Kettensägen-Massaker für neues Abhörzentrum der Polizei in Leipzig

Leipzig - Aus Angst vor Anschlägen auf die neue länderübergreifende Abhörzentrale der Polizei hat der Freistaat im Leipziger Norden Hunderte Bäume und Sträucher fällen lassen.

Nach Angaben des NABU fielen rund 100 Bäume und hunderte Meter Strauchhecke der Kettensäge zum Opfer.
Nach Angaben des NABU fielen rund 100 Bäume und hunderte Meter Strauchhecke der Kettensäge zum Opfer.  © Alexander Bischoff

Begründung: Sie könnten Angreifern als Aufstiegshilfen dienen! Der Naturschutzbund (NABU) ist empört und spricht von einer "Zerstörung der Stadtnatur".

Baumstümpfe soweit das Auge reicht. Rund um das weiträumige Gelände der Bereitschaftspolizei in Leipzig haben Arbeiter in den vergangenen Tagen im Auftrag des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement SIB) nahezu den kompletten Grüngürtel abgeholzt.

"Rund 100 Bäume und mehrere hundert Meter Strauchhecke wurden einfach beseitigt", empört sich Leipzigs NABU-Vorsitzender René Sievert (45). Und beklagt: "Das ist ein eminenter Lebensraumverlust für viele Tiere, die hier jahrzehntelang Unterschlupf, Nahrungs- und Nistmöglichkeiten gefunden haben."

Anwohner hätten dem NABU berichtet, dass wegen der fehlenden Deckung bereits zahlreiche Vögel und ein Fuchs dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen seien.

Leipzigs NABU-Vorsitzender René Sievert (45) ist empört über den rücksichtslosen Eingriff in die Natur.
Leipzigs NABU-Vorsitzender René Sievert (45) ist empört über den rücksichtslosen Eingriff in die Natur.  © Alexander Bischoff

Ausgangspunkt des Kettensägen-Massakers war eine Gefahrenanalyse des LKA. Auf Morgenpost-Anfrage erklärte die SIB dazu: "Aufgrund der geplanten Ansiedlung des Gemeinsamen Dienstleistungs- und Kompetenzzentrums (GKDZ) auf dem Areal ... hat das Landeskriminalamt Sachsen im Juli 2017 seine baulich-technische Sicherungsempfehlung für das Gelände überarbeitet."

Die Empfehlung beinhalte nun unter anderem, dass außerhalb der Umzäunung der Baumbewuchs zu entfernen sei, da er als "Auf- oder Übersteighilfe" genutzt werden könne.

Beim GKDZ handelt es sich um das gemeinsame Abhörzentrum der Länder Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg, das 2019 in Betrieb gehen soll.

In Leipzig sollen dann auf richterliche Anordnung Telefonate von Verbrechern und Terroristen abgehört und deren Mail-Verkehr abgefangen werden.

Auch am Polizeirevier Nord wurden Bäume gefällt.
Auch am Polizeirevier Nord wurden Bäume gefällt.  © Alexander Bischoff
Baumstümpfe so weit das Auge reicht - aus Angst vor Anschlägen auf das neue Abhörzentrum der Polizei wurde der grüne Gürtel rund um das Gelände der Leipziger Bereitschaftspolizei abgeholzt.
Baumstümpfe so weit das Auge reicht - aus Angst vor Anschlägen auf das neue Abhörzentrum der Polizei wurde der grüne Gürtel rund um das Gelände der Leipziger Bereitschaftspolizei abgeholzt.  © Alexander Bischoff

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