussetzung des Verfahrens als unbegründet zurück. Die Anklage genüge den gesetzlichen Voraussetzungen, sagte der Vorsitzende Stefan Becker.

Die Verteidiger hatten der Staatsanwaltschaft einseitige Ermittlungen zu Lasten ihres Mandanten und Unvollständigkeit der Ermittlungsakten vorgeworfen. Sie schürten erneut Zweifel an der Anklage und den Aussagen der betroffenen Kinder. Sie warnten vor einem möglichen Fehlurteil.

Auch am zweiten Verhandlungstag kam es zu verbalen Attacken der Verteidigung gegen die Staatsanwältin. Zudem beantragten die beiden Verteidiger erneut die Aussetzung des Verfahrens.

Das Gericht will später darüber befinden. Für den Prozess hat die Kammer etliche Zeugen geladen und 13 Verhandlungstage vorgesehen.

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