Kölner Karneval bisher "relativ entspannt": Mann stürzt tief, eine Vergewaltigung angezeigt

Köln - Ausgelassene Karnevalstimmung zum 11. 11. in Köln und im ganzen Rheinland. Die Narren haben in bunten Kostümen die Karnevalssaison eröffnet. In der Kölner Alstadt waren Alter Markt und Heumarkt schnell voll. Die Kölner zeigen ihre Kostüme übrigens nicht nur auf der Straße, sondern auch im Internet per Instagram und Co.

Rot-weiß geht in Köln natürlich immer als Farbe für Kostüme.
Rot-weiß geht in Köln natürlich immer als Farbe für Kostüme.  © DPA

Das Kölner Dreigestirn: Jungfrau Catharina (Michael Everwand), Prinz Marc I. (Marc Michelske) und Bauer (Markus Meyer) feierten mit Tausenden den Auftakt der Karnevalssession.

In Köln wurde es erst einmal amtlich: Unter den wachenden Augen von Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) unterschrieben das Festcomité und das neue Dreigestirn noch vor elf im Rathaus den neuen Sessionsvertrag. Muss schließlich alles seine Ordnung haben im Karneval.

"Ich hoffe, Sie haben sich alle schon eingeschunkelt", sagte Reker später zu den Tausenden Karnevalisten auf dem Heumarkt.

"Wir haben das jedenfalls schon hinter der Bühne getan." Sie wünschte den Karnevalisten ein friedliches und ausgelassenes Feiern.

"Sowas hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön", jubelte die Menge, und immer wieder: "Kölle Alaaf".

In der Kölner Innenstadt war es früh rappelvoll. "Nach Heumarkt und Alter Markt ist jetzt auch die Zülpicher Straße abgesperrt. Die Südstadt ist derzeit noch nicht geschlossen, läuft aber derzeit zu", warnte die Stadt Köln kurz vor Mittag. Auch am Hauptbahnhof herrsche ein großer Besucherstrom. Die Stadt Köln vermutete, dass es mehr Besucher gibt es im Jahr 2017.

Auch die Polizei warnte die Besucher per Lautsprecherdurchsagen vor zu vollen Plätzen. Die Beamten hatten allerdings auch ihren Spaß. "Sprechen Sie uns gerne an - Sie erkennen uns am 'jeilen Kostüm'", informierten die Kölner Polizei via Facebook.

Vergangenes Jahren waren am 11.11. in Köln massive Sauf-Exzesse beklagt worden. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sagte dazu kürzlich: "Die Zustände am 11.11. waren nicht hinnehmbar." Ein Runder Tisch aus Vertretern von Ordnungsamt, Stadt und Kneipenwirten hatte daraufhin Verbesserungen angestrebt.

Sturz-Unglücke am Heumarkt und an der Zülpicher Straße

Ein Jeck verkleidet als "Obelix" feiert den Auftakt der Karnevalssession vor dem Dom.
Ein Jeck verkleidet als "Obelix" feiert den Auftakt der Karnevalssession vor dem Dom.  © DPA

Update: 13.30 Uhr

Die Berufsfeuerwehr meldet als erste Zwischenbilanz etwas geringe Einsatzzahlen für den Rettungsdienst als im Vorjahr. Konkret musste in 124 Fällen der Rettungswagen, teilweise mit Notarzt ausrücken. Im Vergleich zum vergangenen Jahr waren exakt zur gleichen Zeit 145 Rettungswagen mit Besatzung im Einsatz.

Update, 13.45 Uhr

18 Düsseldorfer Einsatzkräfte des Ordnungsdienstes hospitieren Kollegen in Köln, teilte die Stadt Köln mit. Der Düsseldorfer Ordnungsdezernent Christian Zaum verschaffte sich heute im Koordinierungsstab einen Einblick in die Arbeitsweise. „So voll ist es am 11.11. in Düsseldorf nicht. Insofern ist es für uns interessant, zu sehen, wie Köln das meistert.“

Update, 15.12 Uhr

Am Heumarkt ist ein Mann (22) von einem Technikturm an der Bühne gestürzt. Zunächst hatte die Polizei von einem Kühlwagen gesprochen, eine Sprecherin der Stadt korrigierte die erste Meldung. Der Mann war zwei Meter in die Tiefe gestürzt. Er soll sich schwere Verletzungen an der Wirbelsäule zugezogen haben, hieß es. Er wurde zur Behandlung in einer Kölner Krankenhaus gebracht.

Update, 16.54 Uhr

In diesem Jahr gab es bisher weniger Rettungseinsätze als im Vorjahr. Zwischen 7 und 16 Uhr wurde 297-mal ein Rettungswagen gerufen (2017: 387-mal). An einem "normalen" Sonntag gibt es etwa 130 Einsätze. An diesem Sonntag sind 50 zusätzliche Rettungswagen unterwegs.

Aktuell kommt es in der Südstadt zu Behinderungen im Bahnverkehr durch Personen auf den Gleisen. An der Zülpicher Straße hat sich ein zweiter Sturz ereignet. Ein Mann wurde durch einen Sturz aus dem Dachgeschoss auf ein Vordach bewusstlos aufgefunden und schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

Update, 18.35 Uhr

Bisher wurden mehrere Fälle von sexueller Belästigung aufgenommen und eine Vergewaltigung angezeigt. Laut Polizei konnten alle Tatverdächtigen bereits ermittelt werden. Insgesamt ist die Lage laut eines Polizeisprechers ungefähr vergleichbar mit dem Vorjahr und "noch nicht besorgniserregend".

Update, 21.40

Laut Feuerwehr entspannt sich die Lage in der Innenstadt. Es seien aber noch immer recht viele Rettungswagen unterwegs.

Hintergrund: Das ist der 11. 11. im Karneval

Auf dem Heumarkt feierten Tausende den Beginn der Narrenzeit.
Auf dem Heumarkt feierten Tausende den Beginn der Narrenzeit.  © DPA

Am elften Elften um 11 Uhr 11 beginnt die neue Karnevalssession. Warum genau dann? Weiß man nicht. Vermutungen gibt es viele: Es ist eine Schnapszahl, eine Narrenzahl, wie man im Mittelalter gesagt hätte.

Einer mehr als die zehn Finger und einer weniger als die zwölf Apostel. Nichts Halbes und nichts Ganzes.

Außerdem markierte der 11. November, der Martinstag, früher das Ende der Erntezeit. Man feierte dies mit einem Braten, der Martinsgans.

Dabei trank man dann auch gern ein Glas zuviel. Nach getaner Arbeit ließ man es sich gutgehen - zumal anschließend eine Fastenzeit bis Weihnachten begann.

Heute hat in den Karnevalshochburgen sehr vieles mit der Zahl Elf zu tun. Sitzungen beginnen nicht zur vollen Stunde, sondern elf Minuten später, und geleitet werden sie vom Elferrat.

Für Karnevals-Unerfahrene ist es überraschend, dass am 11.11. für einen Tag die Hölle losbricht, und dann tun die Narren erst mal wieder so, als wäre nix gewesen. Erst im neuen Jahr beginnt die Session mit dem Sitzungskarneval so richtig.


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