Alarm! Karl Mays Indianer bröckeln weg

Wenn man den Indianern unter die Klamotten schaut, wird das ganze Drama sichtbar: Überall Risse und Furchen, der Arm ist ab.
Wenn man den Indianern unter die Klamotten schaut, wird das ganze Drama sichtbar: Überall Risse und Furchen, der Arm ist ab.

Von Jan Berger

Radebeul - Da brach der alte Häuptling der Indianer... Die Kostümfiguren der nordamerikanischen Ureinwohner im Karl-May-Museum bröckeln und bröseln zusehends auseinander. Somit ist der zentrale Bestandteil der faszinierenden Ausstellung stark gefährdet. Das Museum sucht jetzt händeringend Spender für die Restauration.

Die 16 lebensecht wirkenden Figuren in der „Villa Bärenfett“ stehen für den Wiedererkennungswert des Indianermuseums - berühmt wurden sie unter anderem durch verschiedene Postkarten- und Posterserien. Viele der originalen Kleidungsstücke brachte Karl May höchstpersönlich von seiner Amerikareise mit.

Doch seit einigen Jahren müssten die Indianer ein Alarmgeheul anstimmen.

Museumsdirektorin Claudia Kaulfuß sucht händeringend Spender für die Restaurierung der alten Indianerfi guren.
Museumsdirektorin Claudia Kaulfuß sucht händeringend Spender für die Restaurierung der alten Indianerfi guren.

Museumsleiterin Claudia Kaulfuß: „Die Figuren bröckeln vor allem an den Gliedmaßen immer mehr, sodass der Großteil Schäden an Händen und Füßen aufweist. Somit ist auch die Statik enorm gefährdet.“

Die Modelle sind zwischen 70 und knapp 90 Jahre alt. Der Münchner Bildhauer Vittorio Güttner nutzte damals ein Eisengestell, auf dem er die Gipsfigur modellierte.

Doch Gips zieht Feuchtigkeit an, das Eisen rostet inzwischen erheblich. Und die Kleidung - teils aus Leder - zerrt zusätzlich. Nach so vielen Dienstjahrzehnten sind die Indianer amtsmüde - schwer ist der Beruf.

Besonders den alten Dakota-Häuptling mit dem eindrucksvollen Federschmuck zieht es nunmehr in die ewigen Jagdgründe. Flächendeckend durchfurchen tiefe Risse seine Rothaut.

Die Altersschwäche trat zuerst an Händen und Füßen auf, alle Figuren sind betroffen.
Die Altersschwäche trat zuerst an Händen und Füßen auf, alle Figuren sind betroffen.

Deshalb soll er auch der erste sein, der ab August die Restaurationswerkstatt aufsucht.

Allein für seine Wiederherstellung kalkuliert das Museum mit 15.000 Euro. Claudia Kaulfuß: „Es ist nicht nur die Trägerfigur, die statisch gesichert und wiederhergestellt werden muss. An den Bröckel- und Bruchstellen haben auch die historisch wertvollen Kleidungs- und Schmuckstücke gelitten.“

Die Kosten für den Dakota-Mann sind fast zusammengetragen, zumal es für ihn auch Fördermittel und eine Gemeinschaftsaktion von Gojko Mitic und einer Brauerei gab.

Doch für die anderen Indianer - etwa der Waldläufer, den Shoshonen-Medizinmann oder die vierköpfige Prärieindianerfamilie - werden noch dringend Spender gesucht.

www.karl-may-museum.de

Fotos: Karl-May-Museum


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