Kann ein Lokführer Schadensersatz verlangen, wenn sich jemand vor seinen Zug wirft?

München - Hat ein Lokführer Anspruch auf Schadenersatz, wenn sich jemand in Suizidabsicht vor seinen Zug wirft? Darüber verhandelt das Oberlandesgericht München am Mittwoch (10.30 Uhr). Es geht um einen Fall aus dem Jahr 2013.

Das Leben des Lokführers wurde zerstört, als sich ein Mann vor seinen Zug warf. Nun fordert er Schadensersatz und Schmerzensgeld.
Das Leben des Lokführers wurde zerstört, als sich ein Mann vor seinen Zug warf. Nun fordert er Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Damals wurde ein Mann am Bahnhof in Freising bei München von einem Zug erfasst und getötet. Unter den Parteien gilt nach Gerichtsangaben als unstrittig, dass er auf die Gleise sprang, um sich das Leben zu nehmen.

Der 1977 geborene Zugführer erlitt einen Schock und war mehrfach krankgeschrieben. Er wurde schließlich von seinem Arbeitgeber entlassen, weil alle Wiedereingliederungsversuche scheiterten.

Darum fordert er von der privaten Haftpflichtversicherung des Toten 10.000 Euro Schmerzensgeld und 27.000 Euro Schadenersatz. Der Kläger gibt an, dass er das Einkommen, das er als Lokführer hatte, nun nicht mehr erreichen kann und will darum zudem 700 Euro im Monat bis zum Rentenalter. Das Gericht beziffert den Streitwert auf 187.000 Euro.

Die Versicherung weigert sich, zu zahlen. Die Begründung: Sie sei nicht in der Pflicht, weil sich der Mann absichtlich vor den Zug warf. Das Landgericht Landshut hatte die Klage abgewiesen, dagegen zog der ehemalige Lokführer in die nächste Instanz.

Nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nehmen sich in Deutschland etwa 1000 Menschen im Jahr auf den Schienen das Leben. Das sind mehr als drei Fälle pro Tag.

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, bei der Telefonseelsorge findet Ihr rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

Update 13.20 Uhr: Gericht empfiehlt Vergleich

Im Prozess um Schadenersatz für einen Lokführer nach einem Suizid zeichnet sich ein Vergleich ab. Das Oberlandesgericht München (OLG) empfahl den Parteien am Mittwoch, sich zu einigen.

Laut Vorschlag der Vorsitzenden Richterin soll die Haftpflichtversicherung des Toten 70.000 Euro Schadenersatz an den Lokführer zahlen. Im Gegenzug soll der seine Klage zurückziehen.

Die Parteien haben nun zwei Wochen Zeit, sich über den Vorschlag Gedanken zu machen. Wenn sie keinen Widerspruch gegen den Vergleich einlegen, ist der Fall damit erledigt.

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