Kampf um SPD-Chefposten: Ministerin kritisiert eigene Partei!

Dresden - Wer führt künftig die SPD? Bei bundesweiten Castings stellen sich die Kandidaten vor, darunter Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (61) gemeinsam mit Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (59). Sie galten als Mitfavoriten. Doch das Verfahren sei zu oberflächlich, kritisiert die Ministerin - zu ihrem Nachteil.

Petra Köpping (61) mit Boris Pistorius (59) bei der SPD-Kandidatenvorstellung jüngst in Nürnberg. Andere Duos konnten teils mehr punkten, finden Beobachter.
Petra Köpping (61) mit Boris Pistorius (59) bei der SPD-Kandidatenvorstellung jüngst in Nürnberg. Andere Duos konnten teils mehr punkten, finden Beobachter.  © dpa/Daniel Karmann

16 der 23 Vorstellungsrunden für die SPD-Mitglieder sind rum, die letzte Veranstaltung ist nach Dresden (10. Oktober) am 12. Oktober. Köpping und Pistorius galten als eines der aussichtsreicheren Bewerber-Teams. Doch Beobachter finden, sie konnten nicht immer punkten. Köpping lobt das Findungsverfahren prinzipiell, es tue der SPD unheimlich gut. "Die Säle sind immer voll."

Weniger positiv sieht sie die Veranstaltungen: "Die Zeit ist unheimlich kurz. Dadurch wird es für uns inhaltlich meist recht oberflächlich. Es geht oft nur um Schlagworte, man kann selten in die Tiefe gehen." Für jede Antwort gebe es nur eine Minute. Das sei ein Nachteil für sie. "Ich habe nie die große Parteitagsrede gesucht. Ich benenne Probleme und suche eine Lösung."

Im Klartext: Tiefgang sei nicht gefragt. Es sei auch eine Mentalitätsfrage: "Im Osten überlegen wir genau: Können wir das auch? Ich verspreche nur das, was ich halten kann."

Klare Spitze gegen die Konkurrenz. Pistorius und sie hätten kurz überlegt, ihre Präsentation dem Stil der anderen anzupassen. "Das machen wir aber nicht. Unsere Glaubwürdigkeit würde leiden, wenn wir jetzt auch nur noch Schlagwörter oder eine Weltfriedenssprache benutzen."

Weitere Kritik: "Viele Themen fehlen, wir haben viel über Soziales gesprochen, aber überhaupt nicht über Migration und Innere Sicherheit." Ungewiss sei zudem, ob ihre Ost-Themen im Westen zünden. "Ich bin die Einzige, die immer sagt, wo sie herkommt, für wen ich mich auch in Zukunft einsetzen möchte und die im Westen deutlich über den Osten spricht. Im Osten tun es dann plötzlich alle." Ihre Chancen? Köpping: "Ich bin realistisch. Und kämpferisch." Im Oktober stimmen die SPD-Mitglieder ab, Anfang Dezember wählt dann ein Parteitag die neue Parteispitze.

Die Säle bei den Castings für den SPD-Vorsitz sind gut gefüllt. Pistorius und sie hätten früh für Änderungen bei den Veranstaltungen geworben, sagt Köpping.
Die Säle bei den Castings für den SPD-Vorsitz sind gut gefüllt. Pistorius und sie hätten früh für Änderungen bei den Veranstaltungen geworben, sagt Köpping.  © dpa/Daniel Karmann
Petra Köpping ist derzeit auch Teil des SPD-Sondierungsteams für eine neue sächsische Regierung, hier mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU).
Petra Köpping ist derzeit auch Teil des SPD-Sondierungsteams für eine neue sächsische Regierung, hier mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU).  © Eric Münch

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