Kiel erhält 320.000 Euro für Schweinswale in der Ostsee: Und das ist nur der Anfang!

Kiel - Was hat der Einsatz von Schweinswal-Warngeräten in Fischernetzen mit Europa zu tun? Was der Handel mit Nüssen? Ziemlich viel.

Ein Mann steckt eine Karte mit dem Aufdruck der Europaflagge in den Schlitz einer Wahlurne. In Deutschland findet die Wahl am Sonntag, dem 26. Mai 2019 statt.
Ein Mann steckt eine Karte mit dem Aufdruck der Europaflagge in den Schlitz einer Wahlurne. In Deutschland findet die Wahl am Sonntag, dem 26. Mai 2019 statt.  © Patrick Pleul/dpa

Denn wenn ein Nusshändler in Husum eine neue Halle baut und elf neue Arbeitsplätze schafft, dann fördert die EU das ebenso wie die Technik zum Schutz der Meeressäuger in der Ostsee.

384.440 Euro und damit ein Fünftel der Gesamtinvestition sind es im Fall des Nusshändlers, 324.000 für die Schweinswale. Für größere Vorhaben in diversen Bereichen gibt es Millionenbeträge.

Die Frage, was Europa für ein Land wie Schleswig-Holstein tut, könnte im Blick auf die Wahl zum EU-Parlament am 26. Mai in manchen Überlegungen eine Rolle spielen. Deutschland ist der größte Nettozahler in der EU, aber so einiges kommt eben auch zurück.

Insgesamt gut 800 Millionen Euro aus EU-Töpfen sind in der Förderperiode 2014 bis Ende 2020 über das Land in diverse Projekte in Schleswig-Holstein geflossen oder werden es noch tun.

Hinzu kommen rund 140 Millionen, die von Brüssel aus direkt in verschiedenste Vorhaben eingespeist wurden.

Eine Auswahl großer EU-Finanzspritzen für konkrete Vorhaben in Schleswig-Holstein:

Schleswig-Holstein: Ein Schweinswal schwimmt im Meer. Die EU fördert mit 324 000 Euro die die Technik zum Schutz der Schweinswale in der Ostsee.
Schleswig-Holstein: Ein Schweinswal schwimmt im Meer. Die EU fördert mit 324 000 Euro die die Technik zum Schutz der Schweinswale in der Ostsee.  © DPA

EFRE: Das ist der Europäische Fonds für regionale Entwicklung. Die Gesamtsumme für dieses Vorhaben beläuft sich auf 271 Millionen Euro. Bis März wurden insgesamt 436 Projekte unterstützt, zum Beispiel eine Hamburger Traditionsfirma, die LED-Navigationsleuchten für Schiffe herstellt und gerade in Reinbek (Kreis Stormarn) eine neue Betriebsstätte baut.

EMFF: Der Europäische Meeres- und Fischereifonds erhielt von der Europäischen Union 24 Millionen Euro. Damit wurden bisher 263 Vorhaben bewilligt. Ein Beispiel ist, neben dem Projekt zum Schweinswalschutz, dass Ostseefischer, die ihre Boote für eine bestimmte Zeit stilllegen, eine Prämie bekommen. Das schont die Bestände und hilft den Fischern, bei Quotenkürzungen besser über die Runden zu kommen. Das Volumen ist hier eher überschaubar: 715.000 Euro flossen dafür bisher aus dem EU-Fonds.

HORIZON 2020: dabei handelt es sich um die Förderung von Forschungs- und Innovationsprojekten. 67 Millionen Euro wurden dafür in Schleswig-Holstein eingeworben, beispielsweise für das Kieler Geomar Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung.

LIFE: So nennt sich ein Programm für die Umwelt und Klimapolitik: Daraus gab es bisher 13 Millionen Euro aus Brüssel. Finanziert wurde damit zum Beispiel ein Projekt zur Wiederansiedlung eines seltenen Schmetterlings, dem "Goldenen Scheckenfalter", der in Schleswig-Holstein 1991 zum letzten Mal beobachtet worden war.

Aktuell stellt sich dennoch die Frage: Wird es angesichts des Brexit und der Europawahl weiterhin so massive Fördergelder für das nördlichste Bundesland geben?

Brexit ist neben der Europawahl entscheidend für die Höhe der Fördergelder

Geldscheine (Symbolbild).
Geldscheine (Symbolbild).  © DPA

Für die nächste Förderperiode muss Schleswig-Holstein damit rechnen, dass weniger Geld aus Brüssel kommt.

Mit Großbritanniens geplantem Austritt aus der EU, dem sogenannten Brexit, wird ein großer Nettozahler wegfallen.

"Die EU ist keine Sparkasse", sagt Europaministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). "Mit der Finanzhilfe der EU können wir vieles anpacken, was der Entwicklung Schleswig-Holsteins zugutekommt." Das geschehe sinnvoll und zielgerichtet.

Doch die Projekte zeugten in erster Linie vom Gestaltungswillen, dem Leistungsvermögen und der kreativen Vielfalt der Bürger. Sie seien Ausdruck der Schaffenskraft und der Identität der Menschen und ihrer Regionen in einem gemeinsamen Europa.

"Die europäische Zusammenarbeit schafft insgesamt Potenziale, die größer sind als die Summe der Einzelteile", sagt Sütterlin-Waack. "Mehr noch: Die EU stärkt den europäischen Zusammenhalt und Wohlstand."

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