Nazi-Terrorzelle zerschlagen: Erste Verdächtige vorm Haftrichter

Karlsruhe - Einen Tag nach der Zerschlagung einer mutmaßlichen rechten Terrorzelle sind die ersten Festgenommenen in Karlsruhe zu Haftrichtern des Bundesgerichtshofs (BGH) gebracht worden.

Karlsruhe am Samstag: Ein Mann wird zum Bundesgerichtshof gebracht.
Karlsruhe am Samstag: Ein Mann wird zum Bundesgerichtshof gebracht.  © Silas Stein/dpa

Die Vorführungen hätten wie geplant am Samstagvormittag begonnen, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft auf Anfrage.

Die Ermittlungsrichter entscheiden, ob die insgesamt zwölf Verdächtigen in Untersuchungshaft kommen oder jemand freigelassen werden muss.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Freitag vier mutmaßliche Mitglieder der Gruppe und acht mutmaßliche Unterstützer festnehmen lassen. Ein fünfter Mann, der mit zum Kern gehört haben soll, blieb auf freiem Fuß.

Davor hatte es Razzien in sechs Bundesländern gegeben, nach dpa-Informationen wurde auch ein Objekt in Rheinland-Pfalz durchsucht. Den mutmaßlichen Rechtsterroristen wird vorgeworfen, Anschläge auf Politiker, Asylbewerber und Muslime ins Auge gefasst zu haben.

Die Ermittler nehmen an, dass sie so Chaos verursachen und die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik erschüttern wollten.

Alle Festgenommenen in Untersuchungshaft

Update 20.23 Uhr: Nach der Zerschlagung einer mutmaßlichen rechten Terrorzelle befinden sich alle zwölf am Freitag festgenommenen Männer in Untersuchungshaft. Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erließen im Laufe des Samstags Haftbefehl gegen vier mutmaßliche Mitglieder der Gruppe und acht mutmaßliche Unterstützer. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft nach der letzten Vorführung am Abend der Deutschen Presse-Agentur in Karlsruhe.

Die Anhörungen der vielen Verdächtigen hatten sich über den ganzen Tag hingezogen..

Verwaltungsmitarbeiter der Polizei einer der festgenommenen Unterstützer

Am Freitag war die mutmaßliche Terrorzelle zerschlagen worden.
Am Freitag war die mutmaßliche Terrorzelle zerschlagen worden.  © Silas Stein/dpa

Update 15.27 Uhr: Die Festgenommenen, alles Deutsche, sind dem Vernehmen nach zwischen 31 und 60 Jahre alt.

Vier von ihnen sollen sich zu der eigentlichen Terrorzelle zusammengeschlossen haben. Die acht anderen halten die Ermittler für Unterstützer.

Sie sollen sich bereit erklärt haben, Geld zu geben, Waffen zu beschaffen oder an künftigen Anschlägen mitzuwirken. Zum Kern der Gruppe rechnet die Bundesanwaltschaft noch einen fünften Mann. Er wurde aber als Einziger nicht festgenommen.

Laut Bundesanwaltschaft hatte sich die Gruppe in Chats und telefonisch ausgetauscht, aber auch schon mehrfach getroffen. Diese Treffen soll der 53-jährige Werner S. aus dem Raum Augsburg koordiniert haben, zum Teil unterstützt von Tony E..

Wie "Der Spiegel" berichtete, sollen mehr als zehn Leute am vergangenen Samstag im westfälischen Minden zusammengekommen sein. Dieses Treffen sei von den Sicherheitsbehörden mit großem Aufwand observiert worden.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Freitag zu den Durchsuchungen bekanntgegeben, dass ein Verwaltungsmitarbeiter der Polizei suspendiert worden sei. Dieser Mann ist dem Vernehmen nach einer der festgenommenen Unterstützer.

Die zwei anderen mutmaßlichen Mitglieder der Gruppe, Michael B. (47) und Thomas N. (35) stammen nach dpa-Informationen aus Baden-Württemberg (Raum Esslingen) und NRW (Kreis Minden-Lübbecke).

Erste Haftbefehle erlassen

Update 13.30 Uhr: Gegen die ersten beiden Festgenommenen ist Haftbefehl erlassen worden.

Dabei handelt es sich um ein mutmaßliches Mitglied der Gruppe, den 39-jährigen Tony E. aus Niedersachsen, und einen mutmaßlichen Unterstützer aus Sachsen-Anhalt. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Samstag auf Anfrage.

Die anderen Anhörungen laufen noch oder sollen im Laufe des Tages stattfinden. Insgesamt werden den Ermittlungsrichtern des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe zwölf Verdächtige vorgeführt.

Bei dem Termin entscheidet sich, ob alle in Untersuchungshaft kommen oder jemand möglicherweise wieder freigelassen werden muss.

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