Kinderschützer schlagen Alarm: Instagram-Eltern betreiben Form von Kinderarbeit

Berlin - Wer im Internet Erfolg haben will, zerrt seine Kinder vor die Kamera. Für ein Paar gewinnbringende Klicks müssen Babys und Kleinkinder ungefragt herhalten - mit Erfolg. Doch dabei blenden Social-Media-Eltern gerne die Konsequenzen ihrer vermeintlich guten Absichten aus.

Eine junge Frau fotografiert mit ihrem Handy im Prinzenbad ihr schwimmenden Kinder.
Eine junge Frau fotografiert mit ihrem Handy im Prinzenbad ihr schwimmenden Kinder.  © Jens Büttner/ZB/dpa

Spielst du noch oder arbeitest du schon? Wenn kleine Kinder im Internet Werbung machen oder beim Aufwachen gezeigt werden, wird es für das Kinderhilfswerk grenzwertig.

Ein öffentlich inszeniertes Leben von Kindern in privaten Internet-Auftritten, wie es beispielsweise Influencerin Janni Hönscheid (28) oder Moderatorin Johanna Klum (38) tun (TAG24 berichtete), wird den Kinderschützern zunehmend unheimlicher.

"Da geht es um Persönlichkeitsrechte, Privatsphäre und auch die Instrumentalisierung von Kindern", sagte Luise Meergans, Bereichsleiterin für Kinderrechte und Bildung. "Viele Eltern meinen das schon gut." Dennoch könne der Schutzgedanke manchmal auf der Strecke bleiben. Doch wo fängt der Schutz an?

Es gehe nicht allein um Filmaufnahmen im Badeanzug oder beim Aufwachen. "Die Länge und Häufigkeit mancher Auftritte ist schon eine Form von Kinderarbeit", urteilt Meergans. Nur, dass für Kinderschauspieler bei Filmen sehr genaue Regeln gelten - bis hin zur Zustimmung des Jugendamts. Bei Mutter und Vater hinter der Kamera gebe es dagegen keine Auflagen.

Mama, Papa und die Handykamera sind immer dabei und filmen alles für den Erfolg im Netz. (Symbolbild)
Mama, Papa und die Handykamera sind immer dabei und filmen alles für den Erfolg im Netz. (Symbolbild)  © 123RF (Symbolbild)

Strafbar ist das alles nicht. Doch die Kinderschützerin wird hellhörig, wenn Kinder die Hauptrolle spielen: Sechsjährige, die auf YouTube Spielzeug oder Apps testeten. Zehnjährige, die bei Snapchat Einblicke in ihre Freizeit gewährten. Und Vierzehnjährige, die auf Instagram Mode- und Schminktipps gäben.

"Kinder sind nicht mehr allein Rezipienten dieser Angebote, sie sind auch Akteure", beobachtet Meergans. Da sei für sie die Frage, wie freiwillig das alles noch sei. Denn manche Eltern hätten ihre Jobs an den Nagel gehängt, um mit Internet-Angeboten rund um den Nachwuchs den Lebensunterhalt zu verdienen.

Was Kinderschützer vor allem befürchten, ist ein Aufweichen des Kinderschutzes. "Schon Dreijährige wehren sich gegen Fotos und sagen: Mach das weg", sagt Meergans. "Kinder haben auch ein ganz anderes Verständnis von Niedlichkeit und Peinlichkeit als Erwachsene." Doch oft würden sie wahrscheinlich gar nicht gefragt, bevor ein Film mit ihnen im Netz landet. "Ich habe als Kind aber einen Anspruch darauf, dass meine Eltern mich fragen, ob ich das überhaupt will", betont sie.

Meergans sieht auch die Anbieter von Internet-Plattformen in der Verantwortung, wenn Familien dort ein öffentliches Leben führen. "Auch die Anbieter verdienen damit Geld. Aber es gibt bisher keinen Meldemechanismus und keine Kontrollinstanz." Da sieht sie Nachholbedarf.

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