Dynamo-Aufstiegsheld Eilers: So reagieren die Fans auf seine Insolvenz-Beichte

Dresden/Braunschweig - Er schoss Dynamo Dresden dorthin, wo der Verein jetzt im vierten Jahr in Serie antritt: Die zweite Fußball-Bundesliga. Das haben die Fans Justin Eilers nicht vergessen!

Die Fans reagieren auf die ehrlichen Worte von Justin Eilers mit viel Anerkennung und Aufmunterung.
Die Fans reagieren auf die ehrlichen Worte von Justin Eilers mit viel Anerkennung und Aufmunterung.  © Screenshot/Facebook/Justin Eilers

Am Sonntag schlug die Nachricht in den Städten, in denen der 31-Jährige seine fußballerische Handschrift hinterlassen hatte, ein wie eine Bombe: der dauerverletzte Profi hat Privatinsolvenz angemeldet!

Doch die Fans aus Dresden stehen hinter ihrem ehemaligen Star. Sein Facebookprofil wurde mit Kommentaren überschüttet, fast alle durchweg positiv: "Ganz viel Kraft für deinen Neustart.. Mein Respekt für deine Offenheit und nun Kämpfe.. Du schaffst das💪👍", schrieb eine Userin. Ein anderer Fan sagte: "Alles Gute Eile....krasse ehrliche Worte....das ist wahre Größe....!"

An die 400 Kommentare haben sich mittlerweile auf diversen Facebook-Seiten gesammelt. Zwar gibt es auch kritische Stimmen, doch der Großteil der Menschen wünscht dem 31-Jährigen alles Gute.

Wenige Stunden zuvor hatte sich Eilers selbst bei Facebook mit offenen, ehrlichen und emotionalen Zeilen zu Wort gemeldet.

"Mir ist bewusst, dass ich durch meinen Fehler auch Menschen in meinem engsten Umfeld und vor allem meine Familie stark enttäuscht und belastet habe. Ich möchte deshalb auch auf diesem Wege vor allem die wichtigsten Menschen in meinem Leben aufrichtig um Entschuldigung bitten", schreibt der Aufstiegsheld von Dynamo.

Der Stern von Eilers ging bei Dynamo auf: 46 Tore in 81 Spielen

Gemeinsam mit Pascal Testroet (re.) schoss Eilers Dynamo 2016 zurück in die zweite Fußball-Bundesliga.
Gemeinsam mit Pascal Testroet (re.) schoss Eilers Dynamo 2016 zurück in die zweite Fußball-Bundesliga.  © Lutz Hentschel

Daneben erklärt er, dass er nicht "pleite" sei, sondern "dass meine Schulden über die dafür gesetzlichen Möglichkeiten bereinigt werden."

Anschließend bittet er um Verständnis, dass er keine weitere Auskunft über den Sachverhalt geben wird. Dass er den Post mit einem Foto aus Dynamo-Zeiten versieht, ist sicherlich kein Zufall, schließlich strahlte Eilers Stern am Dresdner Himmel am hellsten. Für den 31-Jährigen eine unvergessliche Zeit.

Unvergessen sind für die Anhänger der Schwarz-Gelben auch seine Verdienste für Dynamo Dresden. Denn zusammen mit Pascal Testroet (mittlerweile Erzgebirge Aue) schoss er den Klub 2015/16 zurück in die zweite Liga.

In 81 Spielen in Dritter Liga, Sachsenpokal und DFB-Pokal für Dynamo erzielte Eilers insgesamt 46 Tore. Von 2014 bis 2016 katapultierte der Mann mit der Rückennummer elf sich damit ins Blickfeld der Bundesligisten.

Der SV Werder Bremen machte schließlich das Rennen, Eilers wechselte an die Weser. Für den 31-Jährigen erfüllte sich ein Traum, denn vor Dynamo wollte er zwar in die Bundesliga, schaffte den Durchbruch aber nicht. In Dresden blühte er auf, funktionierte in den beiden Spielzeiten hervorragend und bildete in der Aufstiegssaison mit Testroet ein geniales Duo.

Nach dem Wechsel zu Werder Bremen begann ein gnadenloses Verletzungspech

Eilers hier im Trikot von Werder Bremen II beim Spiel gegen den Halleschen FC.
Eilers hier im Trikot von Werder Bremen II beim Spiel gegen den Halleschen FC.  © imago images/Holger John

Doch statt im späten Fußballer-Alter doch noch den großen Wurf in der Bundesliga zu landen, wurden die Träume von Eilers schon in der Vorbereitung 2016 zerstört.

Erst zog er sich eine Zerrung am Hüftbeuger zu, später entpuppte sich die Blessur als schwere Leistenverletzung, der Offensivspieler musste unters Messer (TAG24 berichtete).

Kaum hatte sich Justin Eilers dann wieder über Einsätze bei der U23 an das Profiteam herangekämpft, erlitt er im Mai 2017 bei einem Zweikampf im Training mit dem jetzigen Bayern-Star Serge Gnabry einen Riss des vorderen Kreuzbandes sowie des Innenbandes im linken Knie.

Zuvor durfte er in der Bundesliga bei den Auswärtsspielen im April 2017 in Frankfurt und in Ingolstadt auf der Bank Platz nehmen.

Nach Monaten in der Reha, gab er in der U23 im März 2018 sein Comeback, doch sein Vertrag in Bremen wurde anschließend nicht verlängert.

Eilers hatte damit knapp zwei Jahre lang fast ausschließlich vom Krankengeld gelebt, nicht von seinem sicherlich gut ausgehandelten Bundesliga-Gehalt.

Auf Bremen folgen eine Farce für Eilers in Griechenland und eine erneute Verletzung

Mit gesenktem Blick steht Justin Eilers das: In seiner Karriere musste er immer wieder schwere Verletzungsrückschläge wegstecken.
Mit gesenktem Blick steht Justin Eilers das: In seiner Karriere musste er immer wieder schwere Verletzungsrückschläge wegstecken.  © Lutz Hentschel

Im Sommer 2018 ging es schließlich zu Apollon Smyrnis in die erste griechische Liga. Grund für den Wechsel: Trainer und Ex-Verteidiger Valerien Ismael, der den Klub betreute und ihn schon aus Bremer Zeiten kannte.

Doch nach nur einem einzigen Spiel trat Ismael bei dem Verein aus Athen zurück und sagte damals über die Gründe bei Twitter: "Der Präsident hat mir gedroht und versucht, die Startelf sowie die Auswechslungen am Spieltag zu beeinflussen. Es ist unmöglich für mich, unter diesen Bedingungen zu arbeiten."

Im Winter flüchtete dann auch Eilers, berichtete, dass er kein Gehalt bekommen hätte und der Verein ihn unbedingt mit allen Mitteln loswerden wollte. Nach einiger Zeit zu Hause in Braunschweig, nahm er im Januar ein Angebot der Sportfreunde Lotte an. Doch nach einigen Kurzeinsätzen der nächste Verletzungsschock: wieder Hüftprobleme.

Damals soll das Kernproblem gefunden und behoben worden sein. Eilers berichtete von seiner Operation auf Facebook: "Es wurde endlich die Ursache für all meine Probleme in den letzten drei Jahren gefunden und behoben!Ich bin aktuell sehr froh, aber auch extrem traurig und enttäuscht, dass man mir solange nicht helfen konnte. Drei Jahre im Fussballgeschäft ist eine ewig lange Dauer und es war eine mehr als harte Zeit für mich! Vieles blieb mir dadurch verwehrt", sagte er am 1. April.

Nun hofft Eilers, dass er nach 42 Monaten voller Pech nicht nur die Privatinsolvenz übersteht, sondern im Fußballgeschäft noch einmal Fuß fassen kann. Die Dynamo-Fans drücken ihm die Daumen.

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