Große sportliche Krise beim KFC Uerdingen: Das sind die Gründe!

Krefeld - Ein desolater Auftritt! Beim 0:4 im Verfolgerduell beim Halleschen FC ließ der KFC Uerdingen alles vermissen, was den Fußball ausmacht. Immerhin redeten die Akteure anschließend nicht lange um den heißen Brei herum.

Hat mit dem KFC Uerdingen große Pläne: Der polarisierende Investor Mikhail Ponomarev
Hat mit dem KFC Uerdingen große Pläne: Der polarisierende Investor Mikhail Ponomarev  © DPA

Innenverteidiger Dominic Maroh, seines Zeichens siebenfacher slowenischer Nationalspieler mit 133 Bundesliga-Spielen auf dem Buckel, merkte im Interview nach dem Spiel deshalb vielsagend an: "Wir lassen uns gegenseitig im Stich!"

Trainer Norbert Meier war aufgrund der Nicht-Leistung seines Teams enttäuscht: "Heute die richtigen Worte zu finden...da muss ich mich ein wenig zusammenreißen" und fügte hinzu: "Die Leistung ist ja überhaupt nicht diskutierbar, überhaupt nicht entschuldbar. Normalerweise musst du dich eine Stunde in die Kurve stellen und die Fans höchstpersönlich nach Hause fahren."

Diese große sportliche Krise der Krefelder, die den mit Abstand erfahrensten und am besten besetzten Kader der 3. Liga haben, zeichnete sich in der Hinrunde noch nicht ab.

Da lief noch alles nach Plan des polarisierenden Uerdingen-Mäzens Mikhail Ponomarev. Die Akteure konnten dank ihrer individuellen Klasse viele Spiele gewinnen und standen nach dem 8. Spieltag sogar auf dem ersten Platz.

Auch nach 19 Spielen betrug der Rückstand auf den damaligen Spitzenreiter Karlsruher SC und den Zweiten VfL Osnabrück nur noch einen Punkt.

Der sportliche Absturz des KFC Uerdingen

Ist um seine Aufgabe derzeit nicht zu beneiden: KFC-Coach Norbert Meier.
Ist um seine Aufgabe derzeit nicht zu beneiden: KFC-Coach Norbert Meier.  © DPA

Kurz vor Weihnachten setzte es jedoch eine deutliche 0:4-Klatsche bei der SpVgg Unterhaching. Diese Pleite hatte anscheinend nachhaltige Wirkung.

Denn auch nach der einmonatigen Winterpause funktionierte wenig, obwohl die Trainingsbedingungen im türkischen Belek hervorragend waren und Krämer dort mit seinem Team daran arbeitete, wieder zweikampfstärker und disziplinierter zu agieren.

Doch das erste Spiel 2019 wurde direkt mit 0:3 gegen die Würzburger Kickers verloren, weil die alten Schwächen wieder offensichtlich wurden und viele Kicker weit unter ihren Möglichkeiten blieben.

Exemplarisch fiel Weltmeister Kevin Großkreutz vor allem mit Fehlern, mangelndem Einsatz und einer Rudelbildung auf, steht in dieser Saison ohnehin neben sich und ist weit von seiner Dortmunder Glanzzeit entfernt.

Wegen des desolaten Auftretens der Mannschaft wurde Coach Stefan Krämer entlassen.

Über den ungünstig gewählten Zeitpunkt direkt nach der Winterpause wurde viel diskutiert. Dazu wurden auch noch die Führungsspieler Christopher Schorch und Tanju Öztürk suspendiert.

Stefan Aigner zeigte bei Eintracht Frankfurt einst gutes Bundesliga-Niveau, war in 121 Spielen an 50 Treffern direkt beteiligt (25 Tore, 25 Vorlagen). In Halle ging der Topscorer und Kapitän der Uerdinger allerdings mit unter.
Stefan Aigner zeigte bei Eintracht Frankfurt einst gutes Bundesliga-Niveau, war in 121 Spielen an 50 Treffern direkt beteiligt (25 Tore, 25 Vorlagen). In Halle ging der Topscorer und Kapitän der Uerdinger allerdings mit unter.  © DPA

Nach diesen Querelen sah es im ersten Match von Interimstrainer Stefan Reisinger dann beim SV Meppen lange Zeit nach einem ungefährdeten Auswärtssieg aus. Doch die Krefelder gaben eine 2:0-Führung innerhalb von elf Minuten noch aus der Hand und verloren mit 2:3.

Dann stand mit Meier bereits ein neuer Coach an der Seitenlinie. Bei seinem Debüt gab es trotz halbstündiger Überzahl nur ein 1:1-Remis gegen den TSV 1860 München, ehe es beim "Dorfklub" SG Sonnenhof Großaspach sogar eine 2:3-Niederlage setzte.

Letzten Montag sah es beim 0:0 gegen den SC Preußen Münster eigentlich gut aus. Es waren schöne Spielzüge zu sehen, die Spieler traten als Einheit auf und wurden von Ponomarev dafür gelobt.

Ob das die Akteure selbstzufrieden gemacht hat?

Denn der vorläufig negative Höhepunkt der gezeigten Darbietungen war nun das 0:4 in Halle, bei dem es nicht nur erschreckende individuelle Aussetzer von erfahrenen Kickern wie Assani Lukimya (drei Länderspiele für die DR Kongo; 86 Bundesliga-Spiele) gab, sondern auch erkennbar war, dass Uerdingen momentan genau das ist, was Fußballfans gemeinhin als "Söldnertruppe" bezeichnen.

Offenbarungseid in Halle

Zwei der Stars, die ihrer Form hinterherhinken: Maximilian Beister (l.) und Weltmeister Kevin Großkreutz (r.).
Zwei der Stars, die ihrer Form hinterherhinken: Maximilian Beister (l.) und Weltmeister Kevin Großkreutz (r.).  © Imago

Die Spieler liefen und kämpften nicht füreinander, präsentierten sich leblos und allesamt weit unter Normalform.

Bekannte Namen wie Stefan Aigner, Maximilian Beister oder Adam Matuschyk gingen gegen ein Team, das vier Spiele ohne eigenes Tor geblieben war, komplett unter und hatten dabei noch Glück, dass Halle fahrlässig bei der Chancenverwertung war.

Es ist erschreckend, dass eine Mannschaft mit so vielen nachweislich herausragenden Fußballern so schlecht auftreten kann.

Der Eindruck, dass einige Altstars nur nach Uerdingen wechselten, um nochmal schnell gutes Geld abzugreifen, verstärkt sich nach Auftritten wie diesem in Halle.

Nun stellt sich die Frage, wie und wer diese Mannschaft so in den Griff bekommen- und formen kann, sodass sie ihr Potenzial abrufen kann.

Und ob das in dieser Spielzeit noch gelingt. Gerade letzteres ist zumindest zweifelhaft.

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