Alarm! Erst Motten und jetzt fiese Bakterien

Die befallenen Rosskastanien zeigen kleine blutende Flecken am Stamm und dunkelbraune bis schwarze Verfärbungen unter der Rinde.
Die befallenen Rosskastanien zeigen kleine blutende Flecken am Stamm und dunkelbraune bis schwarze Verfärbungen unter der Rinde.

Von Pia Lucchesi

Dresden/Zwickau - Wird es in Sachsens Städten bald keine Kastanien mehr geben? Die Baumpfleger sind alarmiert. Nicht nur die Miniermotte macht der Art zu schaffen. Jetzt breitet sich auch noch das aggressive Bakterium Pseudomonas syringae aus...

Krank am Straßenrand: 2008 wurde das Bakterium erstmals in Deutschland nachgewiesen. Pseudomonas ist eine Baum-Gefäßkrankheit ähnlich der Arterienverkalkung beim Menschen.

Die Gefäße erkrankter Bäume verstopfen, die Blätter und Äste der Krone werden dadurch nicht mehr ausreichend versorgt und sterben ab. Zudem verfärbt sich die Baumrinde dunkelbraun bis schwarz.

Sie bekommt „Teerflecken“, die nassen Schleim ausbluten. Sogar große alte Bäume können der Krankheit zum Opfer fallen - und sterben.

Steffen Löbel begutachtet den Stamm einer Kastanie. Sechs Prozent der 53 201 Straßenbäume in Dresden sind Kastanien.
Steffen Löbel begutachtet den Stamm einer Kastanie. Sechs Prozent der 53 201 Straßenbäume in Dresden sind Kastanien.

„2011 haben wir Pseudomonas syringae erstmals an Jungbäumen festgestellt“, sagt Zwickaus Chef vom Garten- und Friedhofsamt, Jörg Voigtsberger (52). Betroffen war die Rotblühende Kastanie. „Sie gilt als nahezu resistent gegen Miniermottenbefall. Die Bäume sollten anfällige weißblühende Kastanien ersetzen“, berichtet Voigtsberger.

Ihm blutet das Herz, wenn er an den Befund denkt: „Wir mussten insgesamt 49 schwerstgeschädigte Jungbäume rausreißen.“ Auf der Ringallee pflanzte man in Abstimmung mit dem Denkmalgeschütz danach japanische Schnurbäume.

Jörg Voigtsberger stellt fest: „Als Stadt- und Straßenbaum ist die Kastanie äußerst problematisch. Zukünftig werden wir sie nicht mehr hier pflanzen.“ Auch Steffen Löbel (53) brennt das Thema unter den Nägeln.

Der Sachgebietsleiter Straßenbäume im Dresdner Rathaus berichtet: „2015 wurde Pseudomonas syringae erstmals im Dresdner Stadtgebiet nachgewiesen. Zwei Straßenzüge mit Kastanien sind betroffen.“ Der Laborbefund erwischte die Gärtner eiskalt. „Wir entscheiden nun von Fall zu Fall, wie wir die erkrankten Bäume behandeln.“

Gibt er der Kastanie noch eine Chance? Steffen Löbel: „Wir beobachten kritisch die Ausbreitung der Krankheit und den Zustand der Bäume.“

Nicht wenige Stadtgärtner sagen, dass die Kastanie als Alleebaum keine Zukunft hat.
Nicht wenige Stadtgärtner sagen, dass die Kastanie als Alleebaum keine Zukunft hat.
In der Zwickauer Ringallee wurden 30 japanische Schnurbäume als Ersatz für kranke Kastanien gepflanzt.
In der Zwickauer Ringallee wurden 30 japanische Schnurbäume als Ersatz für kranke Kastanien gepflanzt.

Fotos: Holm Helis, Ove Landgraf, Sven Gleisberg


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