Eklat! Kaufhaus-Millionär im Visier des Staatsanwalts

Winfried Stöcker (68) im Görlitzer Jugendstilkaufhaus. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen seiner Äußerungen über Asylbewerber.
Winfried Stöcker (68) im Görlitzer Jugendstilkaufhaus. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen seiner Äußerungen über Asylbewerber.

Von Juliane Morgenroth

Görlitz/Lübeck - Der Fall Winfried Stöcker (68) eskaliert: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung gegen den Investor des Görlitzer Jugendstilkaufhauses. Hintergrund sind seine Äußerungen über Asylbewerber.

Mehrere Strafanzeigen gibt es gegen Stöcker. Diese stammen laut Medienberichten von der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein, dem Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland, einem Lehrer sowie von einem Lübecker Psychotherapeuten.

Die Görlitzer Staatsanwaltschaft wollte sich zu den Anzeigenerstattern nicht äußern.

Hintergrund sind Stöckers Äußerungen im Dezember, als er mit markigen Worten ein Benefiz-Konzert für Flüchtlinge in seinem Kaufhaus untersagte. Er wolle den „Missbrauch unseres Asylrechtes“ nicht unterstützen.

Er sprach unter anderem von „reisefreudigen Afrikanern“.

Seit den Dreharbeiten zu „Grand Budapest Hotel“ ist das Kaufhaus weltbekannt. Doch sein Besitzer sorgt für Wirbel.
Seit den Dreharbeiten zu „Grand Budapest Hotel“ ist das Kaufhaus weltbekannt. Doch sein Besitzer sorgt für Wirbel.

Die Folge war trotz Stöckers Entschuldigung eine Welle der Empörung, aber auch Beifall von der rechtsextremen NPD. Bei Facebook gibt es gar eine Fanseite.

Beruhigt hat sich die Lage nicht - zuletzt gerieten Stöcker, Chef der Lübecker Firma Euroimmun-AG, und der Präsident der Lübecker Uni wegen der Äußerungen aneinander. Der Kaufhaus-Millionär strich der Uni Gelder. Stöcker: „Ich lasse mir von keinem Präsidenten, Journalisten oder Politiker vorschreiben, was ich zu denken und zu sagen hätte.“ Mit einem Papier „Gesinnungsterror in Fragen zur Asylpolitik“ legte er nach.

Wegen Volksverhetzung drohen Stöcker bis zu fünf Jahre Haft.

„Ich kann noch nicht einschätzen, wann und wie das Verfahren abgeschlossen wird“, so Staatsanwalt Till Neumann. Die Stadt Görlitz wollte sich nicht äußern. Im Dezember hatte Oberbürgermeister Siegfried Deinege (59, parteilos) Stöcker scharf kritisiert.

Wer ist Winfried Stöcker?

Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege (59, parteilos) hatte Unternehmer Stöcker im Dezember scharf kritisiert.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege (59, parteilos) hatte Unternehmer Stöcker im Dezember scharf kritisiert.

Der promovierte Mediziner Winfried Stöcker (68) hat familiäre Wurzeln in der Oberlausitz. Er stammt aus Rennersdorf bei Herrnhut.

Seine Firma Euroimmun-AG mit Hauptsitz in Lübeck stellt Produkte für medizinische Labordiagnostik her und beschäftigt rund 1300 Mitarbeiter, darunter 200 in Ostsachsen.

2013 kaufte Stöcker das leer stehende Jugendstilkaufhaus in Görlitz. Für 20 Millionen Euro wird es zum „Kaufhaus der Oberlausitz“ umgebaut. Die Eröffnung ist für 2016 geplant.

Fotos: Pawel Sosnowski, Nikolai Schmidt


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