Katharina Fegebank im TAG24-Interview: Grüne wollen Geschichte schreiben

Hamburg - Die Bürgerschaftswahl in Hamburg rückt näher. Was wollen die Spitzenkandidaten der Parteien? TAG24 traf Katharina Fegebank (42) von Bündnis90/Die Grünen zum Interview.

Katharina Fegebank (links) will den Bürgermeister-Posten ihres bisherigen Koalitonspartners Peter Tschentscher. (Archivbild)
Katharina Fegebank (links) will den Bürgermeister-Posten ihres bisherigen Koalitonspartners Peter Tschentscher. (Archivbild)  © Daniel Reinhardt/dpa

Katharina Fegebank ist seit 2015 Zweite Bürgermeisterin sowie Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung in der rot-grünen Regierung. Durch anhaltend guten Umfragewerte beflügelt wollen die Grünen bei dieser Wahl aber mehr. Die Partei will die erste Bürgermeisterin Hamburgs stellen und damit Peter Tschentscher (SPD, 54) beerben.

TAG24: Warum sind Sie Politikerin geworden?

Katharina Fegebank: Da hat ganz viel zusammengepasst, wie zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Eigentlich ist das etwas gewesen, was über Jahre gewachsen ist.

Ich habe nach dem Abitur ein Jahr in England verbracht, anschließend in Freiburg und Berlin Politikwissenschaften mit Schwerpunkt internationale Beziehungen studiert, diverse Praktika im In- und Ausland gemacht und wusste, dass ich gerne im politischen oder im politiknahen Umfeld arbeiten möchte. Damals hatte ich aber eher die Vorstellung auf internationalem oder europäischem Parkett meine berufliche Heimat zu finden.

Ich bin 2004 Mitglied der Grünen geworden, das war zur Europawahl. Kurze Zeit später bin ich von Berlin nach Hamburg gezogen, wo ich eigentlich promovieren, wollte, hier habe ich ganz schnell angefangen, mich ehrenamtlich parteipolitisch zu engagieren.

Ich habe gemerkt, wie viel Freude es macht, sich bei den Grünen für Themen einzusetzen, die einem am Herzen liegen und dass man richtig was verändern kann. Also nicht meckern, sondern selbst aktiv werden und selbst die Stimme ergreifen - Partei ergreifen im wahrsten Sinne des Wortes. Das hab ich lange Zeit ehrenamtlich gemacht neben meinem eigentlichen Job an der Universität.

Nachdem ich 2008 Landesvorsitzende wurde und die ersten Wahlkämpfe mitgestaltet, vorbereitet, durchgeführt, eine Regierungszeit mitgemacht habe, die nicht ganz so schön geendet hat, dann auch eine Zeit in der Opposition hatte, war's 2014 soweit, dass ich gesagt habe, jetzt bin ich bereit alles auf eine Karte zu setzen. Bei der Bürgerschaftswahl 2015 war ich Spitzenkandidatin zusammen mit Jens Kerstan in einer Doppelspitze.

Dann, als wir in die Regierung gingen, war klar, dass neben dem Amt der Zweiten Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin keine Zeit, keine Kapazität mehr frei war für eine andere Tätigkeit.

Sie sehen, es ist ein langer, gewachsener Prozess. Natürlich kann man sagen, das stelle ich mir interessant und spannend vor. Aber politische Karrieren sind nicht planbar. Das Amt kommt zu einem, man geht nicht zum Amt.

Gesellschaftliches Bewusstsein für Bildung und Forschung geschaffen

Katharina Fegebank ist Spitzenkandidatin der Grünen für die Bürgerschaftswahl. (Archivbild)
Katharina Fegebank ist Spitzenkandidatin der Grünen für die Bürgerschaftswahl. (Archivbild)  © Christian Charisius/dpa

TAG24: Da würde ich anschließen, weil gerade das Stichwort Legislaturperiode gefallen ist. Was ist das Wichtigste, das Sie in den letzten fünf Jahren für Hamburg erreicht haben?

Ich habe das Thema Wissenschaft, Forschung und Innovation auf die Karte gepackt, und ganz oben auf die Agenda des Senats gesetzt. Es ist uns und mir gelungen, aus einem wenig beachteten Politikfeld ein Topthema zu machen. Ein Thema, über das die Stadt, die Stadtgesellschaft spricht.

Wir haben ein komplett neues gesellschaftliches Klima erzeugt, mit einer größeren Wertschätzung auch mit einem gewissen Stolz für unsere Hochschulen, für die Universitäten und Forschungseinrichtungen.

Das ist genau der Weg, mit dem wir auch die Zukunft gestalten wollen. Nämlich mit einer Wirtschaft, die sich neu erfindet, mit einem stärkeren Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, weil wir sehr viel Nachholbedarf haben, was Strukturwandel angeht und die Aufgabe, die Stadt fit für die Zukunft zu machen.

Und wenn ich an grüne Erfolge insgesamt denke, ist mir besonders wichtig, dass wir es geschafft haben, die Energienetze zu rekommunalisieren und ein sehr, sehr ambitioniertes Kohleausstiegsgesetz zu verabschieden. Damit haben wir einen klaren Punkt in Sachen Umwelt- und Klimaschutz sowie Energiewende gemacht.

TAG24: Das sind ja auch Themen, die in einer Umfrage als Hauptthemenfelder herauskamen, die die Menschen in Hamburg interessieren. Verkehr, Klimaschutz, Wohnen und Bildung - diese vier Bereiche wurden am häufigsten genannt. Welches Problem würden Sie denn als nächstes/erstes anpacken und wie?

Wir brauchen eine echte, eine mutige Mobilitätswende. Das heißt, dass wir darauf setzen unsere Innenstadt weitestgehend autofrei zu gestalten, dass es uns gelingt, Hamburg zur echten Fahrradstadt zu machen und dass wir ehrgeizige Klimaziele verfolgen, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Ich will, dass Hamburg Vorreiter und Klimaschutz-Hauptstadt in Europa wird.

Fegebank strebt klaren Machtwechsel im Rathaus an

Der Wahlkampf der Grünen ist voll und ganz auf das Bürgermeisteramt zugschnitten. (Archivbild)
Der Wahlkampf der Grünen ist voll und ganz auf das Bürgermeisteramt zugschnitten. (Archivbild)  © Daniel Bockwoldt/dpa

TAG24: Gibt es eine Vision, wo Hamburg im Jahr 2030 steht? Wie sieht die Stadt dann aus?

Die Stadt ist bunt und vielfältig, Hamburg ist die offene Willkommens-Metropole in Europa, die von Delegationen und Gruppen aus Europa und der Welt besucht wird, weil wir die größten Fortschritte im Bereich Klimaschutz gemacht haben - und das als traditionelle Handels- und Hafenmetropole.

Wir werden einen großen Sprung in Richtung Strukturwandel zu einer Wissens- und Innovationsmetropole gemacht haben und wir werden die Verkehrswende so vorangetrieben haben, dass wir auf dem Weg zur menschen- und nicht autogerechten Stadt sind.

Man sieht sehr viel mehr als jetzt, dass Hamburg zur Fahrradstadt wird, dass Plätze neu belebt werden und damit die Lebensqualität erhöht wird. Die Menschen fühlen sich in der Stadt wohl, weil sie bezahlbaren Wohnraum auf der einen Seite haben und gleichzeitig der grüne Charakter sowie das grüne Herz der Stadt weiterhin erkennbar sind.

TAG24: …also noch viel vor in den kommenden zehn Jahren. Die Wahlumfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Grünen und SPD. Mit wem möchten Sie am liebsten regieren?

Erstmal ist alles drin. Wir haben ein super Absprungbrett für die nächsten Wochen für die heiße Wahlkampfphase und wir haben den unbedingten Siegeswillen. Wir wollen das erste Mal in der Geschichte der Freien und Hansestadt Hamburg eine Erste Bürgermeisterin stellen und da sind wir topmotiviert.

Wir haben eine sehr geschlossene Partei und sind mit Leidenschaft, Freude und Optimismus dabei. Meine Präferenz, das habe ich auch schon vor einem Jahr gesagt, ist eine grün-rote Regierung. Ich hab immer gesagt, dass wir sehr erfolgreich in der aktuellen Konstellation regieren und ich mir gut vorstellen kann, dass wir mit veränderten Kräfteverhältnissen auch in eine nächste Legislatur gehen. Also grün-rot ist definitiv die Präferenz.

TAG24: Warum sollte man Sie wählen?

Weil ich mit Mut, Leidenschaft und Regierungserfahrung die notwendigen Veränderungen, über die wir gesprochen haben, beherzt angehen möchte.

Ich will, dass keine Idee in dieser Stadt verloren geht und ich will mit den Menschen zusammen auf Augenhöhe das beste aus dieser Stadt machen, damit wir hier in Zukunft gemeinsam mit gut, sicher und gern leben. Da denke ich, dass ich die besten Antworten habe.

TAG24: Frau Fegebank, wir danken Ihnen für dieses Interview!

Weitere Interviews zur Bürgerschaftswahl

TAG24 bat alle Spitzenkandidaten der in der Hamburgischen Bürgerschaft vertretenen Parteien um Interviews. Bisher sind erschienen:

Die Bürgerschaftswahl in Hamburg findet am Sonntag, 23. Februar, statt. Wenn Ihr noch unentschlossen seid, wem Ihr Eure Stimmen geben sollt, kann Euch der Wahl-O-Mat helfen.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa


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