Großröhrsdorf: Firma storniert Flüchtlingsquartier

In die Schüco-Halle sollten 700 Flüchtlinge einziehen.
In die Schüco-Halle sollten 700 Flüchtlinge einziehen.

Von Torsten Hilscher

Großröhrsdorf - Die Firma Portatec wird keine Flüchtlinge in ihren Großröhrsdorfer Hallen aufnehmen. Das bestätigte Geschäftsführer Dietmar Metzner (67). Entgegen bisherigen Ankündigungen würden die zugesagten Flächen dafür nicht zur Verfügung stehen.

Ursprünglich wollte das Unternehmen eine ehemalige Produktionshalle für Solarmodule zur Unterbringung von bis zu 700 Flüchtlingen frei geben, hieß es noch am Dienstag. In einer zweiten Halle nebenan produziert das in Neukirch-Schmorkau beheimatete Unternehmen Werkzeugmaschinen für die Luftfahrtindustrie.

Beide Hallen wiederum sind von der Firma Schüco angemietet, die dort bis vor zirka zweieinhalb Jahren Teile für die Solarbranche herstellte. Portatec ist seit etwa einem dreiviertel Jahr vor Ort. Bislang werden in Großröhrsdorf rund 70 Flüchtlinge an anderer Stelle betreut.

Ein Grund für die Entscheidung: Die Immobilie sei sehr kompliziert und unübersichtlich geschnitten.
Ein Grund für die Entscheidung: Die Immobilie sei sehr kompliziert und unübersichtlich geschnitten.

„Grund für unsere Absage ist der explosiv gewachsene Zustrom von Flüchtlingen in den letzten Tagen“, sagte Metzner. „Es sammeln sich immer neue Erkenntnisse hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf Großröhrsdorf – vor allem vor dem Hintergrund von Heidenau!“

Etwaige „Gefahren“ aus einer Aufnahme vieler Asylbewerber in einem so kleinen Ort wie Großröhrsdorf seien erst jetzt „klar geworden“, daher der kurzfristige Rückzug, warb Metzner um Verständnis. „Wir haben seit zwei Tagen eine andere Situation.“

Im Übrigen sei die Immobilie sehr kompliziert und unübersichtlich geschnitten, um darin Hunderte zu beherbergen, wenngleich der Vertrag mit Schüco pauschal für „alle möglichen Verwendungen“, also auch für diese Raum lasse. Darüber hinaus befänden sich in der Nähe Wohnhäuser.

Die Halle selbst ist in ein Gewerbegebiet in Großröhrsdorf gebaut. Sein Fazit: „Die Verantwortung für das, was sich aus der geplanten Unterbringung von Asylbewerbern in Großröhrsdorf ergeben kann, können wir nicht übernehmen.“

Von der Landesdirektion hieß es offiziell zu dem Vorgang: Ein Mietvertrag zwischen dem jetzigen Eigentümer der Hallen und dem Freistaat Sachsen zur Nutzung als Asylbewerbernotunterkunft der Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaates Sachsen sei nicht zustande gekommen.

„Eine Nutzung der früheren Solarfabrik als Asylbewerbererstunterkunft für in Sachsen neu ankommende Asylsuchende kommt deshalb vorläufig nicht weiter in Betracht.“

Fotos: Rico Löb


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