Rocker-Affäre: Ehemaliger Ermittler spricht von "Lügenvermerk" in den Akten

Kiel - Schwere Vorwürfe! Ein ehemaliger Ermittler hat die Polizei im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Rocker in Schleswig-Holstein in Erklärungsnot gebracht.

Rocker fahren mit ihren Motorrädern durch die Stadt. (Symbolfoto)
Rocker fahren mit ihren Motorrädern durch die Stadt. (Symbolfoto)  © DPA

Vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zur sogenannten Rocker-Affäre sprach der Zeuge von mangelnder Führung und einer Reihe von Fehlern bei den Ermittlungen nach einem Überfall in einem Subway-Schnellrestaurant im Januar 2010 in Neumünster.

Damals hatten Mitglieder der "Bandidos" Rocker der "Red Devils" angegriffen und zwei Männer schwer verletzt.

Erst Ende Mai habe es auf Initiative eines anderen Ermittlers eine Nachbesprechung zu dem Einsatz von Mitte Januar gegeben. "Jeder wusste, dass der Einsatz nicht gut gelaufen ist", sagte der Zeuge. Das sei offensichtlich gewesen.

Bei ihren Ermittlungen seien er und sein Kollege, der bereits in der vergangenen Woche ausgesagt hatte, auf mehrere Auffälligkeiten gestoßen. Beispielsweise habe es weder Fotos noch eine Skizze von der Durchsuchung des Clubhauses der "Bandidos" gegeben. Das sei ungewöhnlich gewesen.

Zudem habe er die Durchsuchungsdauer als relativ gering empfunden. Der Vermerk eines V-Mann-Führers habe schlicht nicht gestimmt. "Aus unserer Sicht ist da ein Lügenvermerk vorgelegt worden."

Die SoKo Rocker verfügt über mehrere Sonderakten zu dem Fall.
Die SoKo Rocker verfügt über mehrere Sonderakten zu dem Fall.  © DPA

Der 41-Jährige kritisierte die Kommunikation innerhalb der Soko Rocker, die aufgrund der gewalttätigen Auseinandersetzungen rivalisierender Rockergruppen gebildet worden war.

Obwohl die Ermittler nach dem Überfall fünf Haftbefehle angeregt hätten, habe er das Interesse der Vorgesetzten als "relativ zurückhaltend" empfunden. Der Leiter der Soko "wirkte mit der Materie überfordert".

Nach dem Überfall im Schnellrestaurant auf eine Unterstützergruppe der "Hells Angels" waren 15 "Bandidos" festgenommen worden, schilderte der Ermittler. Aber nicht von allen seien Kleidung und Mobiltelefone gesichert worden. "Das hätte man besser machen müssen."

Der Ausschuss will mögliche Missstände in der Polizei aufklären im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Rockerkriminalität in früheren Jahren. Es geht um Vorwürfe der Aktenmanipulation, der Unterdrückung von Beweismitteln, Druck "von oben" bei der Polizei und Mobbing. Ausgangspunkt war die polizeiliche Aufarbeitung des sogenannten Subway-Verfahrens.

Für Aufregung sorgte vor Beginn der Ausschusssitzung ein führender "Bandido". Der Rocker verfolgte die Ausschusssitzung als Zuschauer.

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