Kezia aus Indonesien lernt im Kempi kochen

Die Welt schaut in diesen Monaten auf unsere Stadt. Es heißt, hier herrsche Misstrauen gegenüber Fremden. Doch das stimmt nicht! Unsere Stadt ist weltoffen. Mit der Serie „Willkommen in Dresden“ treten wir hier jeden Mittwoch den Beweis an. Heute: Kezia aus Indonesien.

Schon in den ersten Wochen des ersten Lehrjahres sorgt Kezia dafür, dass es den Frühstücksgästen an nichts fehlt.
Schon in den ersten Wochen des ersten Lehrjahres sorgt Kezia dafür, dass es den Frühstücksgästen an nichts fehlt.

Von Katrin Koch

Dresden - Sie ist eine kleine, zierliche junge Frau. Aber nicht zu unterschätzen. Kaum betritt Kezia Juwita (20) einen Raum, breitet sich Fröhlichkeit aus.

Die Augen der Indonesierin strahlen, das ganze Gesicht lacht - Kezias gute Laune steckt an. Auch das Kempinski-Küchenteam um Chefkoch Jörg Mergner: „Klar, wenn eine Frau im Team arbeitet, wird der Ton höflicher. Und erst recht bei Kezia, die mit unglaublicher Freude bei uns arbeitet.“

Kezia hat eigentlich in Erfurt Gebäude und Energietechnik studiert.

„Im Oktober 2014 bin ich nach Deutschkursen in Heidelberg und einem Studienkolleg in Kaiserslautern nach Thüringen gekommen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das Studium nichts für mich ist“, lacht Kezia hinter ihrer großen Brille.

Mit der Straßenbahn fährt Kezia zur Ausbildung. „Ich bin so glücklich, dass ich im Kempinski lernen darf.“
Mit der Straßenbahn fährt Kezia zur Ausbildung. „Ich bin so glücklich, dass ich im Kempinski lernen darf.“

„Aber das Kochen“ - und jetzt funkeln ihre Augen - „war schon immer mein Hobby.“

Deshalb lernt Kezia seit wenigen Wochen im Kempinski - Köchin will sie werden.

„Die indonesische Küche ist eine der Gewürze. Wir verwenden Ingwer, Pfeffer, Safran, Kurkuma, Zimt, Nelken, Knoblauch oder Kokosmilch“, sagt Kezia und macht den Gaumen wässrig.

Chefkoch Jörg Mergner nickt: „Genau wegen dieser vielen neuen Inspirationen freue ich mich über jeden Lehrling, der aus einem anderen Land zu uns kommt.“

Immerhin arbeiten im Dresdner Kempi 15 verschiedene Nationen! „Ich hoffe doch, dass Kezia mal indonesisch für uns alle kocht.“ Das verspricht die junge Frau von Herzen gern.

„Ich bin unglaublich glücklich, hier eine Ausbildung absolvieren zu dürfen.“

Dieses Foto beweist mehr als 1000 Worte: Kezia (20) hat großen Spaß bei der Arbeit in der Küche des Kempinski.
Dieses Foto beweist mehr als 1000 Worte: Kezia (20) hat großen Spaß bei der Arbeit in der Küche des Kempinski.

Deutschland hat in Indonesien einen hervorragenden Ruf - Kezias Schwestern leben ebenfalls in Deutschland. „Eine studiert Lebensmitteltechnologie, die andere besucht gerade einen Deutschkurs.“

Auch Kezias Vater kennt Deutschland, hat vor 15 Jahren hier seine Doktorarbeit geschrieben. Für ihn ist Deutschland eine Investition in die Zukunft seiner Töchter.

„Ich glaube, mit einer Ausbildung hier kann ich mich in der ganzen Welt bewerben“, sagt Kezia selbstbewusst.

Noch aber steht die Indonesierin am Anfang ihrer Ausbildung. Sie bereitet das Frühstück für die Hotelgäste mit vor, baut das Büfett auf, räumt ab, schnippelt Gemüse … Diesen Monat stehen Fisch und Käse auf dem Unterrichtsplan.

Zwei Wochen Berufsschule wechseln sich mit vier Wochen Küche ab. „Nach den drei Lehrjahren würde ich gern noch im Kempinski bleiben“, wünscht sich Kezia.

Allerdings nicht für immer. „Ich möchte später zurück in meine Heimat und ein eigenes Restaurant eröffnen.“

Die Familie ist für Kezia ein starker Halt. Deshalb hat sie sich übers Internet auch eine Familie gesucht, bei der sie in der Dresdner Altstadt zur Untermiete wohnt. „Eine Mutter mit Tochter. Da fühle ich mich sehr wohl. Und ich bin nicht so allein, obwohl ich schon viele Freunde in Dresden gefunden habe“, erzählt Kezia.

Und natürlich kocht Kezia für ihre Wahl-Familie manchmal auch indonesisch - mit vielen exotischen Zutaten.

„So schmeckt mir Deutschland“

Typisch Mädels: Mit Freundin Hedvika (20, r.) bummelt Kezia gern über die Prager Straße - und schleckert dabei ein Eis.
Typisch Mädels: Mit Freundin Hedvika (20, r.) bummelt Kezia gern über die Prager Straße - und schleckert dabei ein Eis.

„Ich liebe Schweinebraten mit Semmelknödeln und Rotkraut“, gesteht Kezia.

„Leider kann ich das noch nicht selbst kochen. Aber ich arbeite dran.“ Und Stollen kann Kezia auch scheibenweise verdrücken, wenn es kälter wird.

Noch schleckt Kezia mit ihrer Freundin lieber ein Eis auf der Prager Straße.

„Und ich trinke auch mal gern ein Glas Wein. Sogar auf dem Oktoberfest in München“, kichert Kezia.

„Da war ich mit meiner Schwester. Wir beide im Dirndl. Aber eine Maß Bier hab ich nicht getrunken, nur Radler!“

Auch Kezia träumt von Weihnachten in Familie

Ein Foto von ihrer Familie in Indonesien hat Kezia (l.) immer dabei.
Ein Foto von ihrer Familie in Indonesien hat Kezia (l.) immer dabei.

Weihnachten rückt näher. Wie feiert Kezia? „Da ich christlich erzogen wurde, feiert meine Familie in Indonesien auch Weihnachten - als großes Familientreffen. Wir gehen alle zusammen in die Kirche und essen zusammen“, erzählt Kezia.

In diesem Jahr wird sie nicht dabei sein können - Unterricht und Dienstplan geben es nicht her. „Es ist schon schwierig genug, mal zum Gottesdienst in die Kirche zu gehen.“

Kezia nimmt’s gelassen: „2016 möchte ich gern mit meiner Familie Weihnachten feiern. Denn das ist wirklich das Einzige, was ich ein bisschen in dieser wunderschönen Stadt Dresden vermisse - meine Familie.“

Fotos: Steffen Füssel


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