Keine Lösung in Sicht: Ferkel in Deutschland werden weiter ohne Betäubung kastriert

München - Ferkel werden in Deutschland bisher ohne Betäubung kastriert - eine schmerzhafte Prozedur für die Tiere. Seit Jahren wird um ein Verbot gerungen, nun gibt es nochmals Aufschub. Tierschützer kritisieren das, aber die Bauern sagen: Es gibt noch keine praktikable Lösung.

Eine Narkoseanlage für Ferkel in einem Zuchtbetrieb.
Eine Narkoseanlage für Ferkel in einem Zuchtbetrieb.  © DPA

Bauernpräsident Walter Heidl verlangt bei dem geplanten Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration eine Möglichkeit zur lokalen Betäubung durch den Landwirt.

Studien dazu müssten von Zulassungsverfahren für entsprechende Mittel begleitet sein, um rasch zu einer Umsetzung zu kommen, sagte der Präsident des Bayerischen und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes. In Deutschland sei vorgesehen, dass ein Tierarzt die lokale Betäubung vornimmt.

Am Freitag hatte nach dem Bundestag auch der Bundesrat einen zweijährigen Aufschub des Verbots gebilligt, das ursprünglich ab Januar gelten sollte. Tierschützer hatten den Aufschub kritisiert.

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In Deutschland werden Millionen männlicher Ferkel kurz nach der Geburt betäubungslos kastriert. Die Kastration verhindert, dass das Fleisch beim Erhitzen einen unangenehmen Ebergeruch entwickelt.

Die Lokalanästhesie durch den Bauern werde in Skandinavien schon praktiziert, sagte Heidl. Die dortigen Erzeuger drängten in Richtung des deutschen Markts.

Bauernpräsident fordert lokale Betäubung der Ferkel durch den Landwirt

Bauernpräsident Walter Heidl fordert eine praktikable Lösung für die Landwirte.
Bauernpräsident Walter Heidl fordert eine praktikable Lösung für die Landwirte.  © DPA

Hierzulande müsste ein Tierarzt die lokale Betäubung vornehmen. Doch es fehlten ausreichend Tierärzte, sagte Heidl - damit würden Ferkel aus der Region auch deutlich teurer als importierte Tiere.

Wegen steigender Kosten und der Konkurrenz aus dem Ausland hätten ohnehin schon viele Erzeuger aufgeben müssen.

Das Verbot der Kastration ohne Betäubung war 2012 beschlossen worden, die Politik habe sich aber einen "sehr ehrgeizigen Zeitplan gegeben, den sie dann nicht erfüllt hat", sagte Heidl. Nicht zuletzt hätten bisherige Lösungsansätze bei der Umsetzung Nachteile gezeigt.

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Würden unkastrierte Eber gemästet, verletzten sich häufig Tiere gegenseitig und es müsse ein bestimmter Prozentsatz an Fleisch wegen des Geruchs weggeworfen werden.

Probleme sieht Heidl auch bei einer Impfung, die eine Geschlechtsreife verhindern soll. Eine Vollnarkose wiederum sei bei einem neugeborenen Tier ebenso wenig angebracht wie bei einem menschlichen Säugling.

Das Argument, eine lokale Betäubung wirke nicht, wies Heidl zurück: "Wer das behauptet, sollte auf die Spritze beim Zahnarzt verzichten."

Titelfoto: DPA

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