Kükenfressender Wels soll raus aus dem Teich, nur wie?

Offenbach - In munterem Zickzack-Kurs durchschwimmt das flaumige Teichhuhn-Küken den Teich. Bäume spiegeln sich in der bräunlichen Wasseroberfläche des Offenbacher Dreieichteichs. Ein paar Jogger ziehen ihre Runden am Ufer.

Ganz so viele Tiere wie zuvor behauptet sind dem Wels wohl doch noch nicht zum Opfer gefallen (Symbolbild).
Ganz so viele Tiere wie zuvor behauptet sind dem Wels wohl doch noch nicht zum Opfer gefallen (Symbolbild).  © DPA/ZB/Bernd Wüstneck

Teils schimmert es grünlich auf und unter dem Wasser. Irgendwo da unten gründelt er im Moder: der Wels, der von einigen Zeitungen bereits als Küken-Killer bezeichnet wurde.

Er soll raus, ehe er noch mehr Küken frisst - Teichhühner gelten nämlich als besonders geschützte Art. Das Entfernen des Raubfischs soll weiteren Küken-Schwund verhindern. Nur: Wie kann das Tier gefangen werden?

"Das Rausholen ist nicht so einfach", gesteht Kerstin Holzheimer, Sprecherin der Stadt Offenbach. Etwa 2500 Quadratmeter Fläche habe der Teich - bei einer Wassertiefe von etwa 30 bis 80 Zentimeter. Da könnte man doch eigentlich locker reinwaten, etwa in hohen Anglerhosen? Eine vermutlich rutschige Angelegenheit, wird bei der Stadt vermutet. "Am Boden ist eine Moderschicht, in der sich jetzt wohl auch der Wels aufhält."

"Das Tier versteckt sich wohl auf dem Grund des Weihers und ist von dort auch aktuell nicht mittels Elektro-Fischerei zu erreichen", erklärt das Regierungspräsidium Darmstadt. Sollte ein Berufsfischer vorhaben, den Fisch mit Strom zu betäuben und an die Oberfläche zu holen, müsste bei der Behörde ein entsprechender Antrag gestellt werden.

Oliver Muschner, der auf seiner Webseite Waller-fangen.de Informationen und Fangtipps zu dem auch Waller genannten Wels publiziert, hält auch die Vermessung des Teichs mit einem Echolot für möglich - am besten in Kombination mit einem Futterboot. "Hierdurch könnten die vermutlichen Welsunterstände entdeckt werden", sagt er. "Diese Unterstände sollte dann sehr gezielt ab dem späten Nachmittag bis zum nächsten Morgen befischt werden."

Allzu lange solle mit dem Fangversuch aber nicht gewartet werden, rät der Angel-Experte. "Die Chancen, den Wels zu erwischen, schwinden mit sinkenden Wassertemperaturen." Innerhalb der nächsten sechs Wochen sollte es daher schon losgehen.

Gespräche mit der Feuerwehr über Möglichkeiten, das Wasser aus dem Teich abzupumpen, gab es jedenfalls noch nicht. Zum einem müsse das Wasser irgendwohin abgepumpt werden, gibt Stadtsprecherin Holzheimer zu bedenken.

In diesem Weiher soll sich das schätzungsweise rund 1,50 Meter lange Tier aufhalten.
In diesem Weiher soll sich das schätzungsweise rund 1,50 Meter lange Tier aufhalten.  © dpa/Boris Rössler

Zum anderen: "Wir wissen ja gar nicht, wer da vielleicht sonst noch lebt." Andere Fische oder Kleintiere sollen jedenfalls nicht zum Tod durch Wassermangel verurteilt werden, wenn sie bisher das Glück oder Geschick hatten, die Hungerattacken des Raubfischs zu überleben.

Ganz so leergefressen, wie es nach ersten Berichten erschien, ist die Teichbewohnerschaft jedenfalls nicht. Wenn besorgte Tierfreunde Böschung und Wasseroberfläche in Augenschein nehmen, tummeln sich da ein knappes Dutzend - allerdings kükenloser - Stockenten. Mindestens zwei Teichhühner mit drei Küken sind unterwegs. Keines der Tiere verhält sich, als erscheine ihnen das Gewässer wegen einer Gefahr aus der Tiefe irgendwie bedrohlich.

Tierschützer, denen der hungrige Wels mehr am Herzen liegt als die Küken - in der Natur geht es schließlich um Fressen und Gefressen werden -, können aufatmen. Die Stadt Offenbach hofft, dass der Fisch lebend gefangen werden und in einem privaten Gewässer unterkommen kann. Denn in fließenden Gewässern darf das Tier nach EU-Recht und Hessischer Fischereiverordnung nicht ausgesetzt werden.

Dabei sei der Wels seinerzeit vielleicht selbst einmal im Offenbacher Teich ausgesetzt worden, vermutet Ruwen Kohring, Fachautor für Angler-Magazine und nach eigenen Angaben Wels-Spezialist. "Der ist vielleicht einem Teichbesitzer zu groß geworden." Immerhin soll das Tier, das im vergangenen Jahr erstmals gesichtet wurde, mittlerweile 1,50 Meter lang sein. Es ist übrigens eine Ordnungswidrigkeit, einen Wels ohne Genehmigung einfach in ein fremdes Gewässer zu geben. "Das kann eine Geldbuße bis zu 5000 Euro nach sich ziehen", sagt Holzheimer.

Die Stadt Offenbach will natürlich korrekt vorgehen. Sollte es gelingen, den Fisch lebend zu fangen, wartet also schon die nächste Herausforderung. Denn ein privater Teichbesitzer, in dessen Gewässer der Wels ausreichend Platz und Nahrung findet, ohne in ein anderes Gewässer wechseln zu können, muss erst einmal gefunden werden.

Titelfoto: DPA/ZB/Bernd Wüstneck/Boris Rössler


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