Katastrophe offiziell: Land versagt beim Bau von Brücke über A20-Krater, Bürger sind sauer

Tribsees/Schwerin - Es klang zu schön, um wahr zu sein: Die Abrissarbeiten des abgesackten Autobahnabschnitts der A20 ist nahezu abgeschlossen. Eigentlich sollte die "Ostsee-Autobahn" nun in diesem Bereich auf 800 Meter zurückgebaut werden, um eine Behelfsbrücke zu errichten. Aber die wird nun wohl nicht so schnell kommen, wie der NDR berichtet.

Ein Bagger arbeitet am Rückbau des Straßendammes an dem zerstörten Teilstück der A20 bei Tribsees (Landkreis Vorpommern-Rügen).
Ein Bagger arbeitet am Rückbau des Straßendammes an dem zerstörten Teilstück der A20 bei Tribsees (Landkreis Vorpommern-Rügen).  © DPA

Eigentlich sollte die Brücke bereits im Spätsommer stehen und den Verkehr in beiden Richtungen einspurig führen. Dann wurde der Termin auf Herbst korrigiert. Aber auch daraus wird nach jetzigem Stand nichts werden.

Seit Wochen verhandelt das Land mit nur einem einzigen Unternehmen aus den Niederlanden, das sich tatsächlich an die Ausschreibung zum Bau der Behelfsbrücke beteiligt hat.

Auf einer Informationsveranstaltung im Stralsunder Rathaus offenbarte Verkehrsminister Christian Pegel (44, SPD) das ganze Ausmaß der Katastrophe: Das niederländische Unternehmen kann den gesteckten Zeitplan nicht einhalten. Somit ist mit einer deutlich späteren Fertigstellung zu rechnen.

"Wenn wir das alles in diesem Jahr noch hinkriegen, dann sind wir extrem gut gewesen", so Pegel, der die Reparaturkosten der lädierten Autobahn auf rund 150 Millionen Euro schätzt.

Bereits vor einer Woche verwies das Verkehrsministerium bereits darauf, dass das Projekt "zeitlich, technisch und auch im Bezug auf Kapazität anspruchsvoll" ist, wie TAG24 berichtete.

Alternative Routen sollen im Ostsee-Verkehr für Entlastung sorgen

Verkehrsminister Christian Pegel bei einer Pressekonferenz in Schwerin.
Verkehrsminister Christian Pegel bei einer Pressekonferenz in Schwerin.  © DPA

Die Urlaubszeit steht unmittelbar bevor. Um den Besucheransturm Herr zu werden, will das Land spezielle Entlastungsrouten ausweisen, wie das Verkehrsministerium auf TAG24-Anfrage bestätigte.

Dynamische Tafeln sollen dann die Autofahrer auf dem schnellsten Weg an der Baustelle vorbeiführen - allerdings erst ab Oktober.

Einer der den ganzen Zirkus um die Behelfsbrücke nicht verstehen kann, ist Alexander Badrow (44, CDU), Oberbürgermeister von Stralsund. "Es fällt schwer zu verstehen, dass es so en bürokratisches Hindernis ist", sagte er laut einem Bericht der Ostsee-Zeitung. Kaum ein Bürger kann nachvollziehen, warum in einem führendem Wirtschaftsland das Problem so viel Zeit in Anspruch nimmt.

Die auf einer Torflinse errichtete Autobahnabschnitt brach im September 2017 weg. In den darauffolgenden Wochen vergrößerte sich das Loch immer weiter, bis auch die Gegenfahrbahn absackte. Von Fehlplanungen war damals in diesem Zusammenhang die Rede.

Die Visualisierung zeigt eine Behelfsbrücke über die eingestürzte Autobahn A20.
Die Visualisierung zeigt eine Behelfsbrücke über die eingestürzte Autobahn A20.  © M-V/Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenbu

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