Ändert transplantierte Kacke den Charakter eines Menschen?

Patrick Charles, Professor für Infektionskrankheiten aus Austin, meint: Es sei möglich, dass sich bei einer Stuhl-Transplantation auch "Persönlichkeitsmerkmale" übertragen ließen.
Patrick Charles, Professor für Infektionskrankheiten aus Austin, meint: Es sei möglich, dass sich bei einer Stuhl-Transplantation auch "Persönlichkeitsmerkmale" übertragen ließen.  © dpa (Symbolbild)

Austin/Austr. - Manche medizinischen Themen sind - ähm - naja. Klingt schon ein bisschen verrückt: Kann man mit einer Kot-Transplantation auch den Charakter des Spenders übertragen? Ein australischer Arzt glaubt daran...

Manche Ärzte empfehlen eine Stuhltransplantation zum Beispiel für Menschen mit schweren Durchfallerkrankungen. Bei dieser OP wird gesunder Kot eines Spenders entnommen und dem Empfänger wieder in den Darm eingebracht.

Das kann sinnvoll sein, wenn Antibiotika nicht mehr wirken. So kann unter Umständen wieder ein gesunder Darm erreicht werden.

Ein australischer Mediziner ist der Meinung, dass durch eine derartige Transplantation auch einige Persönlichkeitsmerkmale des Stuhlspenders mit übertragen werden könnten.

Einige Beispiele dieser These führt Patrick Charles, Professor für Infektionskrankheiten aus dem australischen Austin, an.

Da es weltweit nur wenige Tausend Stuhl-Transplantationen gebe, ließe sich die These derzeit nicht belegen.
Da es weltweit nur wenige Tausend Stuhl-Transplantationen gebe, ließe sich die These derzeit nicht belegen.  © dpa (Symbolbild)

Wie Deutschlandfunk Nova schreibt, traten bei manchen Patienten nach der "Stuhl-Übertragung" eines depressiven Spenders auch Symptome einer Depression auf. Und das, obwohl zuvor keine derartigen Anzeichen auftraten.

Der Arzt meint weiter, dass einige Patienten von einer plötzlichen Gewichtszunahme oder einem plötzlichen Gewichtsverlust redeten. Patrick Charles hat jüngst seine Beobachtung auf einer australischen Medizinerkonferenz erwähnt. Seiner Meinung nach gibt es wohl weitere Beweise "für eine Verbindung zwischen Bauch und Kopf".

Im Interview mit dem Gastroenterologen Max Reinshagen vom Klinikum Braunschweig schreibt Nova weiter, dass der Braunschweiger Mediziner die neuen Thesen aus Australien schwer beurteilen könne, da es gar nicht so viele dieser Prozeduren in Deutschland gebe. "Etwa 200 bis 300 im Jahr", so lautet seine Schätzung, weltweit vielleicht einige Tausend.

Max Reinshagen: "Was passieren kann, ist, dass die Bakterien im Darm bestimmte Stoffwechselprodukte verarbeiten, die dann durch den Darm auch wieder ins Blut aufgenommen werden." Es ist bekannt, dass sich bei Patienten nach einer solcher Transplantation messbar bspw. der Proteingehalt im Körper verändern kann.

"Da wäre prinzipiell vorstellbar, dass bei jemandem, der eine Veranlagung für Depressionen hat, diese verstärkt werden könnte. Das ist eine theoretische Möglichkeit."

Titelfoto: dpa (Symbolbild)


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