Jung, blond, tot: Das sagen Kritiker zu dem neuen deutschen Krimi

TV - Eine neue Ermittlerin soll die deutsche Krimi-Welt umkrempeln. Sie ist hübsch, klug und unberechenbar. Doch schafft sie es, die Zuschauer von sich zu überzeugen? Die Kritiker haben da eine recht eindeutige Meinung.

Ermittlerin Julia Durant (Sandra Borgmann) beweist sich als perfekte Profilerin.
Ermittlerin Julia Durant (Sandra Borgmann) beweist sich als perfekte Profilerin.  © SAT.1/Felix Holland

Es ist die Verfilmung eines Bestsellers. Regie führte Maria von Heland ("Große Mädchen weinen nicht"). Das Buch mit demselben Titel schrieb Andreas Franz, landete damit 1996 einen Hit. Die Handlung ist recht schnell erzählt: In Frankfurt am Main tötet ein Serienmörder junge Blondinen. Er zieht den Leichen weiße Kleider an und doktert ihnen am Gesicht herum, entfernt sogar Teile daraus.

Die taffe Ermittlerin Julia Durant (Sandra Borgmann) nimmt sich der Sache an. Sie selbst kam vor Monaten einem Mordversuch glimpflich davon. Zurück im Dienst sorgt sie für reichlich Unmut bei ihren Kollegen. Vor allem Ermittler Schulz (Guido Broscheit) leidet unter Durants Rückkehr, hatte er sich schließlich bereits auf ihrem Posten gut ausgebreitet.

Inzwischen gibt es ein neues Mordopfer und die Ermittlungen laufen an. Ein Unternehmensberater gerät ins Visier und zu allem Übel hat es auch noch sein Anwalt der Ermittlerin angetan. Sie landen in der Kiste...

Das meinen die Kritiker

Die Ermittlerin bei einem der Opfer.
Die Ermittlerin bei einem der Opfer.  ©  Sat 1 / Felix Holland

Kritiker haben nach Sichtung des neuen Krimis (Sat.1, Dienstagabend, 20.15 Uhr) eine recht deutliche Meinung.

So wird die Handlung des Krimis (Drehbuch: Kai-Uwe Hasenheit) als sehr belanglos und gewöhnlich aufgefasst. 1996 mag das als Buch ein Knaller gewesen sein, inzwischen seien diese Art der Thriller aber etliche Male erzählt worden. Es käme das Gefühl auf, "es so oder besser in Duzenden anderer Filme gesehen zu haben". Außerdem ist auch von einer uninspirierten Version von "Das Schweigen der Lämmer" die Rede.

Anstatt emotionaler Bilder gäbe zu viele banale Gespräche, die Gefühle und Gedanken der Protagonisten darstellten. Das mache den Film "fade".

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Der Verdächtige wirkt in seiner Rolle übertrieben ekelhaft, der smarte Anwalt landet mit der Ermittlerin im Bett. Das bringt Kritiker Julian Miller zu der Äußerung, dass "ein Klischee an das andere geheftet wird." Er arbeitet sich auch an der Hauptfigur des Krimis ab, der Ermittlerin. Die Rolle sei widersprüchlich. "Sie ist professionell, rechtsergeben und intelligent, steigt aber trotzdem mit einem Anwalt in die Kiste, gegen dessen Mandanten sie ermittelt, obwohl sie weder impulsiv noch pflichtvergessen wirkt."

Im Ganzen fehle es dem Film an Hintergründigkeit und erzählerischer Raffinesse, so Miller. Und weiter: "Wenn Julia Durant hier zum ersten und zum letzten Mal ermitteln sollte, wäre das für den Vorrat an deutschen Fernsehkommissaren ein verschmerzbarer Verlust."

Immerhin Lob gibt es für die Inszenierung der Schauplätze. Frankfurt wäre als Schauplatz für diesen düsteren Krimi perfekt dargestellt und offenbare viele unerwartete Facetten. "Die Verpackung dieses Krimis ist origineller als sein Plot", bringt es Kritiker Eric Leimann auf den Punkt.

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