Kampf gegen Artensterben: So will Sachsen die Insekten retten!

Dresden - Immer weniger Wildbienen, Schmetterlinge, aber auch Vögel: Das Artensterben in Sachsen ist dramatisch. Allein 75 Prozent der fliegenden Insekten sind laut einer Studie in den letzten 30 Jahren einfach verschwunden - und das in Schutzgebieten! Der Freistaat will jetzt handeln.

Flatterte bis 1996 im Freistaat, heute hier ausgestorben: der Frühe Perlmuttfalter.
Flatterte bis 1996 im Freistaat, heute hier ausgestorben: der Frühe Perlmuttfalter.  © Eric Münch

"Wir können nicht so weiter machen. Uns schmieren die Arten ab", warnt NABU-Insektenexperte Dr. Matthias Nuß (52) vom Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden.

So wurde die Entwicklung der Insekten in den letzten 30 Jahren in den Bundesländern untersucht. Repräsentatives Ergebnis: Drei Viertel der Insekten sind verschwunden! "Der starke Rückgang ist schockierend, besonders da nur Schutzgebiete untersucht worden", so Nuß. "Auch in Sachsen ist die Lage dramatisch."

So sind von 125 Tagfalter-Arten im Freistaat schon 16 Arten ausgestorben, zuletzt der Östliche Quendelbläuling. Von 407 heimischen Wildbienen-Arten sind 287 Arten (70,5 Prozent) gefährdet oder ausgestorben. Dabei sind sie fürs Bestäuben von Obst- und Gemüsepflanzen extrem wichtig.

Der Landwirtschaft drohen Milliardenverluste, aber längst geht es um mehr! Durch den Insektenschwund fehlt Fischen, Fröschen, Fledermäusen und Vögeln die Nahrung. Bereits 13 Brutvogelarten sind im Freistaat zwischen 1978 und 2007 ausgestorben.

Hauptgründe fürs Insektensterben: Schwund des Lebensraumes, Pestizide, Nitrat, Wiesen-Bewirtschaftung, Lichtverschmutzung (fehlende Dunkelheit). "Wir, die Menschen, müssen jetzt schnellstmöglich handeln", appelliert Nuß.

Auch die meisten Wildbienen-Arten sind im Freistaat gefährdet, so wie die Felsspaltenwollbiene.
Auch die meisten Wildbienen-Arten sind im Freistaat gefährdet, so wie die Felsspaltenwollbiene.  © Imago

Seine Vorschläge: Wiesen maximal dreimal im Jahr mähen, Teilflächen unberührt lassen. Das würde vielen Insekten ein Überleben sichern. Anstatt pflegeleichter Koniferenhecken lieber Weiß- oder Schlehdorn pflanzen, wovon Bienen und Vögel profitieren. Bei der Bewirtschaftung von Ackerland Wanderbrachen als Ruhezonen belassen.

Möglich, dass diese Maßnahmen ins neue "Handlungskonzept Insektenschutz" einfließen, dass der Freistaat bald vorstellen will. Umweltminister Thomas Schmidt (58, CDU): "Elemente dieses Konzeptes werden insektenfreundliche Maßnahmen im Bereich der landwirtschaftlichen Flächennutzung, aber auch im Siedlungsbereich sein, genauso wie spezielle Maßnahmen für den Artenschutz und den Biotopverbund."

Auch der Landtag wird sich mit dem Artensterben befassen: In einer Petition fordert Uta Strenger (52) aus Eilenburg "Rettet die Bienen in Sachsen" - und schon 7.200 Menschen haben ihren Aufruf unterschrieben ...

Weiß, wie wir die Insekten retten können: NABU-Fachmann Dr. Matthias Nuß (52) vom Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden.
Weiß, wie wir die Insekten retten können: NABU-Fachmann Dr. Matthias Nuß (52) vom Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden.  © Erik Münch
Umweltminister Thomas Schmidt (58, CDU) will mit einem neuen Handlungskonzept unsere Insekten besser schützen.
Umweltminister Thomas Schmidt (58, CDU) will mit einem neuen Handlungskonzept unsere Insekten besser schützen.  © dpa/Sebastian Kahnert
Uta Strenger (52) aus Eilenburg hat nicht nur ein Insekten-Hotel im Garten, sondern auch eine Petition zur Rettung der Bienen gestartet.
Uta Strenger (52) aus Eilenburg hat nicht nur ein Insekten-Hotel im Garten, sondern auch eine Petition zur Rettung der Bienen gestartet.  © Ralf Seegers

Titelfoto: Imago

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