Neue Pläne für diesen Knast

Die Abrisspläne für den Kaßberg-Knast sind vorerst vom Tisch.
Die Abrisspläne für den Kaßberg-Knast sind vorerst vom Tisch.

Von Doreen Grasselt

Chemnitz - Neue Hoffnung für das Kaßberg-Gefängnis: Die Abriss-Pläne für die Gedenkstätte sind offenbar vom Tisch. Stattdessen sollen die JVA-Räume künftig für die Forschung genutzt werden. Doch die Zeitzeugen bleiben skeptisch.

Im Mai vergangenen Jahres waren geheime Skizzen aufgetaucht, in denen der Gedenkort ohne die JVA-Gebäude eingezeichnet wurde.

Doch nun gibt’s neue Pläne: Spätestens im Frühjahr will der Verein "Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis" einen 200 Quadratmeter großen Teil (Wachturm und ein Stück der Mauer) des 20.000-Quadratmeter-Areals vom Freistaat abkaufen, um dort einen Gedenkort zu errichten.

Zur Zeit können interessierte Besucher Führungen durch die ehemalige JVA buchen.
Zur Zeit können interessierte Besucher Führungen durch die ehemalige JVA buchen.

"Das ist ein gutes Zeichen, dass auf dem Kaßberg auch eine Gedenkstätte entstehen kann, in der wissenschaftlich gearbeitet wird", sagt Vereinsvorstand Jürgen Renz (41).

Doch die Zeitzeugen bleiben skeptisch. "Wozu ist eine Teilung des Geländes überhaupt notwendig, wenn es doch ein gemeinsames Projekt gibt?" wundert sich Maik Reinhardt (51). "Außerdem ist noch gar nicht geklärt, wer die Kosten für Sicherheit und Pflege des Grundstücks übernimmt."

Der Ex-Häftling wurde 1989 wegen Republikflucht verhaftet, sollte 22 Monate sitzen. Jetzt organisiert Maik Reinhardt Führungen durch das JVA-Gebäude.

Der Kaßberg-Knast war einst die größte Abschiebehaftanstalt der DDR. Von den 33.000 an die BRD verkauften DDR-Häftlingen wurden 32.000 von Chemnitz aus abgeschoben. Zudem haben die Nazis Tausende Juden auf dem Kaßberg eingesperrt, bevor diese in die Todeslager deportiert wurden.

Online können Besucher den Knast jetzt auch auf dem Bildschirm erkunden.

In dieser Zelle sollte Maik Reinhardt (51) 1989 fast zwei Jahre einsitzen. Die Wende war seine Rettung.
In dieser Zelle sollte Maik Reinhardt (51) 1989 fast zwei Jahre einsitzen. Die Wende war seine Rettung.
In winzigen Zellen wurden die Insassen zusammengepfercht.
In winzigen Zellen wurden die Insassen zusammengepfercht.
In einem Teil des 20.000-Quadratmeter-Areals soll in Zukunft Forschung betrieben werden.
In einem Teil des 20.000-Quadratmeter-Areals soll in Zukunft Forschung betrieben werden.

Fotos: Sven Gleisberg (4), Peter Zschage (1)


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