Junge (4) qualvoll mit Leinensack erstickt: Mutter nimmt Sekten-Führerin in Schutz

Hanau - Im Mordprozess gegen eine mutmaßliche Sekten-Anführerin hat die Mutter des getöteten Jungen die Angeklagte erneut in Schutz genommen.

Die 72-jährige Angeklagte betritt am 22.10.2019 mit ihrem Anwalt den Gerichtssaal.
Die 72-jährige Angeklagte betritt am 22.10.2019 mit ihrem Anwalt den Gerichtssaal.  © DPA

Am zweiten Verhandlungstag sagte sie am Donnerstag vor dem Hanauer Landgericht, dass die 72-Jährige die zahlreichen Kinder der Glaubensgemeinschaft weder psychisch noch physisch misshandelt habe.

Sie habe alle Kinder lieb gehabt und darum gerungen, sie auf den richtigen Weg zu bringen.

Dieser Aussage gegenüber stehen jedoch interne Unterlagen aus der Gruppe, die ein anderes Bild vermitteln.

Die Schriftstücke - Tagebucheinträge und Briefe, womöglich von der Angeklagten - wurden als Beweismittel präsentiert: Darin sei der Junge als "fieser, kleiner Kerl" bezeichnet worden, der "dreckig grinst und nach Lust und Laune in die Hose" mache.

Um Schlimmeres zu verhindern, habe Gott das Kind zu sich geholt. Die Eltern des Jungen hätten ihn sonst später nicht mehr bändigen können, heißt es darin.

Junge in Leinensack eingeschnürt und seinem Schicksal überlassen?

Die Sekten-Führerin sitzt neben einem weiteren Anwalt im Gerichtssaal.
Die Sekten-Führerin sitzt neben einem weiteren Anwalt im Gerichtssaal.  © DPA

Die Mutter des toten Jungen räumte ein, dass sie als Mitglied der Glaubensgemeinschaft die Passagen kenne. Darüber sei in der Gruppe gesprochen worden.

Die Staatsanwaltschaft Hanau wirft der 72-jährigen Frau vor, den vierjährigen Jungen an einem heißen August-Tag im Jahr 1988 getötet zu haben. Sie habe den in einen Leinensack eingeschnürten Jungen, auf den sie aufpassen sollte, im Badezimmer ihres Hauses seinem Schicksal überlassen. Vermutlich ist er erstickt.

Die Angeklagte soll den Jungen als "von den Dunklen besessen" angesehen haben, wie das Gericht erklärte. Die Verteidigung wies die Vorwürfe zurück.

Die Polizei ging damals davon aus, dass der Junge an Erbrochenem erstickte - ein Unglücksfall ohne Fremdeinwirkung.

Titelfoto: DPA


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