Kein Platz mehr! Jetzt bauen sie Wein im Tagebau an

Hat ein Näschen für neue Wein-Ideen: Meißens Winzer Martin Schwarz (52).
Hat ein Näschen für neue Wein-Ideen: Meißens Winzer Martin Schwarz (52).

Von Alexander Bischoff

Meißen/Welzow - Sächsischer Winzer beackert die Lausitz. Wo sich früher Kohlebagger durch die Erde fraßen, versucht heute ein Meißner Winzer Weinbau zu kultivieren. Martin Schwarz (52) hat nach Brandenburg expandiert, weil Sachsens Weinanbaugebiet kaum noch Erweiterungen zulässt.

Am Rande des Braunkohletagebaus Welzow-Süd erhebt sich ein Weinhang rund 30 Meter in die Höhe. Auf sechs Hektar trotzen hier junge Rebstöcke dem Wind. Die sonnenverwöhnten Trauben stehen gut im Wuchs.

Erschaffen wurde das nach dem weggebaggerten Dorf Wolkenberg benannte Weinanbaugebiet 2010 vom Tagebaubetreiber Vattenfall.

Eine ambitionierte Rekultivierungsmaßnahme, die nun in den Händen eines sächsischen Profis liegt.

Es grünt so grün: Weinreben an ehemaligen Tagebauhängen in der Lausitz.
Es grünt so grün: Weinreben an ehemaligen Tagebauhängen in der Lausitz.

Martin Schwarz von der „Weinmanufaktur am Mariaberg“, einem 2,5 Hektar großen Weingut in Meißen, hat den Wolkenberg gemeinsam mit zwei Freunden gepachtet. „Wir haben hier klassische Sorten wie Weiß- und Grauburgunder, aber auch Exoten wie den Roten Riesling, Schönburger und Kernling“, zählt Schwarz seine Schützlinge auf.

Und die haben es in der Lausitz etwas schwerer als im heimischen Elbtal. „Der Boden ist sehr sandig und trocken“, erklärt Schwarz. Mit einer starken Humusschicht versucht der erfahrene Winzer das Manko nun auszugleichen. Zudem verzichtete Schwarz im vergangenen Jahr auf die Ernte. „Um die Anlage zu stärken“, erklärt er.

In diesem Jahr soll aber geerntet werden. Vorsichtige 20 Hektoliter je Hektar will der Winzer erwirtschaften.

Der Brandenburger Landwein, so die offizielle Bezeichnung, soll dann in Meißen gekeltert werden. In drei Jahren, so schätzt Schwarz, werden die Rebstöcke so gut verwurzelt sein, dass der Ertrag auf 50 Hektoliter gesteigert werden könne.

Wein auf Kohle ist in Sachsen nicht erlaubt

Weinanbau im Tagebaugebiet - in Sachsen ist das nicht möglich, weil niemand dafür Pflanzrechte bekommen würde. „Wir haben im Freistaat ein Qualitätsanbaugebiet, das im Wesentlichen das Elbtal umfasst - und außerhalb dieser Grenzen ist professioneller Weinbau nicht erlaubt“, erklärt Frieder Tränkner (53) vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Aus diesem Grund wurde 2011 auch das ambitionierte Weinbau-Projekt am Störmthaler See gestoppt. Statt des professionellen Weinbaus gibt es an dem gefluteten Tagebau jetzt nur noch einen kleinen Hobby-Anbau.

"Weinanbau für den Eigenbedarf ist in Sachsen auf maximal 99 Quadratmetern erlaubt“, klärt Experte Tränkner auf. Das sei Platz für etwa 50 Rebstöcke. Bei einem Ertrag von etwa einem Kilo pro Rebstock wären dies rund 50 Flaschen Wein (0,7 l) für den Eigenbedarf.

Foto: dpa/Patrick Pleul, Türpe


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