Tödlicher Kampfstoff bei Mann in Köln gefunden

Köln - Der Verdacht hat sich bestätigt: Ermittler haben in der Wohnung eines Mannes in Köln hochgiftiges Rizin gefunden. Doch das Rätselraten um die Absichten des Mannes und mögliche Terrorpläne geht nun weiter.

In Spezialkleidung wurde Tatort nach Gift untersucht.
In Spezialkleidung wurde Tatort nach Gift untersucht.

Der Bundesgerichtshof hatte am Mittwochabend Haftbefehl gegen den 29-jährigen Tunesier erlassen.

Es bestehe der dringende Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sagte ein Sprecher des Generalbundesanwaltes.

Bei dem gefundenen Gift handele es sich um eine Rizin-haltige Substanz (TAG24 berichtete).

Die Behörde ermittele außerdem weiter auch wegen des Anfangsverdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Hier bestehe aber kein dringender Tatverdacht, so der Sprecher. Die Bundesanwaltschaft kündigte für Donnerstag eine Presseerklärung mit weiteren Details an.

Das angesehene Robert-Koch-Institut stuft das leicht erhältliche Mittel aus dem Samen des Wunderbaums als "potenziellen biologischen Kampfstoff" ein.

Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Schon in geringer Konzentration kann Rizin tödlich sein. Sollte das Gift gespritzt werden, wirkt es nach RKI-Angaben binnen 36 bis 48 Stunden tödlich. Rizin schädige Leber und Nieren, der Tod trete durch Multiorganversagen ein.

Nach Medienberichten von Express und Kölner Stadtanzeiger soll der Tatverdächtige erst im November 2016 nach Deutschland eingereist und polizeilich nicht in Erscheinung getreten sein.

Staatsschutz und Ermittlungsbehörden hätten einen Hinweis auf den Mann erhalten, der dann observiert worden sei, bis es am Dienstagabend zu seiner Festnahme kam (TAG24 berichtete).

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft äußerte sich dazu nicht. Spezialkräfte hatten die Wohnung des Mannes, seiner Frau und Kinder in einem Hochhaus am Dienstagabend gestürmt.

Update 9.12: Experte: Rizin-Einkauf im Internet brachte Ermittler auf die Spur

Laut eines Experten sei der Mann wegen einer Internet-Bestellung aufgefallen: "Er war den Sicherheitsbehörden bisher nicht aufgefallen. Sie hatten ihn nicht auf dem Radar", sagte ARD-Terrorismus-Experte Michael Götschenberg am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Das habe sich geändert, als er online versucht habe, in großer Menge Rizinussamen zu bestellen. "Und das hat das Bundesamt für Verfassungsschutz auf ihn aufmerksam gemacht." Dies sei der Ausgangspunkt der Ermittlungen.

Der Tunesier solle eine größere Menge Bohnen Rizinussamen bestellt haben. "Isoliert ist Rizin bereits in der Menge einer einzelnen Bohne für den Menschen gefährlich. In dieser Größenordnung wäre das dann natürlich auch geeignet, um es als Biokampfstoff einzusetzen", verdeutlichte der Terrorismus-Experte.

Die Ermittler kamen in Schutzanzügen.
Die Ermittler kamen in Schutzanzügen.

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