Kieler Wissenschaftler messen auf dem Mond gefährliche Strahlung

Kiel/Peking - Astronauten gehen bei ihren Weltraummissionen ein großes Risiko ein. Im All treffen sie auf eine gesundheitsgefährdende Strahlung.

Forscher Prof. Robert F. Wimmer zeigt das LND, mit dem auf dem Mond die gefährliche Neutronen-Strahlung gemessen werden soll.
Forscher Prof. Robert F. Wimmer zeigt das LND, mit dem auf dem Mond die gefährliche Neutronen-Strahlung gemessen werden soll.  © DPA

Kieler Wissenschaftler erforschen jetzt auf dem Mond die als besonderes Risiko geltende Neutronen-Strahlung.

Das Team um Prof. Robert F. Wimmer-Schweingruber von der Kieler Universität ist mit einem Forschungsprojekt an der chinesischen Mondsonde "Chang'e 4" beteiligt, die am Donnerstag um 3.26 Uhr MEZ auf der Rückseite des Erdtrabanten aufsetzte.

Im Gegensatz zu anderer Strahlung, die von Schutzanzügen weitgehend absorbiert werde oder durch den Körper schlage, könnten Neutronen tief in den menschlichen Körper eindringen, sagte Wimmer-Schweingruber.

"Die Strahlenexposition ist das größte unkontrollierte Risiko für Astronauten-Missionen." Ziel sei es, auch herauszufinden, ob geschützte Unterkünfte für Astronauten auf dem Mond möglich wären. "Das könnten Höhlen oder auch Lava-Röhren sein", sagte der Experte.

Auf der Landestation der chinesischen Sonde ist das "Lunar Lander Neutron Dosimetry" (LND) des Instituts für Experimentelle und Angewandte Physik montiert.

Das Messgerät ist mit an Bord der chinesischen Sonde.
Das Messgerät ist mit an Bord der chinesischen Sonde.  © DPA

Die Chinesen gehen laut Wimmer-Schweingruber davon aus, dass die Landestation etwa ein Jahr Daten liefert. "Wir hoffen, dass es länger funktioniert", sagte der Experte.

Das im All positionierte Relais habe Energie für drei Jahre. Die Daten werden in China empfangen und per Internet nach Kiel weitergeleitet. Das Team an der Förde hat etwa zehn Mitarbeiter.

"Wir wollen vor allem mehr wissen über das Verhältnis zwischen Neutronenstrahlung und elektrisch geladener Strahlung wie Protonen, Elektronen und schwere Ionen", sagte der 55-jährige Wissenschaftler.

Es gebe zwei Quellen von Strahlung im All - die Sonne und den Hintergrund der Milchstraße, die Galaxie. "Anders als die Strahlung aus der Milchstraße kann die Strahlung der Sonne extrem variieren - um den Faktor 1000 bis maximal 10 000."

Es sei noch nicht geklärt, warum sich der Faktor ändere und die Unterschiede entstünden. "Für Astronauten, die aus dem All zurückkehren, ist die Strahlung ein Langzeitrisiko."

Denn sie könne die DNA der Menschen verändern, was wiederum Krebs hervorrufen könnte, sagte der Wissenschaftler.

Die Aufnahme zeigt die Landung der chinesischen Sonde auf dem Mond.
Die Aufnahme zeigt die Landung der chinesischen Sonde auf dem Mond.  © DPA

Warum die Chinesen ausgerechnet ein Projekt aus Kiel für ihre Mondsonde ausgesucht haben? Seit 50 Jahre gebe es an der Förde Weltraumforschung und man habe bereits an Missionen für die amerikanische Weltraumbehörde Nasa und die europäische Weltraumorganisation Esa mitgewirkt.

2015 habe er eine Einladung nach China erhalten, das Kieler Forschungsteam vorzustellen, und 2016 die Zusage erhalten, sagte Wimmer-Gruber. Seit 15 Jahren arbeitet der Experte mit Schweizer und kanadischem Pass an der Förde.

Die Kieler Forscher hätten für die Mondmission nur teilweise auf ihre bewährten Designs in dem Marsrover "Curiosity" der Nasa und in der Raumsonde "Solar Orbiter" der Esa zurückgreifen können, bestätigte Wimmer-Schweingruber.

Aufgrund von Exportbeschränkungen einiger Bauteile nach China habe man Komponenten teilweise neu entwerfen müssen. Außerdem könne das Gerät mit neuartiger Technik den Wassergehalt auf dem Mond bestimmen.

"Aber das ist eher eine Art Abfallprodukt unserer Strahlenforschung." Die Wissenschaft gehe davon, dass es kaum Wasser auf dem Mond geben dürfte.

Im Jahr 2030 soll erstmals ein chinesischer Astronaut einen Fuß auf den Erdtrabanten setzen. "Es wäre natürlich ein Traum, sich mit einem eigenen Projekt an der chinesischen Mond-Mission 2030 beteiligen zu können", sagte Wimmer-Schweingruber.


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