Nach Hartz-IV-Streit: Spahn will nicht einen Monat davon leben

Karlsruhe - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) trifft sich am Samstag in Karlsruhe zu einem Gespräch mit der Hartz IV-Kritikerin Sandra Schlensog. Uhrzeit und Ort des Treffens wurden auf Wunsch des Ministers nicht bekanntgegeben. Ihrem Vorschlag, selbst einen Monat mit Hartz IV zu leben, kam er nicht nach.

Die Petition von Sandra Schlensog (links) hatte über 200.000 Unterschriften gesammelt.
Die Petition von Sandra Schlensog (links) hatte über 200.000 Unterschriften gesammelt.  © DPA

Die 40 Jahre alte alleinerziehende Mutter hatte Spahn öffentlich für seine Aussage kritisiert, dass Hartz IV nicht Armut bedeute. Schlensog startete eine Online-Petition, mit der sie den Minister auffordert, selbst einen Monat lang von dem Geld zu leben, das sie bekommt. Rund 200.000 Menschen unterzeichneten die Petition bisher. Spahn hatte Schlensog angerufen und ihr ein Gespräch unter vier Augen angeboten.

Der Hartz-IV-Regelsatz beträgt für einen Alleinstehenden 416 Euro im Monat und für einen volljährigen Partner in einer Bedarfsgemeinschaft 374 Euro. Ein Kind zwischen 7 und 14 Jahren bekommt 296 Euro. 2017 gab es durchschnittlich 6,07 Millionen Hartz-IV-Bezieher.

UPDATE: 11.54 Uhr

Vor dem Treffen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit der Hartz-IV-Kritikerin Sandra Schlensog in Karlsruhe haben etwa 100 Menschen demonstriert. Die Teilnehmer forderten mehr Geld und eine bessere Behandlung von Beziehern der Sozialleistung. "Wir sind hier, weil es Zeit ist aufzustehen", sagte Schlensog bei dem Protest in der badischen Stadt.

Die 40-Jährige kritisierte den Minister, weil dieser "mit seinen Aussagen auf denen herumtrampele, die sich am wenigsten wehren" könnten. "Herr Spahn, leugnen Sie nicht weiter die Armut, die Hartz IV verursacht. Schämen Sie sich", sagte sie.

Der Hartz-IV-Regelsatz beträgt für einen Alleinstehenden 416 Euro im Monat und für einen volljährigen Partner in einer Bedarfsgemeinschaft 374 Euro. Ein Kind zwischen 7 und 14 Jahren bekommt 296 Euro. 2017 gab es durchschnittlich 6,07 Millionen Hartz-IV-Bezieher.

UPDATE: 15.15 Uhr

Die Hartz-IV-Kritikerin Sandra Schlensog hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine von rund 210.000 Menschen unterzeichnete Online-Petition übergeben. Die beiden trafen sich am Samstag zu einem gut einstündigen Gespräch in Karlsruhe. Beide äußerten sich anschließend zunächst nicht.

UPDATE: 18 Uhr - Spahn will Hartz IV nicht ausprobieren

Gesundheitsminister Jens Spahn will nicht ausprobieren, wie es sich anfühlt, einen Monat lang von Hartz IV zu leben. Das teilte er nach einem Gespräch mit seiner Kritikerin Sandra Schlensog am Samstag in Karlsruhe mit. .

Der Minister nannte es in einer schriftlichen Erklärung nach dem Treffen bemerkenswert, wie viele Unterschriften zusammengekommen sind. "Allerdings denke ich, dass es viele Bürger eher als Farce empfänden, wenn ich als Bundesminister versuchte, für einen Monat von Hartz IV zu leben. Denn zu offenkundig käme mein beruflicher Alltag auch dann der realen Lage eines Hartz-IV-Empfängers nicht nahe."

Er räumte ein, es sei ohne Zweifel schwierig, von Hartz IV zu leben. Schlensog nannte es schade, dass Spahn sich auf das Experiment nicht einlasse, seine Einwände seien aber nicht völlig von der Hand zu weisen.

Rund 100 Menschen demonstrierten vor dem Treffen von Schlensog und Spahn in Karlsruhe.
Rund 100 Menschen demonstrierten vor dem Treffen von Schlensog und Spahn in Karlsruhe.  © DPA

Titelfoto: DPA


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