Stalker-Terror im Alltag: Neues Gesetz soll Opfern helfen

Eine Frau steht an einer Glasscheibe, hinter der ein Stalker steht. (Symbolbild)
Eine Frau steht an einer Glasscheibe, hinter der ein Stalker steht. (Symbolbild)  © DPA

Karlsruhe - Meistens tun es Ex-Partner, manchmal gekränkte Mitarbeiter oder Bekannte, schlimmstenfalls Psychopathen. Stalking verstört die Seele, zerstört Leben und endet in seltenen Fällen sogar tödlich. Für das Opfer und manchmal auch für den Täter.

Meist bekommt die Öffentlichkeit nichts davon mit. Nur das Opfer selbst und dessen Umfeld kennen die Anrufe, die Nachrichten per Mail, Whatsapp oder SMS, das Auflauern nach der Schule oder der Arbeit oder auf dem Nachhauseweg.

Die Beleidigungen, die Sachbeschädigung, die Handgreiflichkeiten. Psychoterror durch Stalking ist quälend und zermürbend für die, denen nachgestellt wird.

Manchmal endet Stalking auch tödlich. Schlagzeilen machten in diesem Jahr die Bluttat in Eislingen bei Göppingen, als im Oktober ein Mann seiner Frau und deren Freund die Kehle durchschnitt und sich anschließend selbst erschoss.

Oder als in Villingendorf bei Rottweil ein Sechsjähriger im September vom eigenen Vater erschossen wurde und auch der neue Partner der Mutter und dessen Cousine starben. In München verurteilte das Landgericht im November einen 46-jährigen Stalker wegen Mordes an seiner Ex-Freundin zu lebenslanger Haft.

Eine Frau beobachtet durch eine geschlossene Jalousie nach einem Stalking-Anruf die Straße vor ihrem Haus. (Symbolbild)
Eine Frau beobachtet durch eine geschlossene Jalousie nach einem Stalking-Anruf die Straße vor ihrem Haus. (Symbolbild)  © DPA

Einer ZI-Studie aus dem Jahr 2006 zufolge wird mehr als jeder zehnte Deutsche einmal in seinem Leben gestalkt - eine Zahl, an der sich nichts wesentlich geändert hat.

Doch nun soll eine entscheidende Veränderung kommen. Das Gesetz zur Bestrafung von Stalking ist seit März neu geregelt. Danach ist grundsätzlich das Handeln von Stalkern an sich bereits strafbar, wenn es "objektiv geeignet" ist, das Leben der Opfer nachhaltig zu beeinträchtigen.

Vor der Reform musste das Opfer noch nachweisen, dass sein Leben bereits beeinträchtigt war - etwa, indem es wegen der Nachstellungen umziehen oder den Job wechseln musste.

Stalking war also ein sogenanntes Erfolgsdelikt: Es konnte nur dann bestraft werden, wenn der Stalker das Leben eines Opfers schon "erfolgreich" beeinträchtigt hatte. Dadurch wurden Stalker nur in Ausnahmefällen verurteilt: Einer fünfstelligen Zahl von Anzeigen stand eine dreistellige Zahl von Verurteilungen gegenüber.

Doch damit soll ab März nicht mehr der Gestalkte beweisen müssen, dass die Nachstellungen sein Leben kaputtmachen. Sondern das Verhalten des Stalkers selbst wird auf dem Prüfstand stehen.

Titelfoto: DPA


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