Gemeinden im Notzustand: Wo sollen all die Flüchtlinge wohnen?

Ein Gemeinschaftsraum einer Leichtbauhalle. Trotz deutlich gesunkener Zahlen neu ankommender Asylbewerber gibt es kaum Wohnraum für die, die langfristig bleiben dürfen.
Ein Gemeinschaftsraum einer Leichtbauhalle. Trotz deutlich gesunkener Zahlen neu ankommender Asylbewerber gibt es kaum Wohnraum für die, die langfristig bleiben dürfen.  © DPA

Karlsruhe - Viele Flüchtlinge plus Familiennachzug plus allgemeine Wohnungsnot. Trotz deutlich gesunkener Zahlen neu ankommender Asylbewerber gibt es kaum Wohnraum für die, die langfristig bleiben dürfen. Das bringt die Kommunen in Not.

Zwei Jahre nach dem besonders hohen Zustrom von Flüchtlingen haben Städte und Kommunen im Südwesten große Schwierigkeiten, diese Menschen langfristig unterzubringen.

"Wir haben bereits jetzt wegen der Engpässe bei preiswerten Wohnungen in manchen Städten Probleme, genügend Wohnungen im Rahmen der Anschlussunterbringung bereitzustellen", sagt Gerhard Mauch vom Städtetag Baden-Württemberg.

Die Anschlussunterbringung (AU) ist spätestens nach 24 Monaten für diejenigen vorgesehen, die als Flüchtlinge anerkannt oder geduldet sind. Sie müssen aus der vorläufigen Unterbringung - meist sind dies Gemeinschaftunterkünfte (GU) - heraus und eigentlich anderswo hin, idealerweise in Wohnungen.

Und sie kommen jetzt, zwei Jahre nach der Flüchtlingskrise, in hoher Zahl bei den Gemeinden an.

Geflüchtete Syrer stehen am Eingang ihrer Unterbringung.
Geflüchtete Syrer stehen am Eingang ihrer Unterbringung.  © DPA

Wohnraum aber ist überall im Land rar. Einige Gemeinden wie etwa Leingarten im Kreis Heilbronn haben deshalb leerstehende Gemeinschaftsunterkünfte schon in Anschlussunterbringungen umgewidmet - "eine Notlösung", wie Klaus Kaiser vom dortigen Ordnungsamt einräumt.

Denn eigentlich, auch wenn das nicht vorgeschrieben ist, sollen Flüchtlinge mit langfristiger Bleibeperspektive dezentral wohnen.

Wenigstens seien in der umgewandelten AU keine Familien und auch keine unterschiedlichen Nationalitäten untergebracht, sondern nur Männer aus Syrien.

Deren Zusammenleben funktioniere gut, sagt Kaiser. Auch das Landratsamt sei zufrieden, dass die leerstehende Leichtbauhalle nun von der Gemeinde angemietet worden sei.

Alleine von den zwischen Anfang 2015 und Februar 2016 im Südwesten angekommenen Flüchtlinge seien rund 73 000 schon in eine AU gebracht worden.

Es wird eng in den Zimmern der Leichtbauhalle. Jede freie Fläche wird von den Einwohnern genutzt.
Es wird eng in den Zimmern der Leichtbauhalle. Jede freie Fläche wird von den Einwohnern genutzt.  © DPA

Zähle man die dazu, die vorher und danach in eine AU kamen, ergibt sich eine Gesamtzahl von derzeit fast 90 000, schätzt Steffen Jäger, Erster Beigeordneter beim Gemeindetag. "Der Wettbewerb um Wohnungen - das müssen nicht mal gute Wohnungen sein - ist noch mal erheblich schwieriger geworden", sagt er.

Der Familiennachzug sei vor diesem Hintergrund kaum zu bewältigen. "Wir haben schon heute nicht die Kapazität, um vernünftig integrativ mit Wohnraum zu versorgen", sagt Jäger: "Neben der moralischen Auseinandersetzung müssen wir schon sehr klar beleuchten: Welche Integrationskapazität und welches Maß an Integrationsbereitschaft haben wir in Deutschland und Baden-Württemberg."

Das Land hat Ende April zwar den "Pakt für Integration" ins Leben gerufen und will die Integrationsarbeit in den Kommunen 24 Monate lang mit insgesamt 320 Millionen Euro fördern.

Eine Fortsetzung soll es laut Integrationsministerium nur dann geben, wenn auch der Bund zusätzliche Mittel über 2018 hinaus bereitstellt. Jäger fordert aber schon jetzt nicht nur eine Verlängerung, sondern auch "eine Verstetigung" des Paktes.

"Wir werden Integration nicht in zwei Jahren erfolgreich abschließen."

Titelfoto: DPA


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