Spermien zu lahm? So könnte der Kinderwunsch trotzdem in Erfüllung gehen

Ungewollt kinderlos: Dieses Schicksal teilen weltweit Millionen Paare.
Ungewollt kinderlos: Dieses Schicksal teilen weltweit Millionen Paare.

Dresden - Millionen Paare weltweit versuchen vergeblich, Kinder zu bekommen. Einer der Hauptgründe für ihre ungewollte Kinderlosigkeit sind zu langsame Spermien des Mannes. Dresdner Leibniz-Forscher wollen die menschliche Fortpflanzung nun optimieren: Sie entwickelten einen Mikromotor, der befruchtungsfähige, aber lahme Spermien zur Eizelle befördert.

"Spermbot" nennen die Wissenschaftler um Oliver G. Schmidt, den Direktor des Instituts für Integrative Nanowissenschaften (IIN), ihre Erfindung. Dabei handelt es sich um eine Art "Außenbord-Motor" aus dem 3-D-Drucker: Mithilfe eines rotierenden Magnetfeldes schieben sie den spiralförmigen Antrieb von hinten über die Geißel des lahmen Spermiums.

Dann navigieren sie die männliche Keimzelle zu einem empfangsbereiten Ei und setzen sie dort ab. Dringt das Spermium in die Eizelle ein, bleibt die winzig-kleine Titan-Nickel-Konstruktion außen zurück.

"Wir beschäftigen uns mit dem Thema seit drei Jahren", berichtet Lukas Schwarz vom IIN. Und erklärt: "Ein wichtiges Teilgebiet der Mikro- und Nanotechnologie ist die Herstellung winzig kleiner Motoren und Antriebe. Die Natur bietet dafür oft die beste Inspiration."

Die Experimente werden in einer Petrischale unter dem Mikroskop 
durchgeführt.
Die Experimente werden in einer Petrischale unter dem Mikroskop durchgeführt.

Die Forscher stellten sich die Frage, wo es besonders schmerzlich ist, wenn so ein natürlicher Minimotor ausfällt, und was man machen kann, um entsprechende Antriebshilfe zu leisten.

Schwarz: "So sind wir auf die Idee gekommen, Spermien, die sich nicht mehr fortbewegen können, mit einem einfachen Mikroantrieb wieder flott zu machen."

Der junge Mann ist begeistert: "Für mich als Wissenschaftler ist dabei besonders interessant, dass dieses Thema trotz aller technischen Details und Schwierigkeiten einen klaren Bezug zu einem mehr oder weniger alltäglichen und nachvollziehbaren Problem behält."

Den spektakulären "Spermbot" haben die Forscher in Experimenten in einer Petrischale durchgeführt - also unter dem Mikroskop mit Rinderspermien. "Die erfolgreiche Befruchtung einer Eizelle mit dem Verfahren ist aber noch nie demonstriert worden", schränkt Lukas Schwarz ein. Er dämpft die Erwartungen: "Unbegründete Hoffnungen sollten nicht geweckt werden. Es handelt sich hier um Grundlagenforschung."

Wann könnte das verblüffende Verfahren in der Kinderwunsch-Medizin zum Einsatz kommen? Lukas Schwarz: "Der Zeitrahmen für den Erfolg dieser Forschung ist nicht vorhersehbar. Von dem Nachweis der prinzipiellen technischen Machbarkeit bis zur effizienten, zuverlässigen Anwendung eines Verfahrens ist es oft ein sehr weiter Weg."


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