Seine Klempnerei läuft in fünfter Generation, doch Handwerksmeister Behnisch aus Kamenz hat ein Problem

Kamenz - Ein wirklich seltenes Jubiläum: Klempnermeister Uwe Behnisch (54) aus Kamenz feiert den 150. Geburtstag seines Handwerksbetriebs. 1869 hatte sein Ur-Ur-Großvater Julius Behnisch die Firma gegründet. Doch wie es für den Familienbetrieb weitergeht, ist nach fünf Generationen offen.

Klempnermeister Uwe Behnisch (54) führt den Handwerksbetrieb in Kamenz in fünfter Familiengeneration.
Klempnermeister Uwe Behnisch (54) führt den Handwerksbetrieb in Kamenz in fünfter Familiengeneration.  © Holm Helis

Eine Sache hat sich im Handwerk nach 150 Jahren massiv verändert: "Wir haben kaum noch Nachwuchs. Das war undenkbar früher! Auch mein Vater hatte immer Lehrlinge", sagt Uwe Behnisch. Seit dem Jahr 2000 führt er den Familienbetrieb an der Pulsnitzer Straße, den sein Ur-Ur-Opa ein paar Häuser weiter eröffnet hatte. Über fünf Generationen wanderte der Schlüssel innerhalb der Familie weiter.

Uwe hatte nach der Wende seinen Klempner- und Installateurmeister erlangt - also zwei Titel. Klempner stellen Blechbauteile für Hausdächer und Fassaden her, montieren Abflussrohre. "Das machen wir im Betrieb auch heute noch, aber eher selten. Zum Großteil planen, installieren und modernisieren wir Heizungs- und Sanitäranlagen. Der Beruf heißt seit einigen Jahren Anlagenmechaniker."

Ein weiterer Unterschied zu einst: "Früher hat man nach Kunden gesucht. Heute besänftigt man sie eher, dass man nicht sofort kommen kann", sagt Uwe Behnisch. "Es gibt zu viel Arbeit für zu wenige Handwerker."

Heißt: Sein Betrieb ist bis Jahresmitte mit Aufträgen praktisch ausgebucht. Zwei weitere Mitarbeiter könnte er beschäftigen, doch Fachkräfte fehlen. Er wäre schon froh, wenn er Nachwuchs finden würde, zumal zwei seiner fünf Monteure vor der Rente stehen.

Doch seit zwei Jahren sucht er vergeblich einen Azubi. "Vor zehn Jahren gab es locker mehr als doppelt so viele Bewerber. Und deren Notenschnitt war ein Grad besser."

Hoffnung macht Tochter Helena (8). Doch ob sie den Betrieb als erste weibliche Behnisch in sechster Generation übernehmen wird, ist offen. Lohnen würde es sich, denn der Job ist zukunftssicher, sagt Uwe Behnisch: "Einen Roboter können wir jedenfalls nicht schicken, wenn das Rohr kaputtgeht ..."

So wenige Klempner gibt es heute wirklich

Auch heute arbeitet Meister Behnisch in seiner Werkstatt noch mit Blech.
Auch heute arbeitet Meister Behnisch in seiner Werkstatt noch mit Blech.  © Holm Helis

"Die demografische Entwicklung und der ungebrochene Trend zum Studium gerade bei Abiturienten sind zwei maßgebliche Faktoren für die Entwicklung der Lehrlingszahlen", erklärt Andreas Brzezinski (49), Chef der Handwerkskammer Dresden.

"Gab es Mitte der 1990er-Jahre noch pro Jahr in Sachsen etwa 60.000 Schulabgänger, sind es heute nur noch rund 30.000."

Ergebnis: 2017 gab es im Kammerbezirk nur noch 19 Klempner-Azubis und 239 Klempner-Betriebe. 2002 waren es noch 90 Azubis und 311 Betriebe gewesen.

Seit 2013 steigen immerhin die Lehrlingszahlen der Anlagenmechaniker (Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik) wieder. 291 Lehrlinge befanden sich 2017 in Ausbildung. 1992 waren es aber noch 1341 (damals Installateure) gewesen.

Bereits seine Vorfahren stellten in der Werkstatt Blechteile her.
Bereits seine Vorfahren stellten in der Werkstatt Blechteile her.  © privat
Seit 1869 gibt es die Behnisch-Klempnerei in Kamenz. Seit der zweiten Generation ist sie am aktuellen Standort.
Seit 1869 gibt es die Behnisch-Klempnerei in Kamenz. Seit der zweiten Generation ist sie am aktuellen Standort.  © privat

Titelfoto: privat, Holm Helis

Mehr zum Thema Sachsen: